LUZERN: Feuer frei für Grenadier Spuhler

Der Fritschivater ist am Samstag zum Bärteliessen gefahren worden. Ehrengast Peter Spuhler war beeindruckt. Und ein Zentralschweizer Politiker hatte Lampenfieber.

Stephan Santschi
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Peter Spuhler (links) gestern vor dem Restaurant Wilden Mann beim Salutschiessen neben dem Fritschivater Josef Kreyenbühl (Mitte) und seiner Familie. (Bild Corinne Glanzmann)

Peter Spuhler (links) gestern vor dem Restaurant Wilden Mann beim Salutschiessen neben dem Fritschivater Josef Kreyenbühl (Mitte) und seiner Familie. (Bild Corinne Glanzmann)

«Hier wird eine Kultur gepflegt, die bei uns völlig fehlt. Diese gereimten Verse, diese Improvisation – das ist hohe Schule.» Philippe Welti, Zunftmeister der Zunft zur Waag aus Zürich, schwärmte vom Samstag in Luzern. Als einer von drei Ehrengästen begleitete er den Fritschivater Josef Kreyenbühl während dessen Fahrt vom Old Swiss House zum KKL, wo am Abend das Bärteliessen mit der traditionellen Chügelipastete auf dem Programm stand.

Dazwischen machte man Halt im Hotel Wilden Mann, wo 25 Delegationen dem wichtigsten Luzerner Fasnächtler auf originelle Weise ihre Produktionen darboten. «Überdurchschnittlich viele waren das», stellte Zeremonienmeister Martin Bucherer fest. Kreyenbühl, Inhaber einer Bäckerei, ist eben ein viel beschriebenes Blatt, seit 1995 ist er in der Zunft zu Safran.

Lob und Erinnerung an «Debakel»

Beeindruckt von der Luzerner Fasnachtskultur war auch ein weiterer Ehrengast aus Zürich – der Unternehmer und ehemalige SVP-Nationalrat Peter Spuhler. «Grossartig, wie ihr das macht», hielt er fest, liess den Lobesworten aber sogleich einen Seitenhieb folgen. «Gut, dass die Zunft zu Safran ans Sechseläuten kommt. Dann können die Luzerner das Debakel wieder gutmachen.» Angesprochen war die kurzfristige Absage Luzerns als Gastkanton am traditionellen Frühlingsfest im letzten Jahr. Das hatte den Zürcher Veranstalter arg brüskiert.

Spuhler selber ist Mitglied bei der Zürcher Zunft zur Schneidern, wo man sich «alle Mühe» gebe, um gute Fasnächtler zu sein. Ob er während der Fasnacht nach Luzern zurückkehren wird, lässt er offen. «Noch bin ich nicht eingeladen worden.» Wenn er sich verkleiden müsste, würde er sich für etwas Kriegerisches entscheiden. «Ein alter Grenadierkommandant zum Beispiel», sagte der 57-jährige Inhaber der Stadler Rail Group. Deshalb liess er es sich auch nicht nehmen, beim Salutschiessen der Grenadiere vor dem «Wilden Mann» selber einen Schuss abzufeuern.

Pfisters Sorgfalt mit der Anrede

Gedanken über Fasnachtssujet machte sich Gerhard Pfister, der dritte Ehrengast, nicht. «Als Politiker mache ich mich schon während des gesamten Jahres zum Narren», erklärte der 53-jährige CVP-Nationalrat lachend. Er selber sei selten an der Fasnacht, im Gegensatz zu seiner Frau, die ihn auch dann vertrete, wenn seine Heimatgemeinde Oberägeri zum Traditionsanlass bitte.

Vielleicht ist es gerade diese Unerfahrenheit mit dem närrischen Treiben, die ihm gestern vor seinem Auftritt im KKL Lampenfieber bereitete. «Ich bin schon etwas nervös. Die Anrede habe ich auswendig gelernt, weil ich weiss, dass ich ausgepfiffen werde, wenn ich da Fehler mache.» Ob seine Ansprache allerdings lustig genug sei, um für Lacher zu sorgen, das müsse sich erst noch zeigen.

Wie sich die Mitglieder der Zunft zu Safran am Zürcher Sechseläuten machen werden, wird sich am 18. April zeigen. Philippe Welti, Zunftmeister der Zunft zur Waag, wird es etwas mulmig, wenn er sieht, mit welcher Kreativität die Luzerner ans Werk gehen: «Wenn sie zu reimen beginnen, kann es sein, dass uns die Worte für eine Erwiderung fehlen. Noch haben wir aber drei Monate zum üben.» Welti wäre indes kein selbstbewusster Gastgeber, wenn er sich nicht kampfbereit zeigen würde: «Die Luzerner scheinen mir fast etwas übermütig.»

Stephan Santschi