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LUZERN: Fremdsprachen-Initiative: Regierung will bei Ja Englisch in Sek verschieben

Der Luzerner Regierungsrat empfiehlt, die Fremdsprachen-Initiative abzulehnen. Bei einem Ja will er Französisch in der Primarschule belassen – «aus Gründen des nationalen Zusammenhalts». Unterstützung erhält er von einem neuen Komitee.
Alexander von Däniken
Eine Schülerin beim Lösen von Englischaufgaben. (Bild: Boris Bürgisser (Sursee, 14. Oktober 2013))

Eine Schülerin beim Lösen von Englischaufgaben. (Bild: Boris Bürgisser (Sursee, 14. Oktober 2013))

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Nur noch eine Fremdsprache auf der Primarstufe: Das fordert ein überparteiliches Komitee, unter anderem getragen vom Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband. Am 24. September wird im Kanton Luzern darüber abgestimmt. Schon im Dezember 2016 erklärte der Regierungsrat, dass er am heutigen Modell festhalten wolle und die Initiative ohne Gegenvorschlag ablehne. Heute stellt er die Abstimmungsbotschaft vor, die in den nächsten Tagen an die Haushalte verschickt wird. Unsere Zeitung erhielt bereits einen Einblick in die Botschaft. Darin steht unter anderem, was bei einem Ja zur Initiative passieren würde.

Konkret heisst es: «Wenn im Kanton Luzern in der Primarschule in Zukunft nur eine Fremdsprache unterrichtet würde, müsste dies Französisch sein.» Dies wäre «aus Gründen des nationalen Zusammenhalts» notwendig. Zudem geht die Regierung davon aus, dass der Bund den Kantonen vorschreiben würde, eine zweite Landessprache in der Primarschule zu unterrichten. Hintergrund dieser Annahme ist, dass sich die Kantone seit einem Jahrzehnt darum bemühen, das Schulwesen zu harmonisieren. Dazu sind sie per Verfassung verpflichtet. Dort steht unter Artikel 62, dass der Bund «die notwendigen Vorschriften» erlässt, wenn sich die Kantone nicht auf die Harmonisierung des Schulwesens einigen können.

Luzern als «Sprachinsel»

Die Annahme der Initiative hätte nicht nur rechtliche Auswirkungen, sie würde den Kanton Luzern auch «zu einer Sprachinsel» werden lassen, wie die Regierung schreibt. Tatsächlich wäre Luzern der bislang einzige Kanton, der vom bisherigen 3/5-Modell – eine Fremdsprache in der dritten, die andere in der fünften Klasse – abweichen würde. Ähnliche Initiativen wie in Luzern sind in den Kantonen Thurgau, Zürich und Nidwalden gescheitert.

Schliesslich führt die Regierung auch die erwarteten Kosten ins Feld. Die Umsetzung der Initiative würde bis zu 9 Millionen Franken kosten. Dies, weil neue Lehrmittel entwickelt und produziert, zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer weitergebildet und für einzelne Fächer neue Lehrpläne ausgearbeitet werden müssten.

Pünktlich zur heissen Phase vor der Abstimmung formieren sich zudem die Gegner der Initiative. Das Komitee, zusammengesetzt aus Vertretern aller Parteien ausser der SVP, wird in den nächsten Tagen und Wochen mit Inseraten und Plakaten aktiv.

Im Komitee sitzt unter anderem Ludwig Peyer, CVP-Fraktionschef im Kantonsrat und Parteikollege von Bildungsdirektor Reto Wyss. Peyer sagt auf Anfrage: «Wenn den Kindern in der Primarschule eine Fremdsprache genommen wird, werden ihnen auch die Chancen genommen, sich zu entwickeln.» Die Fremdsprachen-Initiative lasse offen, ob Französisch oder Englisch weichen müsste. «Damit müssen sich die Initianten dem Vorwurf aussetzen, dass sie keine Lösungen anbieten.» Das Kind werde nicht beim Namen genannt.

Komme es zu einem Ja und würde Englisch auf die Oberstufe verbannt, so wäre dies «in der heutigen Zeit unverständlich», sagt Peyer. Bei der Beratung im Kantonsrat habe sich bereits eine Mehrheit der CVP-Fraktion gegen die Initiative ausgesprochen. Aber auch aus persönlicher Sicht hält Peyer nichts von der Ini­tiative. «Vor allem, weil viele Schüler gefordert werden wollen, und der Kanton Luzern bei einem Ja zu einer Insellösung wird», sagt Peyer.

Dieser Meinung sind nicht alle CVP-Kantonsräte: Priska Galliker und Pius Kaufmann unterstützen die Fremdsprachen-Initiative; genauso wie alt Kantonsrat Jakob Lütolf.

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