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LUZERN: Expertin kritisiert Psychiatrie hart

Das Modell der Luzerner Psychiatrie dürfe nicht Schule machen. Das sagt die erfahrene Psychiaterin Susanne Baarfüsser. Sie kritisiert vor allem den Zustand rund um die ambulante Behandlung.
Thomas Heer
Wegweiser zur Luzerner Psychiatrie in St. Urban. Im Hintergrund die Türme des angrenzenden Klosters. (Bild: Pius Amrein)

Wegweiser zur Luzerner Psychiatrie in St. Urban. Im Hintergrund die Türme des angrenzenden Klosters. (Bild: Pius Amrein)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

Mit höchstem Engagement bei der Sache, steigert sich Susanne Baarfüsser in einen regelrechten Redeschwall, wenn sie ihre Ansichten über die Luzerner Psychiatrie (Lups) vorträgt. Die energische und wortgewandte Frau hat in den letzten Jahren sowohl im Kanton Luzern als auch in Nidwalden als freiberufliche Psychiaterin gearbeitet. Nun ist sie nach Rheinfelden umgezogen, um dort als Fachärztin zu praktizieren. Über die Luzerner Psychiatrie macht sie zum Beispiel diese Aussage: «Eine ambulante psychiatrische Krisenintervention ist nicht gewährleistet.» Und sie sagt: «Das Modell der Luzerner Psychiatrie darf nicht Schule machen.»

Gemäss Baarfüsser stehe der wirtschaftliche Gedanke zu sehr im Vordergrund. Dies zum Nachteil der psychisch Kranken. Ein Blick in die Lups-Erfolgsrechnung zeigt, dass das Unternehmen letztes Jahr einen Gewinn von knapp 3,5 Millionen Franken auswies. Aus unternehmerischer Sicht ist das eine durchaus erfreuliche Tatsache. Nicht aber für Susanne Baarfüsser, die darauf hinweist, dass die Wartefristen bei der Lups, die am 1. Januar 2017 auch die Verantwortung für die institutionelle psychiatrische Versorgung der Kantone Ob- und Nidwalden übernommen hat, für eine ambulante Konsultation viel zu lange sind. Auf der Lups-Homepage ist dazu Folgendes zu lesen: «Betroffene erhalten in der Regel innerhalb von zwei bis fünf Wochen einen Termin für ein Erstgespräch.» Zum Vergleich der Kanton Aargau: Dort beträgt die Wartefrist durchschnittlich zwei bis drei Wochen.

Die Lups unterhält sechs erwachsenenpsychiatrische Ambulatorien, zwei in der Stadt Luzern und je eines in Sursee, Wolhusen, Sarnen und Hochdorf. Zur Kritik der langen Wartefristen schreibt Daniel Müller, bei der Lups unter anderem für die Kommunikation zuständig: «Die Wartefristen bei den Ambulatorien entsprechen leider der Realität. Wir sind uns dessen bewusst, dass die Wartezeiten für die Betroffenen eine grosse Belastung darstellen.» Müller erwähnt weiter, dass die Nachfrage nach psychiatrischen Leistungen ständig zunehme, und weist zudem darauf hin: «Unter den heutigen Rahmenbedingungen ist es kaum möglich, institutionelle ambulante psychiatrische Leistungen kostendeckend zu führen.» Deshalb sei der politisch geforderte und fachlich sinnvolle Grundsatz «ambulant vor stationär» gefährdet.

Psychiaterin vergibt Note «mangelhaft»

Bei ihrer Kritik an der Luzerner Psychiatrie kommt Baarfüsser auch auf den Bereich Notfälle zu sprechen. Sie sagt: «In Luzern müssen die freiberuflichen Psychiater den Notfalldienst übernehmen. Das heisst, die Ärztinnen und Ärzte müssen in ihrer Tagesplanung Zeit frei halten, die ihnen für Behandlung der eigenen Patienten fehlt.» Auf der Lups-Website ist zum Thema «Notfall bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 18 Jahren» Folgendes festgehalten: «Je nach Situation werden Sie direkt telefonisch beraten oder Sie erhalten innerhalb von 12 Stunden einen ambulanten Konsultationstermin beim niedergelassenen diensthabenden Psychiater.» Die Lups selber behandelt also, im Gegensatz wiederum zum Kanton Aargau, keine ambulanten Notfälle. Dazu gibt es für die Lups von Susanne Baarfüsser die Note «mangelhaft».

Zum Notfallwesen schreibt Daniel Müller: «Der ambulante Notfalldienst ist gemäss Gesundheitsgesetz Aufgabe der Ärzte­gesellschaften. Hingegen ist gemäss Leistungsauftrag im stationären Bereich in der Luzerner Psychiatrie immer eine Einweisung möglich.» Müller macht darauf aufmerksam, dass zur Verbesserung der Situation im psychiatrischen Notfalldienst das Gesundheits- und Sozialdepartement der Lups den Auftrag gegeben hat, mit den Partnern die ambulante Notfallversorgung im Kanton Luzern zu verbessern. Müller sagt: «Das Konzept ist seit 1. Januar 2017 in Kraft. Die Lups tut damit mehr als gesetzlich vorgeschrieben.»

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