LUZERN: Fördergelder bleiben liegen

Der Kanton vergibt jährlich rund 10 Millionen Franken Energiefördergelder. Mehrere Millionen wurden in den letzten Jahren jedoch nicht abgeholt.

Luzia Mattmann
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In Luzern werden Energie-Förderprogramme nicht ausgeschöpft. Im Bild: Ein Mitarbeiter der Firma Be Netz präsentiert Schülern auf dem Dach des Schulhauses Riffig in Emmen Solarpanels. (Bild Jakob Ineichen)

In Luzern werden Energie-Förderprogramme nicht ausgeschöpft. Im Bild: Ein Mitarbeiter der Firma Be Netz präsentiert Schülern auf dem Dach des Schulhauses Riffig in Emmen Solarpanels. (Bild Jakob Ineichen)

Thermische Solaranlagen, Wärmepumpen, Ersatz für Elektroheizungen und Holzfeuerungen: Für alle möglichen energetischen Sanierungen können Hausbesitzer im Kanton Luzern Geld abholen. 10,8 Millionen Franken standen im letzten Jahr für Förderbeiträge und Administration des Programmes zur Verfügung. Abgeholt wurden aber nur 8,5 Millionen Franken. Rund 2,3 Millionen Franken wanderten zurück in den Fördertopf des nächsten Jahres. Im Jahr 2011 wurden gar 3,2 Millionen Franken nicht abgeholt und flossen in den Fördertopf des folgenden Jahres.

Zu viel Geld im Topf

Warum holen die Luzerner das Geld nicht ab? Oder anders gefragt: Warum bekommen diejenigen, die sich für ein Förderprogramm anmelden, nicht einfach mehr Geld? Aus Gleichbehandlungsgründen sei es nicht möglich, die Fördersätze unter dem Jahr anzupassen, sagt Peter Buss von der Dienststelle Umwelt und Energie. Mit Marketing habe man versucht, die Anzahl der Gesuche zu erhöhen. Da aber nicht klar sei, wie viel Geld der Bund in den nächsten Jahren spricht, will man dies nicht allzu sehr forcieren. Eine Interpretation für die nicht abgeholten Gelder wäre, dass die Kunden teilweise schlicht nicht mehr den Durchblick haben über die diversen Förderprogramme, welche Bund, Kanton, Gemeinden und Firmen anbieten.

In diesem Fall hilft das Öko-Forum Luzern weiter, das die Förderwilligen auf die verschiedenen Programme aufmerksam macht und zu den verschiedenen Sanierungsmöglichkeiten berät. Andreas Wyler vom Öko-Forum bestätigt, dass manche Kunden froh seien über Informationen zu den vielen Förderprogrammen und deren Bedingungen. «Anfangs gab es zum Beispiel Leute, die zuerst einen Umbau vornahmen und erst dann Fördergelder beantragten. Das geht natürlich nicht: Die Gesuche müssen vor dem Baubeginn eingereicht werden.» Inzwischen sei dies selten.

«Abflachung ist eingetreten»

Spürbar sei auch der Einfluss von Ereignissen auf die Sanierwilligkeit: «Mit Fukushima und dem Film ‹Eine unbequeme Wahrheit› mit dem amerikanischen Ex-Vizepräsidenten Al Gore zum Klimawandel hat die Zahl der Beratungen zugenommen, jetzt ist möglicherweise eine gewisse Abflachung eingetreten», sagt Andreas Wyler. Von 2010 bis 2012 sank die Zahl der Beratungen von 2100 (im Jahr 2010) auf 2000 (im Jahr 2011) auf 1500 (im Jahr 2012). Ob die Leute besser informiert sind oder weniger sanieren, ist offen.

Total hat der Kanton im letzten Jahr 1005 Gesuche für Fördergelder bewilligt. 2 bis 3 Prozent der Gesuche wurden abgelehnt, weil der Fördergegenstand nicht den Kriterien des Kantons entsprochen habe, wie Peter Buss sagt. Das Geld für das Förderprogramm Energie kommt vom Bund (im Jahr 2012: 4,8 Millionen Franken) und vom Kanton (3,2 Millionen), dazu kommt ein möglicher Übertrag aus dem Vorjahr.

Gebäudeprogramm überrannt

Ganz anders ist die Situation beim Gebäudeprogramm des Bundes, das aus der CO2-Abgabe gespeist wird und seit 2010 läuft. «Im ersten Jahr wurden wir von Gesuchen überrannt», sagt Matthias Gerth, Sprecher des Gebäudeprogrammes. Zwar wurden alle Gesuche, die als förderwürdig eingestuft worden waren, mit einem Betrag bedacht, doch die Beitragssumme, die für dieses Jahr vorgesehen war, wurde überschritten. Deshalb wurden die Spielregeln 2011 ein erstes Mal geändert: Unter anderem waren neu nur noch Gesuche für über 3000 Franken statt 1000 Franken beitragsberechtigt. Das Ziel ist ja auch, dass die Leute ihre Häuser umfassend sanieren und nicht nur kleine Korrekturen vornehmen. Allerdings hielt der Run auf das Programm an, und die Kriterien wurden 2012 nochmals angepasst: die Fördersätze wurden reduziert. Die Konsequenz der beiden Anpassungen: Die Zahl der bewilligten Gesuche aus dem Kanton Luzern sank von 1590 (2010) auf 575 (2012), gleichzeitig stieg die zugesicherte Beitragssumme pro Gesuch von 7700 auf 14 700 Franken. Schweizweit gesehen ist ein ähnlicher Effekt feststellbar.

Programm läuft bis 2019

Auch weiterhin muss vorläufig niemand Angst haben, dass der Geldhahn zugedreht wird: Wird ein Gesuch als förderungswürdig eingestuft, fliesst das Geld. Das Programm ist auf eine Dauer von zehn Jahren angelegt und läuft bis voraussichtlich 2019. Beim Luzerner Förderprogramm dürfte dieses Jahr allerdings nicht mehr so viel Geld übrig bleiben wie im letzten Jahr. Für dieses Jahr sind allerdings nur noch 5,5 Millionen Franken für das Förderprogramm veranschlagt – dies, weil der Bund nach dem derzeitigen Wissensstand weniger Geld an das Programm spricht.

Hinweis

Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Internet unter den Adressen www.umwelt-luzern.ch/index/themen/energie.htm sowie www.energieberatungluzern.ch