LUZERN: «Es fehlen 18'500 Studentenwohnungen»

Tamara Deix (23) widmete sich in der Bachelorarbeit der Wohnungssuche von Studenten. Ihr Fazit: Der Mangel ist gross, das Potenzial für Investoren ebenfalls.

Stephan Santschi
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Tamara Deix hat in ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule Luzern – Wirtschaft die Wohnsituation von Studenten untersucht. (Bild Roger Grütter)

Tamara Deix hat in ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule Luzern – Wirtschaft die Wohnsituation von Studenten untersucht. (Bild Roger Grütter)

«Eine befreundete Studentin suchte in Zürich Wipkingen eine Wohnung. Bereits um acht Uhr morgens hatte sich bei der Besichtigung einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung eine Schlange von 150 bis 200 Menschen gebildet.» Das Beispiel hat Symbolcharakter. Und erklärt exakt, worum es in der Bachelorarbeit von Tamara Deix geht. Die 23-jährige Brunnerin hat sich im Rahmen ihres Studiums in Business Administration an der Hochschule Luzern – Wirtschaft dem Thema «Student Housing» gewidmet. Mit der Frage: Wie gestaltet sich die Wohnsituation für Studenten? Die Antwort: «Schweizweit hat es 18 500 Zimmer zu wenig», sagt Deix. In ihre Markt- und Standortanalyse fallen dabei Plätze in Studentenwohnheimen. «Nicht erfasst habe ich Wohngemeinschaften. Die werden nirgendwo als solche registriert.»

Studenten im Luftschutzkeller

Konkret widmete sich Deix den Städten Zürich, Luzern, Basel, Bern und St. Gallen. Sie recherchierte unter anderem die Zahl der Studierenden und setzte sie in Relation zum Wohnungsangebot. In einem zweiten Schritt richtete sie sich in einer Online-Umfrage an Studenten der ETH und der Uni Zürich. Ihre Erkenntnis: «Besonders in Zürich ist es für Studierende schwierig, eine Wohnung zu mieten. Einerseits stehen kaum Wohnungen leer, andererseits sind die Mieten derart gestiegen, dass sie das Budget eines Studierenden übersteigen.» In Zürich stand laut ihrer Untersuchung im Jahr 2012 für 18 Studenten durchschnittlich ein Zimmer in einem Wohnheim zur Verfügung. Total studierten zu diesem Zeitpunkt 62 500 Menschen in Zürich. Gemäss der Wohnkommission fehlen 2000 bis 2500 Zimmer. Seit 2012 werden Studenten ohne Wohnung vorübergehend sogar in Luftschutzkellern untergebracht.

In Luzern ist die Lage statistisch noch prekärer. Hier würden knapp 45 Studenten auf einen der insgesamt nur 200 Plätze in Studentenwohnheimen fallen. 9000 Studierende gebe es in Luzern insgesamt. «In Luzern leben viele Studenten entweder noch bei ihren Eltern oder in Wohngemeinschaften in der Agglomeration», erzählt Deix. Sie selber pendelte während ihrer vier Jahre zwischen Luzern und ihrem Wohnort Brunnen.

Gesucht: Private Investoren

Ihr Fazit: In Schweizer Städten wäre das Potenzial für den Bau von günstigem Wohnraum für Studenten gross. Zwar entstünden in Zürich derzeit Neubauten für Studenten. «Noch ist dies für private Investoren aber ein Nischenbereich», sagt Deix und verweist auf eine Immobilienfirma mit Sitz in Zug, die in Wien in unmittelbarer Nähe der Wirtschaftsuniversität ein Grossprojekt realisiert. Zwar sei die Nachfrage, in solche Objekte zu investieren, auch in der Schweiz vorhanden, heisst es aus Zug. Die Schwierigkeit liege allerdings darin, geeignete Grundstücke zu finden. In Deutschland und Österreich liessen sich für Studentenhäuser zudem bessere Renditen erzielen.

In ihrer Umfrage in Zürich hat Tamara Deix ermittelt, dass «80 Prozent der Befragten gerne in einem Wohnheim leben würden». Wichtig sei für die Studenten aber, dass nicht mehr als fünf Mitbewohner die gemeinsame Küche und das gemeinsame Bad benutzen. «Im Vergleich zu früher legt man mehr Wert auf Privatsphäre.»

Für Tamara Deix ist das Studentenleben vorbei. Aktuell absolviert sie ein Praktikum bei einem Immobilienmakler in Zug. «Ich möchte in dieser Branche möglichst viele Erfahrungen sammeln. Mir gefällt der Kundenkontakt, ich mag es, den Leuten Liegenschaften zu zeigen», sagt sie. Vielleicht werden es dereinst ja auch Studenten sein, die sie durch ihre künftige Bleibe führt.