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LUZERN: Forscher warnen vor Muschel-Invasion

Werden Boote transportiert, sind oft auch fremde Muscheln an Bord. Eine neue Muschelart wartet bereits in Basel auf ihre Verbreitung.
Alexander von Däniken
Wandermuschelbefall an einer Schraube eines Boots im Zürichsee. (Bild: EAWAG)

Wandermuschelbefall an einer Schraube eines Boots im Zürichsee. (Bild: EAWAG)

Sie erinnern uns an Strandferien, aber in unseren Gefilden sind sie ein Problem: Muscheln. Schon jetzt sind rund 40 Prozent der Boote mit einem Wasserplatz in einem Schweizer See mit fremden Muscheln bewachsen. Dies zeigt eine Studie der eidgenössischen Forschungsanstalt Eawag. Es handelt sich um die Wandermuschel, die in den 1960er-Jahren eingeschleppt worden ist. Sie verstopft Ansaugrohre von Kühlsystemen und Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Sie verdrängt einheimische Muscheln durch Futterkonkurrenz. «Und weil sie sich von pflanzlichem Plankton ernährt, welches die Grundnahrung fast aller See-Lebewesen ist, beeinflusst sie die Artenvielfalt eines ganzen Gewässers», erklärt Eawag-Studienautor Lukas De Ventura. Die Muschellarven heften sich an einen Bootsrumpf und überleben bis zu 42 Stunden an der Luft – genügend Zeit für einen Bootstransport. Gemäss der Eawag gibt es jährlich rund 1600 solcher «Hoch­risiko»-Transporte.

Mehr Nährstoffe – mehr Muscheln

Die Eawag hat ermittelt, in welchen Schweizer Gewässern besonders viele Boote mit fremden Muscheln bewachsen sind. Im Sempachersee sind 70 Prozent der untersuchten Boote befallen, im Hallwilersee sind es 41 Prozent aller Boote mit Wasserplatz. Wegen des tieferen Nährstoffgehalts gibt es mit 21 Prozent vergleichsweise weniger Muscheln im Vierwaldstättersee. Allerdings finden die meisten Bootstransporte über grosse Seen statt; also auch über den Vierwaldstättersee. Die Muscheln dürften sich demnach hier weiter ausbreiten.

Damit nicht genug: In Basel ist erstmals in der Schweiz die Quagga-Muschel gesichtet worden. Diese Verwandte der Wandermuschel stammt ursprünglich aus Zuflüssen des Schwarzen Meeres. «Die Quagga-Muschel fühlt sich auch in tieferen Seelagen wohl, kann also auch Rohre besetzen, die von der Wandermuschel nicht erreicht werden», sagt De Ventura. «Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Quagga-Muschel auch in Schweizer Seen ausbreitet.»

Gründliche Reinigung empfohlen

Um dies zu verhindern, schlägt die Eawag verschiedene Massnahmen vor. Boote, die längere Zeit im Wasser waren, sollten vor dem Transport gründlich gereinigt werden; etwa mittels Hochdruckreiniger und heissem Wasser. Und wenn möglich sollten die Boote vor dem Wassern mindestens zwei Wochen an Land gelagert werden.

Bund und Kanton spielen Pingpong

Beim Kanton Luzern weiss man um die Gefahr, wie Natalie Kamber, Medienbeauftragte der Dienststelle Umwelt und Energie, erklärt: «Weil nahezu alle Schweizer Gewässer betroffen sind und Boottransporte auch über die Landesgrenzen hinweg stattfinden, kann das Problem aber nur auf Bundesebene gelöst werden. Eine kantonale Lösung macht keinen Sinn.» Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) spielt auf Anfrage den Ball wieder zurück. «Sollte sich der Nachweis dieser Muschel in der Schweiz durch Individuen-Funde bestätigen, ist es gemäss Freisetzungsverordnung an den Kantonen, die angemessenen Massnahmen anzuordnen.» Das Bafu erarbeite zurzeit zusammen mit anderen Bundesämtern, Vertretern der Kantone und privaten Institutionen eine nationale Strategie zur Bekämpfung von invasiven gebietsfremden Arten.

Böötler kennen neue Gefahr nicht

Gibt es überhaupt Vorschriften für die Reinigung von Booten? Markus Lüchinger, Präsident des 310 Mitglieder zählenden Bootsvereins Vierwaldstättersee, sagt auf Anfrage: «Vorschriften gibt es nicht. Aber es ist Usus, dass die Boote mit Hochdruckreiniger gesäubert werden.»

Wenn, dann halte sich nur «ein kleiner Teil» der Besitzer nicht daran. Denn die Infrastruktur sei vorhanden. Dass mit der Quagga-Muschel eine neue Art vor der Verbreitung steht, hört Lüchinger das erste Mal: «Ich kann mir aber vorstellen, die Bootsbesitzer künftig darauf hinzuweisen.»

Alexander von Däniken

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