LUZERN: Frei's Schulen - ein Bildungshaus, das viele Türen öffnet

10 Berufe, 120 Jahre, 90000 Abschlüsse – das sind einige Eckpunkte der Frei’s Schulen. Drei Absolventen aus verschiedenen Sparten schauen im Jubiläumsjahr auf ihre Ausbildung zurück und berichten, was aus ihnen geworden ist.

Stephan Santschi
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Xheraldina Imeri, Studentin (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 15. Dezember 2016))

Xheraldina Imeri, Studentin (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 15. Dezember 2016))

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Die Frei’s Schulen bilden ihre Absolventinnen und Absolventen als kantonale Berufsfachschule in zwei kaufmännischen Ausbildungen und sechs medizinischen Assistenzberufen aus. Jetzt blicken sie auf eine 120-jährige Geschich­te zurück. Hier die Meilensteine der Frei’s Schulen:

1897 Emil Frei (1876 bis 1959) gründet im Alter von 21 Jahren in Bern die Frei’s Handelsschule, Buchhaltung für Hotellerie und Gastronomie. Im ersten Kurs mit zwölf Schülern bilden Läden auf Trageblöcken die Pulte.

1906 Die Schule wird von Bern nach Aarau verlegt. Frei gründet auch eine Zweigniederlassung in Luzern. 1919 erfolgt der defini­tive Umzug nach Luzern, 1944 zieht die Schule an die Haldenstrasse 33, wo noch heute der Hauptsitz liegt.

1935 Die Hotelfachschule erlangt internationalen Ruf.

1940 Erster Kurs für angehende Arztgehilfinnen wegen grosser Nachfrage während des Zweiten Weltkriegs.

1960 Die neue Sekretärinnen-Schule stösst allseits auf reges Interesse.

1968 Die zweijährige Abendschule ermöglicht nebenberuf­liche Weiterbildung.

1971 Neu: Kaufmännische Kurse für Landwirte im Winterhalbjahr. Ab 1988 übernimmt diese die kantonale Landwirtschafts- und Bäuerinnenschule.

1977 Gründung der Aktiengesellschaft. 22 Jahre später erhält sie ihren heutigen Namen «Frei’s Schulen AG Luzern».

1989 Mitinhaber Franz Michel wird Gesamtschulleiter und entwickelt die Schule während 16 Jahren auf prägnante Weise. Nach dessen Tod übernimmt Hugo Dobler, der jetzt VR-Präsident ist.

1994 Fortan sind die Frei’s Schulen ISO-zertifiziert.

1996 Auftrag als Berufsfach­schule für Medizinische Praxisassistentinnen der Zentralschweizer Kantone.

2000 Lancierung der kaufmännischen Handelsschule für Zen­tralschweizer Spitzensportler (seit 2003 in kantonalem Auftrag). Ab 2008 werden an der Talents School auch musisch Begabte aufgenommen. Heute mit Sitz auf der Allmend in der Pilatus-Akademie.

2002 Einführung des Hygienekurses für Tätowierer und Spezialisten des Permanent Make-up.

2006 Installierung als Zentralschweizer Bildungszentrum für medizinische Assistenzberufe (Drogisten, Pharma-Assistentinnen, Medizinische Praxisassistenten, Dentalassistentinnen und Laboranten). Die Zahl der Schüler steigt sprunghaft von 300 auf 1100 pro Jahr.

2008 Das Berufsvorbereitungsjahr (10. Schuljahr) wird wieder eingeführt. Auch Tiermedizinische Praxisassistenten aus der Zentralschweiz finden hier neu ihre kantonale Berufsfachschule.

2013«Kauffrau/Kaufmann EFZ Business English» heisst die Ausbildung im kantonalen Auftrag, die den Lehrlingen ein halbes Jahr in London ermöglicht.

2017 Die Bilanz kann sich sehen lassen: Nach 120 Jahren haben über 90000 Personen an den Frei’s Schulen ihre Grund- oder Weiterbildung in einem medizinischen Assistenzberuf oder im kaufmännischen Bereich abgeschlossen. Insgesamt umfasst das Angebot der Kantonalen Berufsfachschule und Privatschule zehn Berufe. Rund 120 Mitarbeitende und Lehrkräfte organisieren den Schulbetrieb und bilden jährlich zirka 1400 Schüler aus.

Xheraldina Imeri, Studentin

«Wir mussten einfach drauflos spritzen. Ich sagte mir: Das gibt es ja nicht!» Mit einem Lachen blickt Xheraldina Imeri auf ihre ersten Erfahrungen während ihrer Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin (MPA) an den Frei’s Schulen zurück. Nicht an Puppen wurde geübt, sondern an Klassenkolleginnen. Als dann die grosse Nadel für die Hüftinjektion an der Reihe war, sei sie einer Ohnmacht ziemlich nahegekommen.
2009 schloss sie die dreijährige Lehre mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis ab. Danach absolvierte Imeri die Berufsmatura und integrierte sich ins Berufsleben. Aktuell ist die 29-jährige Schweiz-Kosovarin aus Büron als MPA bei einer Allgemeinärztin in Luzern angestellt. Parallel dazu studiert sie in Wädenswil Biotechnologie im Teilzeitpensum. An den Frei’s Schulen schätzte sie die Art der Lehrer: «Jeden Schüler kannten sie beim Namen, und es war ihnen wichtig, uns etwas beizubringen.» Ein Sonderlob stellt sie Abteilungsleiterin Rebecca Zoller aus: «Sie war immer für uns da, bot ihre Hilfe an.»
Neben der vielseitigen Arbeit in der Praxis schätzt sie den Kontakt mit den Patienten sehr. «Uns vertrauen sie oft mehr an als den Ärzten. So erfahre ich viel über die Menschen. Wenn jemand zu uns in die Kontrolle während einer Chemotherapie kommt und sagt, dass es ihm trotz seiner schweren Krankheit gut gehe, wird mir klar, wie klein meine persönlichen Probleme sind und wie schön ich es habe.»

Trauriges und Schönes nahe beieinander

Dass eine Behandlung nicht immer ein gutes Ende hat, musste sie schon zu Beginn ihrer Lehrzeit feststellen. «Wir erhielten in der Praxis den Anruf, dass ein Mann ohnmächtig auf der Strasse liege. Da wir näher dran waren als die Sanitäter des Notrufs, rückten der Chef und ich aus. Trotz Reanimation starb der Mann leider noch vor Ort.» Schwierige Momente gehören zum Alltag einer Medizinischen Praxisassistentin, darauf werde man an den Frei’s Schulen vorbereitet. Die Wertschätzung der Patienten allerdings überwiegen, nicht selten landen Gipfeli und Schokolade als Dankeschön in der Praxis. «Dann spüre ich, dass ich etwas richtig gemacht habe.»

Franz Wüest, Firmeninhaber

«Früher hatte ich die KV-Absolventen für den Umgang mit der Schreibmaschine bewundert. Sie schauten nicht runter und trotzdem stimmte fast immer, was sie schrieben.» Franz Wüest blickt mit einem Lächeln auf die Zeit vor seiner kaufmännischen Ausbildung zurück. Heute ist der 63-jährige Ettiswiler Mitinhaber und Geschäftsführer der Rekag AG. Die Firma mit Hauptsitz in Nebikon betreibt Handel mit Metall und Kunststoff für den Hoch- und Tiefbau sowie die Haustechnik. Daneben ist er leidenschaftlicher Politiker, seit 1999 sitzt er für die CVP im Luzerner Kantonsrat, 2015 bis Mitte 2016 war er Kantonsratspräsident.
Die Handelsschule machte Wüest an den Frei’s Schulen in Luzern zwischen 1978 und 1980. «Viermal pro Woche besuchte ich die Abendschule. Das war heavy, schliesslich arbeitete ich parallel 100 Prozent.» An die Karriere dachte er nicht. «Vielmehr trieb mich der Wissensdurst an.» Die Handelsschule habe ihm für seinen weiteren Werdegang die notwendigen Grundlagen vermittelt.
Er sei nie der Typ gewesen, der sich nur einer Sache widme. Er war Präsident der Feldmusik und des Gemeinderats. Später bildete sich Wüest nebenberuflich zum Betriebsökonomen aus. 36 Jahre ist er im Stahlhandel tätig, sein Rezept ist bis heute dasselbe geblieben: «Die Bereitschaft, viel zu arbeiten und nicht zu verzweifeln, wenn etwas nicht sofort funktioniert.» Er schätzt die Unabhängigkeit, die er sich geschaffen hat: «Ich lasse mir nicht gerne sagen, was ich zu tun habe.»

Schreibmaschine als Erinnerung

Mittlerweile befinde er sich beruflich und politisch auf dem Heimweg. 2017 wollen sich Franz Wüest und Ruedy Scheidegger aus dem operativen Geschäft der Rekag AG zurückziehen. Politisch könnte am Ende der Legislatur im Jahr 2019 Schluss sein. Bleibt die Frage, was ihm aus seiner Zeit an den Frei’s Schulen in besonderer Erinnerung geblieben ist: «Der gute Teamgeist. Noch Jahre später traf sich ein Stamm unserer Klasse regelmässig», sagt er und fügt schmunzelnd an: «Die mechanische Schreibmaschine von damals habe ich noch. Ich kaufte sie der Schule ab und liess sie herrichten. Sie ist voll funktionstüchtig.»

Ron Delhees, Profisportler

Schüler in Teilzeitbeschäftigung: Das war Ron Delhees bis im letzten Sommer an den Frei’s Schulen in Luzern. Der 21-jährige Zuger absolvierte während vier Jahren die Talents School, wo er genug Zeit fürs Training erhielt. Der 1,97 Meter grosse Linkshänder gilt in der Schweiz als eines der grössten Talente im Handball. Gabor Vass, sein Manager bei den Kadetten Schaffhausen, traut ihm sogar eine Karriere à la Andy Schmid zu. Und der Luzerner ist immerhin einer der besten Handballer der Welt.
Seit dieser Saison erzielt Delhees seine Tore für die Schaffhauser, die in der nationalen Szene das absolute Mass der Dinge sind. Dort spielt er erstmals in der Champions League auf höchstem Level. Ein Engagement in der Deutschen Bundesliga ist sein mittelfristiges Ziel, derweil er in der Schweizer Nationalmannschaft eine tragende Rolle einnehmen will. Im November war er Teil jener Auswahl, die beinahe Europameister Deutschland geschlagen hätte und mit über 10000 Zuschauern einen Publikumsrekord aufstellte.
Von seinem Vater Max, der als Handballer sogar an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilnahm, habe er die Selbstdisziplin übernommen. Dies half ihm, gesundheitliche Rückschläge zu überwinden. 2014 litt Delhees am Pfeifferschen Drüsenfieber, 2015 riss das Kreuzband.

Auf KV-Abschluss und Sport fokussiert

Die Frei’s Schulen hätten ihm optimale Voraussetzungen geboten, um die Profikarriere als Handballer zu lancieren. «Ich konnte einen KV-Abschluss machen und mich trotzdem auf den Sport fokussieren.» Wenn er wegen Terminen mit dem Nationalteam Prüfungen habe verschieben müssen, sei man sehr einsichtig gewesen. «Auch meine Schulkollegen waren sportorientiert, da spürt man ein anderes Verständnis, als wenn man der Einzige wäre», sagt er.
Handballerisch gefördert wurde Delhees in der Nachwuchsorganisation der SG Pilatus, die ersten Schritte in der NLA machte er bei Kriens-Luzern, ehe er via Zürich nach Schaffhausen wechselte. Profisport allein soll es aber auch künftig nicht sein, ab nächstem Sommer widmet Delhees sich der Berufsmatura.

Franz Wüest, Firmeninhaber (Bild: Corinne Glanzmann (Nebikon, 9. Dezember 2016))

Franz Wüest, Firmeninhaber (Bild: Corinne Glanzmann (Nebikon, 9. Dezember 2016))

Ron Delhees, Profisportler (Bild: Nick Soland / Freshfocus (Winterthur, 4. Januar 2016))

Ron Delhees, Profisportler (Bild: Nick Soland / Freshfocus (Winterthur, 4. Januar 2016))