Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Fertig Chaos: IGs ordnen Fasnacht

Fünf Interessengemeinschaften sorgen an belebten Fasnachtsplätzen für Ordnung – notfalls auch mit deutlichen Worten. Ein Zeichen der Überregulierung? Mitnichten, finden IG-Verantwortliche.
Alexander von Däniken
Wohin damit? «Wilde» Fasnächtler finden mit ihren Vehikeln nicht immer einen Platz zum Verweilen. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 9. Februar 2016))

Wohin damit? «Wilde» Fasnächtler finden mit ihren Vehikeln nicht immer einen Platz zum Verweilen. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 9. Februar 2016))

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Für den Jesuitenplatz gibt es eine, ebenso für den Kapellplatz, den Mühlenplatz, den Franziskanerplatz – und nun auch für die Bahnhofstrasse: eine Interessengemeinschaft, die das fasnächtliche Treiben in geordnete Bahnen lenken soll. Basler Verhältnisse im archaischen Luzern? Nur noch halb wildes Treiben? Patrick Hauser, Präsident des Lozärner Fasnachts-Komitees, begrüsst ausdrücklich die IG. Zum Grund für jene an der Bahnhofstrasse sagt er: «Aus einem Wagen dröhnte letztes Jahr die ganze Nacht Musik, ohne dass eine Ansprechperson vor Ort war. Das hat nichts mit Fasnacht und dem Motto ‹Tradition, wo läbt› zu tun» (Ausgabe vom Montag).

Wie ist es überhaupt zu diesen Interessengruppen gekommen? Reto Küttel, genannt Chöttu, ist sozusagen der IG-Pionier. Er war 2010 Mitbegründer der ersten IG, Jesuitenplatz, und initiierte 2016 die IG Bahnhofstrasse. Küttel erinnert sich an die Gründung der ersten IG: «Damals gab es auf dem Jesuitenplatz Guerilla-ähnliche Zustände. Es gab einen regelrechten Verdrängungskampf um Standplätze.» Küttel und anderen eingefleischten Fasnächtlern wurde das zu viel. Sie gründeten die IG, deren Mitglieder sich die Standplätze aufteilten. Es wurden auch Regeln für Strom, Wasser und Lautstärke aufgestellt. «Die Fasnacht gehört niemandem und allen. Aber ein Miteinander macht Freude und Spass», sagt Küttel. Eine Überregulierung streitet er ab. Es gehe um gegenseitigen Respekt und die Achtung vor dem Brauchtum Fasnacht.

Standplatzgarantie für IG-Mitglieder

Genau diese Prinzipien sind auch bei der Bahnhofstrasse verloren gegangen, findet Küttel. «Das Chaos von zu vielen Wagen, die sich teilweise mit lauter Musik zu übertrumpfen versuchten, zeugte weder von gegenseitigem Respekt noch von Respekt gegenüber der Fasnacht.» Chöttu wurde darum 2015 angefragt, ob er sich eine weitere IG-Gründung vorstellen könnte.

Das Resultat: Anfangs waren Küttel drei Adressen von Gruppen bekannt, bei der Gründung waren es bereits 20 und dieses Jahr 35. Diese Gruppen haben quasi eine Standplatzgarantie. Es gibt auch eine 25 Meter lange Pufferzone für Nicht-IG-Mitglieder, die dort ihre Wagen abstellen können. Zusätzlich gibt es gegenüber der Migros-Bank eine offene Bühne für Darbietungen und Kleinformationen. Unerwünscht sind hingegen ungeschmückte Bauwagen, denen es nur um den Umsatz geht. Laut Küttel haben sich einzelne Leute kritisch zur IG Bahnhofstrasse geäussert. Im Gespräch hätten die Zweifel jedoch ausgeräumt werden können.

Trotz allen Beteuerungen, wonach die Narrenfreiheit nicht zu stark eingeschränkt werden soll: Unsere Zeitung weiss von Gruppen, die seit Jahren mit ihren kleinen Wagen durchs fasnächtliche Treiben ziehen – und von IG-Mitgliedern auch einmal barsch zurückgewiesen werden, wenn ein Standplatz «reserviert» ist. Urs Amberg, Präsident der IG Kapellplatz, sagt, «dass es auf unserem Platz zwei Zonen für Kleingruppen gibt, die für eine befristete Zeit eine Vorführung machen wollen». Darauf weise die IG ankommende Gruppen auch hin. «Meistens ist das gar kein Problem, man kennt sich ja», sagt Amberg. Wenn, dann seien es Gruppen von auswärts, die sich uneinsichtig zeigen würden. Notfalls gebe die IG nach. «Wir wollen uns nicht wie die Polizei aufspielen.» Aber ganz ohne Regeln gehe es halt mittlerweile nicht mehr. «Ich nenne es ein organisiertes Chaos», sagt Amberg.

Die Stadt Luzern begrüsst die Initiative der Fasnächtler. Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen: «Die Ziele der IG decken sich mit jenen der Stadt.» Lütolf führt als Beispiele an: massvolle Lautstärken, allgemeine Rücksichtnahme, keine Partymusik vor und während des Urknalls und das Einhalten von Sicherheitsbestimmungen.

Auch Lütolf bestreitet, dass die Lösung mit den Interessengemeinschaften zu einer Überregulierung führt: «Die Fasnacht ist ein anarchischer Brauch und wird es auch bleiben. Trotzdem sind gewisse Spielregeln zu beachten.» Dass es nicht die Stadt selbst ist, die sich als Spielleiterin aufführen muss, darüber ist Lütolf froh: «Es ist toll, dass die Initiative von den Fasnächtlern gekommen ist.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.