LUZERN: Für Fussgänger wirds eng am Löwenplatz

Wegen des neuen Car-Regimes werden mehr Touristen am Löwenplatz erwartet. Die Stadt prüft sogar einen neuen Fussgängerstreifen.

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Diesen Fussgängerstreifen über die Zürichstrasse müssen Touristen überqueren, wenn sie zu den Cars beim Löwenplatz wollen. Die schmalen Trottoirs sind aber nicht für grosse Gruppen geeignet. (Bild Boris Bürgisser)

Diesen Fussgängerstreifen über die Zürichstrasse müssen Touristen überqueren, wenn sie zu den Cars beim Löwenplatz wollen. Die schmalen Trottoirs sind aber nicht für grosse Gruppen geeignet. (Bild Boris Bürgisser)

Beatrice Vogel und Christian Glaus

Ab dem 1. Mai testet die Stadt Luzern ein neues Car-Regime. Konkret dürfen die Cars zwischen 17 und 20 Uhr nur noch am Schwanenplatz anhalten, um die Touristen aussteigen zu lassen. Einsteigen müssen die Touristen später dann beim Löwenplatz (wir berichteten). Dies bedeutet, dass die Touristengruppen die Strecke vom Schwanenplatz bis zum Löwenplatz jeweils zu Fuss zurücklegen müssen.

Autos müssen lange warten

Marc Germann, Präsident des Quartiervereins Hochwacht, äussert sich skeptisch zum neuen Regime. Er glaubt, dass dadurch die Fussgängerstreifen und Trottoirs rund um den Löwenplatz überlastet werden. «Die Trottoirs an der Zürichstrasse vor dem Hotel De la Paix und vor dem Restaurant Kanchi sind sehr schmal. Unsere Befürchtung ist, dass diese die Fussgängermassen nicht mehr aufzunehmen vermögen, denn an diesen Stellen warten die Leute, um die Zürichstrasse zu überqueren», so Germann. Auch der Fussgängerstreifen über die Museggstrasse wird heute so stark frequentiert, dass abbiegende Autos meist lange warten müssen. «Die Ecke Zürichstrasse/Museggstrasse ist bekannt als gefährliche Stelle, und die zusätzlichen Touristenströme werden die Situation nicht verbessern», sagt Germann. «Es ist höchste Zeit, dass dort etwas getan wird.»

Dass etwas getan werden muss, ist der Stadtverwaltung bewusst. «Die Touristengruppen können natürlich nicht auf den schmalen Trottoirs warten», sagt Roland Koch, Verkehrsexperte der Stadt Luzern. Das Tiefbauamt sei im Moment daran, zusammen mit der zuständigen kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur (VIF) nach einer Lösung zu suchen. Dies, weil Zürich- und Alpenstrasse Kantonsstrassen sind. «Eine Möglichkeit wäre, einen neuen Übergang über die Alpenstrasse zu machen, sodass die andere Strassenseite direkt von der Hertensteinstrasse aus erreicht werden kann.» Platziert würde dieser Fussgängerstreifen auf der Höhe der Confiserie Bachmann. Diese neue Verbindung könnte die anderen Fussgängerstreifen über die Musegg- und die Zürichstrasse entlasten, so Koch. Das sei allerdings erst eine angedachte Lösung, die noch überprüft werden müsse.

Baumassnahmen dauern länger

Der neue Fussgängerstreifen würde sich nur wenige Meter vom heutigen Übergang über die Zürichstrasse (siehe Bild) befinden. Würde dieser dann aufgehoben? Das ist gemäss Koch noch unklar. «Am 1. Mai wird noch nicht die ganze Infrastruktur angepasst sein», sagt er. Der Zeithorizont für allfällige Bauarbeiten stehe noch nicht fest. Bevor etwas beschlossen werde, würden zudem die Anrainer und der Quartierverein in die Diskussion mit einbezogen.

«Ich halte einen zusätzlichen Fussgängerstreifen für prüfenswert», sagt Marc Germann. Auf keinen Fall dürfe aber ein bestehender Übergang entfernt werden. Es brauche ausserdem am Löwenplatz zusätzliche Infrastruktur für die Touristen, wie etwa mehr Sitzgelegenheiten oder gedeckte Wartemöglichkeiten. Marc Germann bedauert es, dass der Quartierverein Hochwacht nicht schon früher in den Entscheidungsprozess zum Carregime eingebunden wurde, obwohl sich der Löwenplatz in dessen Einzugsgebiet befindet.

«Mehr Verkehr am Löwenplatz»

Durch das neue Regime erhofft sich die Stadt Luzern, dass der Schwanenplatz entlastet wird. Doch bedeutet die neue Regelung auch, dass die Cars weitere Wege zurücklegen müssen, um zu parkieren und die Touristen wieder abzuholen. Schliesslich ist vorgesehen, dass die Fahrzeuge zwischen Schwanen- und Löwenplatz sowie dem Parkplatz Lido zirkulieren. «Rund um den Löwenplatz wird es durch die Cars mehr Verkehr geben», sagt Roland Koch. Der Anteil der Cars am Gesamtverkehr werde aber im tiefen einstelligen Prozentbereich bleiben, so Koch. Trotz Zunahme des Carverkehrs soll es um den Löwenplatz nicht mehr Behinderungen geben, im Gegenteil. Denn die Cars sollen sich künftig weniger lang auf dem Löwenplatz aufhalten. Bisher durften Cars am Löwenplatz nämlich bis zu einer Stunde parkieren. Diese Zeit war so berechnet, damit beispielsweise das Löwendenkmal besichtigt werden konnte. «Es kam jedoch immer wieder vor, dass die Cars länger beim Löwenplatz parkierten und so andere Cars blockierten», sagt Roland Koch. Neu dürfen die Cars am Löwenplatz nur noch kurz anhalten, um die Passagiere ein- oder aussteigen zu lassen. «Das Einsteigen dauert in der Regel 5 Minuten», so Koch. «Es kann aber auch Ausreisser geben. Beispielsweise wenn ein Car noch auf einzelne Passagiere warten muss, kann es vorkommen, dass das Einsteigen bis zu 30 Minuten dauert.» Das seien Erfahrungswerte.

Auf der Seebrücke und im Bereich Schweizerhofquai rechnet Koch damit, dass es nicht mehr Carfahrten gibt. Darauf habe das Carregime keinen Einfluss, weil man schon bisher nicht beim Schwanenplatz parkieren durfte. Um vom Schwanenplatz wegzufahren, mussten die Cars schon bisher über die Seebrücke. «Auf der Seebrücke macht der Anteil der Cars am Gesamtverkehr nur 1 Prozent aus», so Koch.