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LUZERN: Fussfessel für Straftäter löst beim Kanton Skepsis aus

Verurteilte Täter können ihre Freiheitsstrafe ab nächstem Jahr auch in Freiheit absitzen – mit einer elektronischen Fussfessel. Das soll für die Integration förderlich sein. Doch selbst die Verantwortlichen beim Kanton sind kritisch.
Niels Jost
Mit dieser elektronischen Fussfessel werden ab 2018 Personen überwacht. (Bild: Eveline Beerkircher (Emmen, 14. Dezember 2017))

Mit dieser elektronischen Fussfessel werden ab 2018 Personen überwacht. (Bild: Eveline Beerkircher (Emmen, 14. Dezember 2017))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Statt im Gefängnis können verurteilte Täter ihre Strafe ab dem 1. Januar auch in Freiheit absitzen. Möglich macht’s die elektronische Fussfessel. Die Kantone sind dazu verpflichtet, diese neue Art des Strafvollzugs anzubieten (Artikel vom 7. Dezember). Somit können Straftäter weiterhin ihrer Arbeit nachgehen; sie müssen allerdings zu einem definierten Zeitpunkt wieder zu Hause sein und dort unter Hausarrest bleiben. Das fördere die Reintegration, wie Stefan Weiss, Leiter Dienststelle Justizvollzug, bei der gestrigen Präsentation sagte: «Die Betroffenen werden nicht komplett aus ihrem sozialen Bezugsrahmen herausgerissen und verlieren ihre Arbeitsstelle während der Dauer der Strafe nicht.»

Eine Fussfessel tragen darf nur, wer entweder zu einer Freiheitsstrafe bis maximal 12 Monate verurteilt wurde, sprich: kein grobes Delikt begangen hat. Oder jene, welche eine lange Strafe bereits abgesessen haben und kurz vor der Entlassung stehen. Die Fessel dürfen auch nur Täter tragen, bei denen keine Fluchtgefahr und keine Gefährdung Dritter besteht, betont Weiss. Dennoch hält er die Anwendung für nicht ganz risikofrei (siehe Interview).

Fussfesseln sind günstiger als eine Zelle

Überwacht werden die Fesseln von den Mitarbeitern des Wohnheims Lindenfeld in Emmen. Dieses ist privat geführt, hat aber eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton. Hier befinden sich seit 2009 auch die 14 Plätze zum Vollzug der Halbgefangenschaft und des Arbeitsexternats. Sprich: Die Straftäter arbeiten tagsüber, abends und an den Wochenenden stehen sie im «Lindenfeld» unter Arrest – ähnlich wie bei der Fessel. Weiss: «Die langjährige Zusammenarbeit hat sich bewährt.»

Das «Lindenfeld» überwacht die Fesseln auch für die anderen Zentralschweizer Kantone. Die 22 Geräte mit Radiofrequenz und die 3 mit einem GPS-Sender hat man gemeinsam vom Kanton Zürich gemietet, um Kosten zu sparen. Für die Fallführung berechnet das «Lindenfeld» maximal 60 Franken pro Tag. Zum Vergleich: Eine Zelle im Gefängnis Grosshof kostet pro Tag zwischen 220 und 270 Franken. Das Sparpotenzial ist noch unbekannt.

Dass die Überwachung nicht ein Allerheilmittel ist, um Delinquenten vor weiteren Straftaten abzuhalten, dessen ist man sich beim Kanton bewusst: «Wir wissen zwar, wenn eine Person nicht zum vereinbarten Zeitpunkt zu Hause ist, aber nicht, was sie unterwegs macht», sagt Weiss. Das kann Folgen haben, wie ein Fall aus dem Waadtland zeigt: 2013 durchschnitt ein verurteilter Vergewaltiger und Mörder seine Fussfessel und tötete die 19-jährige Marie. Solche Fälle kämen jedoch nur äusserst selten vor, wie die Erfahrungen von sieben Kantonen zeigen, welche die Fuss­fessel seit 1999 getestet haben.

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