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LUZERN: Franz weiss, wie richtig Kohle gemacht wird

Er ist einer der letzten Entlebucher Köhler – und seit neuestem ein Filmstar. Der 69-jährige Bauer Franz Röösli aus Romoos erklärt, warum ein Köhler kaum Schlaf findet und warum Rauch nicht ungesund sein kann.
Roger Rüegger
Franz Röösli mit Holz, das dereinst zu Kohle wird. (Bild: Eveline Beerkircher (Romoos, 23. Januar 2018))

Franz Röösli mit Holz, das dereinst zu Kohle wird. (Bild: Eveline Beerkircher (Romoos, 23. Januar 2018))

Franz Röösli, spätestens seit Robert Müllers Film «Köhlernächte» sind die Köhler aus Romoos bekannt. Wie ist der Rummel?

Wir müssen auf viele Fragen antworten. Dass die Geschichte unseres Handwerks in die Welt getragen wird, ist der Lohn für die Arbeit aller Köhler.

Jetzt geht die Post ab. Passt Ihnen das?

Ich gebe gerne Antwort.

Was wollen die Leute wissen?

Viele fragen, wie wir den Rauch ertragen, der entsteht. Ich antworte: Geräuchertes Fleisch hält länger, und die Würmer gehen auch nicht ran. Ich rauche übrigens nicht, aber während des Köhlerprozesses zünde ich gerne einen Stumpen an.

Wie man im Film sieht, machen die Stumpen den Braten nicht fett. In einer Szene bearbeiten Sie den Kohle­meiler fluchend mit einer Schaufel. Was war der Anlass?

Das Wetter. Der Meiler muss immer luftdicht verschlossen bleiben, nachdem er einmal angezündet worden ist, damit das Holz glimmt und nicht brennt. Wenn Risse entstehen und Rauch an einer Stelle aufsteigt, wo er nicht sollte, muss die undichte Stelle sofort bearbeitet werden.

Was, wenn man’s versäumt?

Dann frisst sich das Feuer durch das Holz. Dann bleibt nur Asche übrig anstatt Holzkohle.

War die Situation so prekär, dass Sie schimpfen mussten?

Mit Streicheln bringt man beim Köhlern nichts hin. Damals hat es vier, fünf Tage ununterbrochen geregnet. Trotzdem muss der Köhler den Meiler immer wieder füllen, anklopfen und verdichten.

Der Film wirkt authentisch. War nichts inszeniert?

Es gab nichts zu inszenieren. Ich muss mich nicht verstellen, sonst hätte ich jahrelang etwas falsch gemacht. Das Filmteam nahm ich bei der Arbeit überhaupt nicht wahr. Da war ich mit den Gedanken ganz beim Meiler, der permanent überwacht werden muss.

Wie überwacht man einen Kohlemeiler, der glimmt?

Es gibt verschiedene Hinweise. Wir orientieren uns anhand des Rauchs, und wir merken, wenn wir auf dem Meiler stehen, welche Stelle bearbeitet werden muss. Zuerst kontrolliert man den Meiler alle zweieinhalb Stunden, später kann man ihm Zeit geben. Ich schlafe dann jeweils in der Köhlerhütte beim Meiler.

Klingt anstrengend!

Wenn man mit so wenig Schlaf auskommen muss und im Dauerregen arbeitet, wird man wollig.

Feierabend gibt es wohl nicht?

Wenn der Meiler brennt, arbeiten wir drei Wochen rund um die Uhr. Würden wir die Köhlerei industriell betreiben, hätten wir Dreischichtbetrieb. Da mein Sohn Philipp den Betrieb auf der Pilgeregg führt, kann ich mich der Köhlerei widmen. Andere, die das Köhlern neben ihrer Arbeit auf dem Hof als Nebenerwerb betreiben, müssen mit ihrer Zeit besser haushalten.

Eine Person im Dreischichtbetrieb? Was würde die Köhlergewerkschaft dazu sagen?

Wir machen es ja freiwillig – und um zu überleben. Köhler sind ein eigenes Volk und wissen selber, was es braucht. Die Strapazen vom Fällen der Bäume bis zum Absacken nimmt nicht mancher auf sich. Wenn man die Zeit, den Aufwand und den Ertrag berücksichtigen würde, sowieso nicht. Es hat mancher mit Köhlern angefangen und es wieder gelassen.

Warum tun Sie es?

Wir machen’s seit Generationen.

Also auch aus Tradition?

Mit Tradition hat das nichts zu tun. Die Alternative wäre, auswärts zu arbeiten. Aber wie geht das, wenn man auf dem Bauernbetrieb anwesend sein sollte?

Machen Sie jetzt mehr Kohle?

Um Kohle herzustellen, muss man Zeit haben und die Kraft aufbringen. Bevor wir den Meiler aufbauen, müssen wir Holz beschaffen. Das Fällen der Bäume, das Zusammenführen, das Sägen und das Spalten ist harte Arbeit. Wir verarbeiten rund 70 Ster Holz pro Meiler.

Wie viel Kohle holen Sie aus einem Ster heraus?

Etwa 80 Kilogramm.

Ziemlich verwegen ist die Filmszene, bei der Sie und Ihr Sohn Philipp am Holzen sind. Wie gefährlich ist die Sache?

Wir holzen oberhalb des Goldbachs. Viele Leute trauen sich dort nicht hin. Es ist sehr steil.

Was sagt der Suva-Inspektor?

Wir wissen schon, was zu tun ist und sind nicht Suva-versichert.

Wird seit dem Filmstart viel Kohle bestellt?

Wir verkaufen nicht direkt. Früher war die Stahlindustrie unsere Abnehmerin. Otto Ineichen, der Vater des heutigen Otto’s-Besitzers, hat Wind von uns bekommen, als niemand mehr unsere Kohle wollte. Kohle aus dem Entlebuch gibt’s nur dort.

Dann grillieren Sie mit Gas?

Für den Selbstgebrauch reicht die Kohle schon auch noch.

Der Film ist beeindruckend. Was erlebten Sie als einer der Akteure, als Sie ihn im Kino das erste Mal gesehen haben?

Man soll sich ja nicht selber rühmen, aber wir sind alle sehr stolz.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Im Rahmen der Solothurner Filmtage ist «Köhlernächte» für den Schweizer Filmpreis für die beste Kamera (Pio Corradi) nominiert worden. Die Verleihung findet am 23. März statt.

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