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LUZERN: Freiwilligenarbeit: Dank ihnen läuft der Laden

Ticketkontrolleur, Saaldame, Besucherführer: Diese Funktionen findet man in keinem Berufsverzeichnis. Dennoch werden sie immer professioneller.
Natur-Museum nach der Pensionierung gehts weiter

Natur-Museum nach der Pensionierung gehts weiter

cgl/rk. Meistens beachtet man sie kaum: Die Dame, die am Eingang zum Konzertsaal die Plätze anweist. Der ältere Herr, der im Museum unauffällig die Besucher beobachtet. Dabei sind sie oft ein wichtiger Mosaikstein fürs reibungslose Funktionieren eines Betriebs. Und oft verrichten sie zusätzliche Aufgaben, von denen man als Besucher kaum etwas mitbekommt. Diese unverzichtbaren Helfer werden meist auf Stundenlohnbasis entlöhnt. Im Gegensatz zu anderen Städten ist Freiwilligenarbeit in Luzerns Kulturhäusern und Museen nämlich wenig verbreitet. Die Höhe dieser Entschädigung kann stark variieren – von 15 bis 25 Franken pro Stunde.

«Bevorzugen bezahlte Mitarbeiter»

Auch das Kunstmuseum Luzern entschädigt seine Helfer finanziell, wie Gabriele Froning, Leiterin Administration, erklärt: «Andere Museen arbeiten mit Freiwilligen. Solange wir uns das leisten können, bevorzugen wir bezahlte Mitarbeiter.» Der Grund: Das Kunstmuseum erwartet hoch professionelle Arbeit. Die Aufsichtspersonen etwa verrichten ihre Tätigkeit stehend. Sie sollen den Besuchern Auskunft geben, aber keine Kunstvermittlung betreiben. Und wenn sich Besucher im Raum befinden, darf man nicht mit Kollegen reden. 23 Frauen und 1 Mann arbeiten beim Kunstmuseum in der Aufsicht. Eine spezielle Aufgabe haben die 12 Art Handler: Sie helfen beim Auf- und Abbau der Kunstobjekte. Meist handelt es sich um Künstler, die sich durch die Arbeit im Museum eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen. Sie tragen eine hohe Verantwortung: Werden die kostbaren Objekte nicht professionell behandelt, will bald niemand mehr seine Werke dem Kunstmuseum anvertrauen.

Lohn: 15 Franken pro Stunde

Auch im Verkehrshaus arbeiten 40 Betreuer, die sich um die Besucher kümmern und die Ausstellungsobjekte erklären. «Wir sind auf die Helfer angewiesen», sagt Mediensprecher Olivier Burger. Je nach Jahreszeit und Witterung schwankt die Zahl der Besucher stark. Festangestellte könnten so nicht richtig ausgelastet werden, sagt Burger. «Die hohen Fixkosten einer Festanstellung können wir uns nicht leisten.» Mit 15 Franken zahlt das Verkehrshaus seinen Betreuern gemäss einer Umfrage unserer Zeitung allerdings einen sehr tiefen Lohn. Burger sagt dazu: «Die Entschädigungen sind im Rahmen unserer Möglichkeiten. Mehr können wir nicht zahlen.» Das KKL will die Stundenlöhne seiner Saaldamen gar nicht erst kommunizieren.

Keine Zeit, den Match zu schauen

Professionalität erwartet man auch in der Swissporarena. Früher, im alten Stadion Allmend, wurden die Stewards noch mit Fussballspielen entschädigt: Sie erhielten keinen Lohn, konnten dafür die Spiele schauen. Im neuen Stadion bleibt kaum noch Zeit, den Match zu schauen. Dafür erhalten die Stewards als Entschädigung zirka 21 Franken pro Stunde, wie Stadionmanager Reto Mattmann sagt. Die Swissporarena schöpft aus einem Pool von rund 380 Stewards. Pro Match stehen etwa 150 bis 210 im Einsatz. Sie regeln den Verkehr, arbeiten an der Kasse oder sind für die Eingangskontrollen zuständig. Die Stewards sind zudem speziell geschult, so dass sie im Fall einer Evakuation des Stadions richtig handeln können.

Natur-Museum: Nach der Pensionierung gehts weiter

Insektensammlerrk. Er ist ein Naturwissenschafter, wie er im Buche steht: Ladislaus Reser (76). Das habe er «in den Genen», sagt der Doktor in Zoologie. 30 Jahre lang war er im Natur-Museum Luzern angestellt, zuletzt als Konservator für die Insektensammlung. 2005 wurde er pensioniert – auf dem Papier zumindest.

Denn wer seine Arbeit liebt, gibt sie nicht einfach so auf. Deshalb ist Ladislaus Reser im Natur-Museum geblieben. «Ich mache immer noch dasselbe, jetzt einfach ehrenamtlich.» Ladislaus Reser kümmert sich insbesondere um die Schmetterlingssammlung, welche Hunderttausende Exemplare umfasst (siehe Bild). Er sorgt unter anderem dafür, dass kein Ungeziefer die wertvollen Exponate beschädigt.

Und er trägt weiterhin zur Vergrösserung der Sammlung bei. Noch heute unternimmt Ladislaus Reser nämlich mehrtägige Exkursionen in die Natur, um die Lebensräume von Nachtfaltern zu erforschen, von denen es allein in der Zentralschweiz etwa 1000 Arten gibt. Die Erkenntnisse publiziert er in Fachzeitschriften – und die eingefangenen Exemplare präpariert er und fügt sie der Museums-Sammlung hinzu.

Das Natur-Museum beschäftigt total 23 Festangestellte, verteilt auf rund 10,5 Vollzeitstellen. Hinzu kommen 10 Ehrenamtliche wie Ladislaus Reser. Dies stosse manchmal auch auf Kritik, sagt Ladislaus Reser. Der Vorwurf lautet, die ehrenamtlichen Mitarbeiter würden Arbeiten verrichten, die eigentlich bezahlten Festangestellten zustehen würden. Doch könnte sich das Museum überhaupt leisten, alle Mitarbeiter zu bezahlen? Dazu Alexandra Strobel, Kommunikationsbeauftragte der kantonalen Museen: «Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter könnten die Sammlungen nicht ausreichend betreut werden.»

KKL: Konzerte während der Arbeit hören

Saaldamerk. Um diesen Job beneiden Rosmarie Züger (61) aus Sempach viele: Sie darf im KKL gratis Konzerte hören. Nun – das ist natürlich nur ein Teil ihrer Arbeit. Züger ist nämlich Saaldame. Ihre Aufgabe ist es, an den Eingängen die Tickets zu kontrollieren und die Besucher zu ihren Plätzen zu weisen. Auch muss sie schauen, dass die Gäste keine Esswaren in den Saal mitnehmen.

Und wenn dann die Scheinwerfer angehen, dann darf Rosmarie Züger im Saal bleiben. Sie muss sogar. «Wir sind im Saal, um bei Zwischenfällen reagieren zu können.» So kümmert sie sich um Besucher, denen es schlecht wird oder die einen Hustenanfall haben. In einem Notfall müsste sie die Evakuation des Saals begleiten. Das sei glücklicherweise noch nie vorgekommen, sagt Rosmarie Züger. Als Mitarbeiterin mit direktem Kundenkontakt muss sie auch alle möglichen Fragen beantworten – etwa, was den KKL-Bau oder bestimmte Einrichtungen betrifft. «Wenn ich eine Antwort einmal nicht weiss, wende ich mich gleich telefonisch an die zuständigen Stellen, damit ich den Besuchern die gewünschte Auskunft geben kann.»

Hochkarätige Konzerte hören während der Arbeit – was will man mehr? Rosmarie Züger sagt, sie sei ein «grosser Musikfan». Am liebsten hat sie Klassik, aber auch Jazz und Blues mag sie. Die Saaldamen dürfen bei der Einsatzplanung durchaus ihre musikalischen Vorlieben einbringen. Zudem profitieren sie auch in ihrer Freizeit von Gratistickets fürs KKL.

Wobei es längst nicht nur um Konzerte geht. Auch Kongresse seien höchst spannend zum Zuhören, sagt Rosmarie Züger. Kein Wunder sagt KKL-Mediensprecher Andreas Roth, die Nachfrage nach den Jobs sei «sehr gross». Man finde ohne Probleme genügend Mitarbeiter.

Verkehrshaus zwischen Mensch und Maschine

betreuercgl/std. Sein Gesicht hat wohl schon mancher Verkehrshaus-Besucher gesehen: Heiri Steffen (68) aus Ebikon arbeitet dort als Betreuer. Der ehemalige SBB-Lokomotivführer und Leiter des TGV-Verkehrs in der Schweiz steht den Besuchern Red und Antwort. Er kümmert sich weiter um Ausstellungsobjekte, im Bahnsektor macht er auch Führungen.

«Nach Spannungen mit dem Arbeitgeber ging ich 2011 in Frühpension», sagt Steffen. «Ich wollte weg vom Leistungsdruck, war aber mit 63 Jahren noch relativ jung und dachte, es wäre sicher nicht schlecht, weiter einer Tätigkeit nachzugehen. Im Verkehrshaus komme ich mit anderen Betreuern zusammen, die Spass an ihrer Beschäftigung haben.» Als ehemaliger Lokomotivführer ist er natürlich Bahnexperte. «Inzwischen habe ich aber auch einiges über Flugzeuge und Autos gelernt.» Er verbringt relativ viel Zeit im Verkehrshaus: Rund 12 bis 15 Tage pro Monat ist Steffen dort anzutreffen.

Im Museum arbeiten rund 40 Betreuer. Es handelt sich um Pensionierte oder Frühpensionierte bis 72 Jahre. «Wir sind auf die Betreuer angewiesen», sagt Olivier Burger, Mediensprecher des Verkehrshauses. Ohne deren Engagement sei kein Museumsbetrieb möglich. Sie sind im Stundenlohn angestellt und erhalten als Entschädigung 15 Franken pro Stunde.

«Des Geldes wegen arbeite ich nicht beim Verkehrshaus», sagt Steffen. «Ich mache es aus Freude.» Da das Museum auch internationale Besucher anzieht, seien Fremdsprachenkenntnisse wichtig. «Das hält mich geistig fit.» Zudem schätzt Steffen, dass er so weiterhin Kontakt zu jungen Menschen hat. Im Bild erklärt er etwa einer Schülerin ein grosses Fotogerät der Informatikausstellung «iFactory».

Verkehrshaus zwischen Mensch und Maschine

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