LUZERN: Ex-Spitzenfussballer als Dieb verurteilt

Er galt als Fussballtalent und spielte in den verschiedenen U-Fussballnationalmannschaften. Im Sport gelang ihm der grosse Durchbruch nicht, dafür sorgte der heute 24-Jährige als dreister Dieb für viel Aufhebens.

Thomas Heer
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Symbolbild eines Goldbarren. (Bild: Adrian Stähli (LZ))

Symbolbild eines Goldbarren. (Bild: Adrian Stähli (LZ))

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Diesen Nachmittag vor rund einem Jahr vergisst Patrick Huber wohl sein ganzes Leben nicht mehr. Huber, Inhaber eines Münzgeschäftes in Aarau, dachte sich nicht viel dabei, als der Luzerner Ex-Topfussballer an jenem Montag um zirka 13 Uhr den Laden betrat. Der junge Mann interessierte sich für einen Goldbarren, Gewicht 250 Gramm, Wert 8700 Franken.

Der Sportler betrat das Geschäft aber nicht in der Absicht, einen ehrlichen Deal abzuwickeln. Für ihn muss von Anfang an festgestanden haben, dass er eine Straftat begehen wird. Huber übergab dann dem Kunden den Barren für wenige Sekunden zur Begutachtung. Das nützte der Täter aus. Er rannte unvermittelt zur Ausgangstür und wollte sich vom Acker machen. Dies misslang vorerst. Da sich die Ladentür nur gegen innen öffnen lässt, gelang es Huber den Gauner zu packen und diesen auf den Boden zu reissen. Es kam zu einem Handgemenge. Der Dieb konnte sich schliesslich aus der Umklammerung befreien und Patrick Huber wegstossen. Dieser verlor kurzzeitig das Gleichgewicht und taumelte zu Boden. Das verschaffte dem Ex-Spitzensportler jenes kurze Zeitfenster, das er schliesslich zur Flucht nutzte.

Der Ganove rannte danach zu seinem in der Nähe parkierten PW mit Luzerner Kontrollschild. Wenige Tage nach der dreisten Tat tauchte der junge Mann wieder in Hubers Geschäft auf, diesmal in Begleitung seiner Mutter, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» bereits letztes Jahr berichtete. Der Dieb machte einen auf Schadensbegrenzung und entschädigte Huber mit einem Bargeldbetrag von 8800 Franken. Auf den Aarauer Geschäftsmann machte der junge Dieb einen «absolut coolen» Eindruck. Huber sagt: «Er bleibt mir als abgebrühter Typ in Erinnerung. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Kerl nicht das erste Mal delinquierte.»

In der Tat hat der junge Luzerner nicht nur den Fall Aarau zu verantworten, wie nun aus dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hervorgeht. Dazu ein kurzer Einschub: Die Staatsanwaltschaft verurteilte den Ex-Spitzenfussballer zu einer Busse von 2700 Franken sowie einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 60 Franken. Dazu wurden dem Dieb Kosten von 8388 Franken aufgebrummt. Am Telefon bestätigte der Verurteilte, dass er den Strafbefehl akzeptiert hat und das Verdikt nicht an die nächsthöhere Instanz weiterzieht.

Der Whiskey-Klau ging gründlich in die Hosen

Zurück zum kriminellen Werdegang des Verurteilten. Bereits 2015 versuchte er in einem Luzerner Warenhaus Whiskey-Flaschen und andere Lebensmittel im Wert von 1104,05 Franken zu entwenden. Nachdem er das Geschäft verlassen hatte, wurde er von Ladendetektiven verfolgt und später angehalten. Als diese den Beschuldigten zur Rede stellen wollten, ergriff der Dieb die Flucht via Haupteingang des Einkaufszentrums. Die gestohlene Ware liess er in der Hektik zurück. Kurz vor Weihnachten 2015 beging der ehemalige Topathlet einen weiteren Diebstahl, und zwar in Sursee. Analog zu Aarau suchte er sich auch dort ein Münzgeschäft aus. Im Laden liess er sich drei Goldmünzen im Gesamtwert von 4000 Franken auf den Tresen legen. Auch dieses Geschäft betrat der Dieb mit der Absicht zu klauen.

Denn der junge Mann ging taktisch geschickt vor, indem er nach billigeren Münzen nachfragte. Der nichts ahnende Geschäftsbesitzer wollte dem Kundenwunsch nachkommen und begab sich in ein Hinterzimmer. Mit der Nichtanwesenheit des Verkäufers kam die Chance des Diebes, indem er den Laden samt Goldmünzen fluchtartig verliess. Auch in diesem Fall beglich der Jungkriminelle wenige Tage später den Schaden mit einer Barzahlung in der Höhe von 3800 Franken.