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LUZERN: «Es gibt hier für mich keine Sonderbehandlung»

Dem Militär gehen die Rekruten aus. In die Bresche springen sollen Frauen. Im Raum steht der obligatorische Besuch des Infotages – gar eine Wehrpflicht für alle prüft der Bund. Doch was kann die Armee Frauen bieten? Eine Luzernerin erzählt.
Christian Hodel
Eine unter wenigen: Eileen Hodel (19) aus Triengen lässt sich zur Offizierin der Schweizer Armee ausbilden. (Bild: Pius Amrein (Dübendorf, 25. Juli 2017))

Eine unter wenigen: Eileen Hodel (19) aus Triengen lässt sich zur Offizierin der Schweizer Armee ausbilden. (Bild: Pius Amrein (Dübendorf, 25. Juli 2017))

«Gruppenführer Zug 6, FULW RS 95-2», sagt die 19-Jährige und ­salutiert. Die zwei Soldaten beim Eingang der Theodor-Real-­Kaserne in Dübendorf stehen stramm und erwidern den Gruss der Obergefreiten. Das lange blonde Haar hat die Triengerin zum Zopf geflochten, die Schuhe säuberlich geputzt: «Disziplin ist mir wichtig», sagt Eileen Hodel, seit dem 13. März 2017 im Dienste der Schweizer Armee.

Obergefreite Hodel ist eine von vier Luzernerinnen, die im Frühling in die Rekrutenschule eingerückt sind. Schweizweit sind es jedes Jahr ein paar ­Dutzend. Gerade mal 875 aktive weibliche Armeeangehörige zählte das Militär im vergangenen Jahr – bei einem Gesamt­bestand von 124 170 Aktiven. Zu wenig, finden Politiker aus verschiedenen Lagern. Auch darum stehen beim Bund mehrere Projekte an, um Frauen für die Armee zu begeistern. Der obligatorische Besuch eines Orientierungstages (siehe Kasten) wird diskutiert – oder gar eine allgemeine Dienstpflicht. Doch was kann die Armee Frauen bieten?

Körperliche Strapazen sind die grösste Herausforderung

«Wo sonst kann ich mit 19 Jahren Führungserfahrung sammeln, wenn nicht im Militär», sagt Hodel. Statt für den direkten Weg zum Studium entschied sie sich nach der Matura für die Unteroffiziersschule und führt nun mit fünf weiteren Kader über 30 Rekruten. In zwei Wochen beginnt sie die Offiziersschule. Einheit: Führungsunterstützung Luftwaffe. Spezialfunktion: Werkbetrieb Flieger Höhenlage. «Ich bin erst die zweite Frau in der Schweizer Armee, die diese Funktion ausübt.» Hodels Einsatzort ist das Gebirge. Ihr Auftrag: den Betrieb der militärischen Radarstationen sicherstellen, damit ihre Kameraden den Luftraum überwachen können. Neben einer Gebirgsausbildung muss sie auch Seilbahnen bedienen und hat eine Feuerwehrausbildung. «Körperlich ist das eine strenge Aufgabe.» In den Stollen mit einem 14,5 Kilogramm schweren Atemschutzgerät und einer 5 Kilogramm schwerer Brandschutzkleidung gehören ebenso dazu wie Nachtübungen inklusive 30 Kilometer lange Märsche. «Ich habe einen anderen Körperbau als meine Kollegen. Das ist die grösste Herausforderung.» Doch warum tut sich das jemand freiwillig an? «Man kann erst übers Militär diskutierten, wenn man es gemacht hat.»

Einen obligatorischen Orientierungstag für Frauen begrüsse sie. Bei der allgemeinen Wehrpflicht ist Hodel skeptischer. «Wer freiwillig ins Militär geht, ist wahrscheinlich motivierter», sagt sie und fügt an: «Und natürlich ist nicht alles immer nur rosig.» Alles in der Armee sei stark strukturiert – vom Aufstehen bis zum Lichterlöschen. «Aber man gewöhnt sich daran. Für mich ist das Militär kein Zeitfüller, sondern etwas, das ich wirklich will und wovon ich im Alltag profitieren kann.» Geht alles nach Plan, wird sie im November die Offiziersschule beenden und als Zugführer einer Rekrutenschule vorstehen – einer Gruppe Männern, die ihren Befehlen gehorchen muss. Ein Problem? «Es gibt immer Männer, die Mühe damit haben, dass ich eine Frau bin. Das war ich mir schon bewusst, bevor ich einrückte.»

Skepsis und Vorurteile sind vorhanden

Aber Probleme wegen ihres Geschlechts habe sie während der Rekruten- und der Unteroffiziersschule nie gehabt. «Es gibt hier für mich keine Sonderbehandlung.» Mehr leisten, dass sie respektiert werde, müsse sie zwar nicht. «Aber weniger natürlich auch nicht», sagt Hodel und fügt an: «Wenn auf einem 30-Kilometer-Marsch fünf Soldaten sich wegen Blasen an den Füssen beklagen, ist das nicht so schlimm. Wenn ich es tun würde, hätte es eine andere Dimension.» Frauen in der Armee sind nach wie vor ein mit Vorurteilen behaftetes Thema. Hodel hat es lange niemandem gesagt, als sie sich für das Militär entschied. Als sie es doch tat, kam Skepsis auf. Letztlich aber konnte sie Familie und Freunde überzeugen – mehr noch. «Ich bat meine Freundin, am Orientierungstag mitzukommen. Sie ist dann am gleichen Tag wie ich eingerückt, einfach in eine andere Truppengattung.»

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

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