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LUZERN: Events im Keller: Dem Neubad droht eine Strafanzeige

Das Kulturzentrum Neubad hat seinen Keller umgebaut und nutzt diesen seit Monaten für Konzerte und Partys. Jetzt zeigt sich: Für eine gastgewerbliche Nutzung liegt noch gar keine Bewilligung vor.
Lena Berger
Auf der Aussenfassade des Neubads Luzern hat die «Nevercrew» auf 126 qm einen riesigen, blauen Wal gemalt. Anlass dazu ist die zweite Ausgabe des von Viva con Agua organisierten Neusicht Festivals. (30. September 2016) (Bild: Claude Hagen)

Auf der Aussenfassade des Neubads Luzern hat die «Nevercrew» auf 126 qm einen riesigen, blauen Wal gemalt. Anlass dazu ist die zweite Ausgabe des von Viva con Agua organisierten Neusicht Festivals. (30. September 2016) (Bild: Claude Hagen)

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

«Partys finden bei uns grundsätzlich keine statt.» Das sagte Neubad-Co-Geschäftsleiter Dominic Chenaux im September 2014. Auch Konzerte mit lauter Musik standen bislang nicht auf dem Programm – weil die Akustik im Bereich des grossen Schwimmbeckens des alten Hallenbads ­dafür nicht geeignet ist.

Drei Jahre später ist das anders. Die Zwischennutzung ist auf den Keller ausgeweitet worden. Frei wurde der rund 100 Quadratmeter grosse Raum dank der Entfernung der Wasseraufbereitungsgeräte des alten Hallenbads. Bereits hat das Neubad als Veranstalter eine zehnteilige Eventserie unter dem Motto «Tanz im Keller» durchgeführt. Sie startete im Januar mit einer Disco, bis Ende Mai folgten verschiedene Konzerte und DJ-Auftritte. So weit, so gut. Weniger erfreulich ist, was nun Recherchen der «Zentralschweiz am Sonntag» zeigen: Für die Nutzung als Partykeller liegt keine Bewilligung vor. Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche bei der Stadt Luzern, bestätigt zwar auf Anfrage, dass im Juni 2016 eine Baubewilligung für den Umbau und die Umnutzung des Kellers ausgestellt wurde. Ende März habe seitens der Baube­hörden auch eine Begehung der Räumlichkeiten stattgefunden.

Allerdings ist die Freigabe für eine gastgewerbliche Nutzung noch nicht erfolgt. «Dass der Raum offenbar dennoch bereits für öffentliche Veranstaltungen genutzt wurde, dürfte eigentlich nicht sein. Wir werden daher mit den Verantwortlichen Kontakt aufnehmen, um die Situation zu klären», kündigt Hoffmann an.

Die Abnahme eines Bauprojekts erfolgt in solchen Fällen durch verschiedene Kontrollinstanzen. Die Baubehörde versichert sich, dass das umgesetzt ist, was bewilligt wurde. Die Gebäudeversicherung dagegen überprüft unter anderem die Fluchtwege. «Das Projekt ist im Bereich Brandschutz noch nicht abgeschlossen», sagt auch Markus Clerc, Sprecher der Gebäudeversicherung Luzern. Man warte noch auf die Meldung der Fertigstellung seitens der Verantwortlichen, damit der Prozess weitergeführt werden kann. «Werden die Räumlichkeiten vorher für öffentliche Veranstaltungen genutzt, geschieht das auf alleiniges Risiko der Verantwortlichen», ergänzt Clerc. Dass den Konzert- und Partybesuchern bewusst war, dass sie in einem Raum feiern, der feuerpolizeilich noch nicht freigegeben wurde, darf bezweifelt werden.

Auch seitens der Gewerbepolizei liegt für den Kellerraum noch keine Bewilligung vor. «Wir haben keine Kenntnis davon, dass dort bereits öffentliche Anlässe stattgefunden hätten. Sollte der Raum illegal geöffnet gewesen sein, könnte eine Strafanzeige drohen», sagt Urs Renggli, Chef der Gastgewerbe- und Gewerbepolizei.

Das Gesuch um die Umnutzung wurde damals mit dem Einverständnis der Stadt als Grundeigentümerin eingereicht. «Wir haben dieses mitunterzeichnet», sagt Michael Städelin, Projekt­leiter Portfolio Management bei der Dienststelle Immobilien. Man habe sich davon eine positive Entwicklung erhofft, was die Schallprobleme angeht. Städelin betont, dass die Stadt als Hauseigentümerin keine Aufsichtsfunktion habe. Die Verantwortung der Umsetzung liege beim Gesuchssteller Neubad.

Neubad-Co-Leiter sagt, alle Auflagen seien erfüllt

Zurück also zum Co-Geschäftsleiter und Vorstandsmitglied des Netzwerkes, Dominic Chenaux. Mit den Rechercheergebnissen konfrontiert, bestätigt er, dass die Abnahme der Räumlichkeiten noch nicht erfolgt ist. «Die Fertigstellung der Zu- und Abluftanlage verzögerte sich aufgrund der Komplexität der alten Hallenbad-Infrastruktur. Den dafür notwendigen zeitlichen und finanziellen Aufwand habe ich unterschätzt.» Deshalb sei man erst jetzt dabei, die Abnahme zu koordinieren. «Die Förderung von Initiativen und die Partizipation gehören zum Charakter von Zwischennutzungen. Es geht darum, die Inhalte und das Gebäude mitgestalten zu können», sagt er. «Solche Projekte erfolgen oft sehr impulsiv und mit wenig Planungsvorlauf. Das ist eine Herausforderung für die Koordination und die ordentliche Umsetzung, die auch eine gewisse Flexibilität aller involvierten Parteien fordert.»

Trotzdem stellt sich die Frage, warum der Keller vor der Abnahme schon genutzt wurde. «Diese Entscheidung wurde von mir getroffen. Ich wollte die Nutzung ermöglichen und trage bei allfälligen Konsequenzen die volle Verantwortung. Ich würde aber nie ein Lokal eröffnen, das nicht alle Auflagen der Sicherheit erfüllt. Das fordert der gesunde Menschenverstand», betont Chenaux. Man habe zusätzliche Massnahmen ergriffen, um die Sicherheit in der Zwischenzeit zu verstärken und die Risiken zu minimieren.

Wie die Zwischennutzung im alten Hallenbad generell nach Juli 2019 weitergeht, ist noch offen. Der Verein würde diese gerne bis 2024 verlängern.

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