LUZERN: Experten zweifeln an Nutzen von IV-Tests

Die Luzerner IV-Stelle lässt die Hirnströme von Klienten messen – und kommt so Simulanten auf die Spur. Experten sind skeptisch.

Robert Knobel
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An der IV-Stelle sollen in Zukunft Tests gemacht werden, um Simulanten auf die Spur zu kommen. (Bild: Markus Forte / Neue LZ)

An der IV-Stelle sollen in Zukunft Tests gemacht werden, um Simulanten auf die Spur zu kommen. (Bild: Markus Forte / Neue LZ)

Die Meldung der «Zentralschweiz am Sonntag» sorgte schweizweit für Schlagzeilen: Die IV-Stelle Luzern setzt bei ihren Abklärungen auf ein neues Verfahren, das die Hirnströme misst. Die sogenannten Event Related Potentials (ERP) geben unter anderem darüber Aufschluss, ob psychische Störungen wirklich in dem vom Klienten geschilderten Ausmass vorhanden sind.

Es fehlen zuverlässige Methoden

Experten mahnen zur Vorsicht: «Es fehlen zuverlässige biologische Messmethoden, um eine tatsächliche Funktionseinschränkung über alle psychischen Erkrankungen hinweg von einer Simulation zu unterscheiden», sagt Erich Seifritz, Professor an der Psychiatrischen Uniklinik Zürich. Für eine seriöse psychiatrische Diagnose brauche es «immer eine umfassende klinische Untersuchung und Beurteilung.»

Auch in Luzern wird die neue Methode lediglich als Ergänzung eingesetzt, wie Donald Locher, Direktor der Luzerner IV-Stelle, versichert. «Das ERP erlaubt, die Diagnose abzusichern», sagt er.