Luzern
Fünf Städtepartnerschaften sind genug für Luzern, eine sechste soll es nicht geben

Luzern will es bei den fünf bisherigen Städtepartnerschaften belassen. Dafür sollen die internationalen Netzwerke und Projektkooperationen etwa im Bereich Klima und Mobilität verstärkt werden.

Hugo Bischof Jetzt kommentieren
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Die Stadt Luzern soll ihre langjährigen Freundschaften mit ihren fünf Partnerstädten Murbach/Guebwiller (Frankreich, seit 1978), Bournemouth (Grossbritannien, seit 1982), Olomouc (Tschechische Republik, seit 1994), Chicago (USA, seit 1998) und Potsdam (Deutschland, seit 2002) weiter pflegen. Das schlägt der Luzerner Stadtrat dem Stadtparlament vor. Dabei soll es eine «moderate inhaltliche und thematische Weiterentwicklung» geben.

Die tschechische Stadt Olomouc (Olmütz) ist eine der fünf Partnerstädte Luzerns.

Die tschechische Stadt Olomouc (Olmütz) ist eine der fünf Partnerstädte Luzerns.

Bild: PD / Luis Dafos / Moment RF

Der Aufbau einer neuen Städtepartnerschaft steht für den Stadtrat nicht zur Debatte. Bei einer Verringerung des gegenseitigen Interesses ist der Stadtrat sogar bereit, «die Auflösung einzelner Städtepartnerschaften zu prüfen». Die Partnerschaft mit Cieszyn (Polen) ist 2018 beendet worden.

Etappenort im europäischen Nord-Süd-Verkehr

Die humanitäre Tradition der Schweiz, die jahrhundertealte Funktion Luzerns als Etappenort im europäischen Nord-Süd-Verkehr, die touristische Bedeutung der Zentralschweiz und die kulturelle Ausstrahlung Luzerns seien Argumente genug, sich international zu vernetzen, so der Stadtrat. Generell verlagere sich innerhalb der internationalen Beziehungspflege das Gewicht jedoch vermehrt von den Städtepartnerschaften hin zu Projektkooperationen:

«Diese ermöglichen es der Stadt Luzern, sich an einem international ausgerichteten Projekt zu beteiligen, das zeitlich begrenzt und thematisch fokussiert ist.»

Einige Beispiel für Projektkooperationen:

  • Die in Luzern ansässige gemeinnützige Organisation «Wasser für Wasser» (WfW) startete im Herbst 2020 mit der Stadt Luzern ein Projekt in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik. Es soll den Zugang zu sanitärer Grundversorgung für alle ermöglichen und Verhaltensänderungen in der Siedlungshygiene fördern. In Luzern arbeitet WfW im Gegenzug mit Schulklassen an einem Unterrichtsmodul, das den hiesigen Schulkindern die Bedeutung von Wasser näherbringt und sie für Wasser als lebenswichtige und lebenserhaltende Ressource sensibilisiert. Die Dauer der Projektkooperation ist vorerst auf drei Jahre festgelegt.
Die Brüder Moris und Lior Etter sind sind die Initianten des Projekts «Wasser für Wasser».

Die Brüder Moris und Lior Etter sind sind die Initianten des Projekts «Wasser für Wasser».

Bild: Nadia Schärli
  • «TimeDateMusic» ist eine Luzerner Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, das Chorwerk «Peacemaker» des walisischen Komponisten Karl Jenkins am Weltfriedenstag rund um den Globus aufzuführen. Zuerst war dieses weltumspannende Projekt 2021 geplant, es wurde wegen Corona verschoben und endet nun mit der weltweiten Aufführung des Chorwerks am 21. September 2023.
  • Mit der dänischen Hauptstadt Kopenhagen pflegt Luzern seit 2021 einen Fachaustausch zum Thema Mobilität und Städtebau. Luzern erhofft sich unter anderem konstruktive Ideen zur Förderung des Veloverkehrs.
  • Die Stadt Luzern nimmt auf Einladung der schweizerischen Botschaft in Berlin an einem Austausch zum Thema Klimawandel in Städten teil. Unter den Fokus der Nachhaltigkeit werden dafür verschiedene Aktivitäten in Deutschland durchgeführt. «Das Ziel ist, den grenzüberschreitenden Dialog zwischen der Schweiz und Deutschland zu fördern und die Schweiz als wichtige Partnerin bei der Bewältigung der Klimakrise und den bevorstehenden gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland zu positionieren», so Luzerns Stadtrat.

Netzwerke mit wenig Kosten verbunden

Auch strategische Netzwerke, die sich auf einzelne Themen konzentrieren, ersetzen das klassische Konzept der Städtepartnerschaften zusehends. Die bisherigen Mitgliedschaften seien mit sehr geringen oder gar keinen Kosten verbunden, schreibt der Stadtrat.

Diesen internationalen Netzwerken gehört die Stadt Luzern an:

  • Rat der Gemeinden und Regionen Europas: Die Mitgliedschaft sei «Ausdruck des Willens, die nachbarschaftlichen Beziehungen auf dem Kontinent zu leben». Rund 100’000 lokale Behörden aus 40 Ländern beteiligen sich in der 1951 gegründeten Vereinigung.
  • Europäische Städtekoalition gegen Rassismus: Beitritt 2011. Luzern hat sich verpflichtet, sich aktiv gegen Diskriminierung und Ausgrenzung und für mehr Respekt, Toleranz und Weltoffenheit einzusetzen.
  • Klima-Bündnis Europa: Beitritt 2001. Die Mitgliedschaft ist als Bekenntnis zu einer aktiven Klimaschutzpolitik zu verstehen. Rund 1400 Städte und Gemeinden mit insgesamt über 50 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in ganz Europa sind Mitglied.
  • Mayors for Peace: Beitritt 2011. Über 8000 Städte in 166 Ländern sind Mitglied der Vereinigung, die die Abschaffung von Atomwaffen anstrebt.
  • Solidarity Cities: Beitritt 2019. Die beteiligten Städte anerkennen ihre Schlüsselrolle bei der Integration von Flüchtlingen. Sie streben europäische Lösungen sowie Solidarität zwischen den unterschiedlich betroffenen Städten an.
  • «Rainbow Cities Network» hat zum Ziel, auf lokaler Ebene Diskriminierungen zu beseitigen, die aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität entstehen. Der 2017 mit einem Bevölkerungsantrag verlangte Beitritt Luzerns ist noch nicht erfolgt. Für eine Aufnahme wäre laut Stadtrat «ein recht umfangreicher, auch mit Kosten verbundener Massnahmenplan zu erarbeiten».

Jährlich 120'000 Franken budgetiert

Für Städtepartnerschaften und Projektkooperationen sollen im Budget der Stadt Luzern weiterhin Sachmittel in der Höhe von 120’000 Franken zur Verfügung stehen. Eine Ausweitung der Mittel ist nicht geplant. Die Städtepartnerschaften und Projektkooperationen werden innerhalb der Stadtverwaltung von einer Person in einer 40-Prozent-Anstellung betreut und koordiniert. Der Grosse Stadtrat wird den Antrag des Stadtrats voraussichtlich an seiner Sitzung vom 9. Juni beraten.

Viele weitere Beispiele im Kanton Luzern

In der Zentralschweiz gibt es viele Städte und Gemeinden, die Partnerschaften pflegen. Die Stadt Zug unterhält drei: mit Fürstenfeld in Österreich (seit 1986), Kalesija in Bosnien-Herzegowina (seit 2008) und Isenthal im Kanton Uri (seit den 1970er Jahren). Die Freundschaft mit Fürstenfeld reicht zurück in die Nachkriegszeit von 1946 bis 1948, als Zug der vom Krieg arg gebeutelten Gemeinde mit Nahrungsmitteln und weiteren Hilfsgütern beistand. Als Mahnmal daran weht in Zug heute eine Europaflagge. Das reiche nicht, um diese humanitäre Leistung in Erinnerung zu halten, schrieb die Zuger SVP 2021 in einem Postulat. Der Stadtrat müsse zusätzliche Vorschläge ausarbeiten. Der Zuger Stadtrat nahm das Anliegen wohlwollend entgegen.

Andere Beispiele im Kanton Zug sind Hünenberg, das zwei Partnerschaften mit der slowakischen Stadt Banska Stiavnica (seit 2004) und mit Marly im Kanton Freiburg (seit 2012) einging, oder Cham, das seit 1981 mit dem gleichnamigen Cham/Oberpfalz in Deutschland verbunden ist. Im Kanton Uri ist der Hauptort Altdorf seit 1948 Partner der gleichnamigen Stadt Altdorf bei Nürnberg. Weitere Beispiele im Kanton Luzern sind Horw, das Anfang der 1970er Jahre eine Patenschaft für die Walliser Gemeinde Gampel-Bratsch übernahm, oder Kriens, dessen Partnerstadt San Damiano d’Asti in Italien ist. Sursee ist seit 1987 Partnerstadt von Highland im Bundesstaat Illinois, USA.

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