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LUZERN: «Es gibt keinen Interessenkonflikt»

Die Stiftung für Patientenschutz kritisiert die Kandidatur der Chefärztin Verena Briner für den Novartis-Verwaltungsrat. Briner aber winkt ab.
Alexander von Däniken und Roman Schenkel
Soll Einsitz nehmen im Verwaltungsrat der Novartis: Verena Briner. (Bild: Philipp Schmidli)

Soll Einsitz nehmen im Verwaltungsrat der Novartis: Verena Briner. (Bild: Philipp Schmidli)

Die Kandidatur von Verena Briner, Chefärztin Innere Medizin am Luzerner Kantonsspital (LUKS), für den Verwaltungsrat des Pharmakonzerns Novartis stösst weiter auf Kritik. Schon Rainer Kaelin, Facharzt für Pneumologie und Innere Medizin in Morges, monierte, dass sich Briner in einen Interessenkonflikt zwischen öffentlichem Spital und privatem Konzern begebe (Ausgabe von gestern). Nun sagt Barbara Züst, Co-Geschäftsleiterin der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz, auf Anfrage: «Die Kandidatur ist keine gute Idee. Man wird sich fragen, welchen Hut sie gerade trägt; den gewinnorientierten der Novartis oder den öffentlich-rechtlichen des Kantonsspitals.» Ein Verwaltungsratsmandat setze zudem ausgezeichnete betriebswirtschaftliche Kenntnisse voraus: «Ob Frau Briner diese als Frau von der Front einbringen kann, ist fraglich.» Fragezeichen setzt Züst auch hinter die zeitliche Belastung: «Dass eine Chefärztin mit einer Hand für ihre Patienten sorgt und gleichzeitig mit der anderen Hand die Geschicke eines Pharmariesen mitgestaltet, kann ich mir nicht vorstellen.»

Ethos hat keine Bedenken

Übermorgen Freitag treten Daniel Vasella und Marjorie Yang aus dem Verwaltungsrat der Novartis zurück. Gleichzeitig soll das Gremium von 12 auf 14 Mitglieder vergrössert werden; neben Briner stehen also drei weitere Kandidaten zur Wahl.

Der Zuger Vermögensverwalter zCapital ist Aktionärsvertreter – und empfiehlt, Briner nicht zu wählen. «Wir erachten insgesamt das Verwaltungsratsgremium von Novartis als zu gross. Die Nicht-Wahlempfehlung hat nichts mit der Person Verena Briner zu tun», sagt Gregor Greber, Chef von zCapital. Man unterstütze nur zwei der vier vorgeschlagenen Kandidaten: die Neubesetzung des Verwaltungsratspräsidiums durch Jörg Reinhardt sowie den Kompetenz- und Wissensausbau in der Krebsforschung durch Charles L. Sawyers. Die Anlegerstiftung Ethos hingegen empfiehlt, Verena Briner in den Novartis-Verwaltungsrat zu wählen. Für Ethos bestehe kein Interessenkonflikt, sagt Sprecher Christophe Hans auf Anfrage. «Wir sehen keine möglichen Geschäftsbeziehungen zwischen Novartis und dem Luzerner Kantonsspital, die Frau Briners Unabhängigkeit beeinträchtigen könnten.»

350 000 Franken für acht Tage

Verena Briner selbst sagt auf Anfrage unserer Zeitung: «Es gibt keinen Interessenkonflikt. Einerseits werde ich mich auch im Verwaltungsrat der Novartis für die Spitalpatienten einsetzen. Andererseits entscheide nicht ich über den Medikamenteneinkauf, sondern die Arzneimittelkommission des LUKS, der ich nicht angehöre.» Sie könne – wie andere Chefärzte und Abteilungsleiter auch – höchstens einen Antrag auf neue Medikamente stellen. Es sei eine Illusion, dass die heutige Gesellschaft ohne Medikamente der Pharmaindustrie auskomme. «Umso wichtiger ist es, dass ich bei der Novartis die Bedürfnisse der Spitalpatienten einbringen kann.» Bringt Briner denn genügend Management-Qualitäten mit? «Es war ja die Novartis, welche mich angefragt hat. Der Firma scheinen meine Qualitäten zu genügen.» Sie habe auch deshalb zugesagt, «weil ich nach meiner Zeit im Kantonsspital eine sinnvolle Beschäftigung haben will». Sie ist 62 Jahre alt, mit 64 werde sie pensioniert. Dass das Mandat neben ihrer Vollzeitanstellung zeitlich nicht machbar sei, dementiert die Chefärztin: «Mit dem Mandat werde ich acht Arbeitstage im Jahr abwesend sein und in der Freizeit Dossiers vor- und nachbearbeiten. Dafür kompensiere ich andere Projekte in meiner Ferienzeit, zum Beispiel bei meinem Amt in der Europäischen Gesellschaft für Innere Medizin.» Zur grosszügigen Entschädigung als Verwaltungsrätin sagt sie: «Der Lohn war und ist für mich kein Thema, ich habe von der Novartis noch nicht einmal einen Arbeitsvertrag bekommen.»

Spitalratspräsident hinter Briner

Beat Villiger ist Spitalratspräsident des Luzerner Kantonsspitals. Über den Interessenkonflikt sagt er: «Frau Briner wird sehr wohl unterscheiden können, wen sie wo vertritt.» Ihre Kandidatur sei auch im Spitalrat ein Thema gewesen. «Wir sind der Überzeugung, dass eine solche Kapazität mit ihrem Wissen von der Front für die Novartis von Nutzen sein wird. Umgekehrt haben ja auch die Spitäler ein Interesse an Medikamenten, welche sie zum Wohl ihrer Patienten einsetzen können.»

Villiger könne verstehen, dass Briners Kandidatur für Wirbel sorgt, «schliesslich könnte so auch die eine oder andere Person in strategischen Gremien in Frage gestellt werden, wenn Interessenkonflikte sehr eng ausgelegt werden». Letztlich gehe es jedoch um «wertvolle Inputs», die Personen aus anderen Bereichen ins Gremium einbringen könnten: «Und Frau Briner als schweizweit anerkannte Chefärztin und Wissenschaftlerin wäre zweifellos ein Gewinn für die Novartis.»

Graf nimmt es gelassen

Auch Luzerns Regierungsrat und Gesundheitsdirektor Guido Graf sieht keinen Interessenkonflikt: «Erstens kenne ich Frau Briner als völlig integre Persönlichkeit, die nur dem Patientenwohl verpflichtet ist, und zweitens wird der Medikamenteneinkauf im LUKS nicht von ihr gemacht.» Alle Medikamente, die zu einer besseren Lebensqualität beitragen, gebe es nur dank der forschenden Pharmaindustrie. «Es ist deshalb sogar ausgesprochen wichtig, dass erfahrene Persönlichkeiten, die auf höchstem Niveau Patienten betreuen und eine reiche Erfahrung haben, in strategischen Führungsgremien der Pharmaindustrie mitbestimmen können», erklärt Graf.

«Sehen kein zwingendes Problem»

«Wir sehen kein zwingendes Problem mit einem allfälligen Verwaltungsratsmandat von Frau Briner bei Novartis», sagt Hermann Amstad, Generalsekretär der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), bei der Briner selbst im Vorstand sitzt. Allfällige Interessenkonflikte habe man nicht diskutiert, gibt Amstad zu. Er betont aber, dass Briners Know-how im Novartis-Verwaltungsrat insbesondere für die Strategie in der Forschung gefragt sei und nicht fürs Marketing. «Es liegt ja im Interesse von beiden Parteien, dass ein Pharmaunternehmen im Dienste der Medizin forscht», sagt Amstad.

Genaue Prüfung bei Novartis

Novartis-Mediensprecher Satoshi Sugimoto sagt, dass Novartis jeweils genau prüfe, ob neue Verwaltungsräte die Anforderungen an die Unabhängigkeit erfüllen. «Bei Verena Briner ist dies der Fall», so Sugimoto. Die Tatsache, dass sie an einem Spital tätig sei, beeinträchtige ihre Unabhängigkeit nicht, sagt er. «Natürlich würde sie im Falle eines Interessenkonfliktes in den Ausstand treten», betont er. Dass die Wahl auf Briner gefallen sei, liege daran, dass sie eine international anerkannte Spezialistin für Innere Medizin und eine überaus produktive Forscherin sei, sagt Sugimoto. So ist Briner Mitglied in verschiedenen Institutionen und Kommissionen, unter anderem des Stiftungsrats der Foundation for the Development of Internal Medicine in Europe, des Vorstandes der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften sowie der Gruppe «Personalisierte Medizin» des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung TA-Swiss.

Laut Novartis-Geschäftsbericht wurden die Verwaltungsräte 2012 mit 350 000 Franken entschädigt. Dafür nahmen sie an neun Sitzungen teil, die im Schnitt 8,5 Stunden dauerten. Hinzu kommen Treffen für die Mitglieder der fünf Ausschüsse des Verwaltungsrats.

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