LUZERN: Gäste kritisieren das neue Gütsch-Restaurant

Vier Monate nach der Eröffnung sieht sich der neue Küchenchef des Restaurants Gütsch mit zahlreichen nörgelnden Gästen konfrontiert. Was sagt er dazu?

Pascal Imbach
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Das Restaurant auf dem Gütsch. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Das Restaurant auf dem Gütsch. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Lange zwei Jahre musste man warten, bis das Restaurant auf dem Gütsch Ende Mai seine Pforten wieder öffnete. Das Luzerner Traditionslokal bekam einen komplett frischen Anstrich und mit Andreas Haseloh auch einen neuen Küchenchef. Der 35-Jährige und seine Crew haben bei den Gästen jedoch nicht nur einen guten Eindruck hinterlassen. Viele Besucher, die auf dem Gütsch eingekehrt sind, üben in renommierten Restaurant-Bewertungsportalen im Internet Kritik. Eine der grössten und bekanntesten Bewertungsseiten ist «Trip-Advisor». Hier schwärmen die Gäste zwar fast durchs Band von der fantastischen Aussicht und dem schönen Ambiente des Hauses, kulinarisch aber scheint noch viel Luft nach oben.

Der Champagner war «sauer und ungeniessbar», moniert ein Gast. Einem anderen stossen die «sehr kleinen Portionen» sauer auf. Und ein weiterer kritisiert: «Wir mussten 45 Minuten auf den Hauptgang warten», und dies zu allem Übel auch noch nach dem Genuss einer «versalzenen Suppe». Es sind nur drei Aussagen einer ganzen Reihe von Negativkritiken, die im Netz zu finden sind.

Lange Wartezeiten

Nun ist das natürlich so eine Sache mit (weitgehend anonymen) Internetbewertungen. Es finden sich bei jedem noch so guten Restaurant Gäste, die sprichwörtlich «das Haar in der Suppe suchen» – Zeitgenossen also, denen man es ohnehin nicht recht machen kann, Leute, die schon negativ voreingenommen in einem Lokal einkehren und ihre Kritik danach dann umso genüsslicher (online) verbreiten.

Wir sind deshalb selber im «Gütsch» eingekehrt und haben zudem Gäste nach ihrem Eindruck befragt, die neutral und der Redaktion persönlich bekannt sind und sich nicht hinter einem Internetprofil verstecken. Tatsächlich vermag das Haus mit seiner unnachahmlichen Lage auf der ganzen Linie zu begeistern. Das extravagante und bunte Interieur ist Geschmacksache, auf jeden Fall aber ist es sehr eigen (was in der grossen Masse von «Durchschnittsrestaurants» sicherlich kein Nachteil ist). In drei Punkten aber stimmen wir und die von uns befragten Leute den Kritikern im Internet zu.

Erstens: Es dauert bisweilen sehr, sehr lange. Wartezeiten von fast einer Stunde machen keinen guten Eindruck (sei es nun beim Hauptgang oder bei der Rechnung).

Zweitens: Anstatt die langen Wartezeiten charmant zu entschuldigen (oder gar mit einem liebevollen Häppchen aus der Küche zu überbrücken), machen einige Service-Mitarbeiter einen gestressten, bisweilen unfreundlichen bis genervten Eindruck.

Drittens: Für die stattlichen Preise des Restaurants (drei von fünf Vorspeisen kosten 24 bis 28 Franken; die sieben Fleisch-Hauptgerichte schlagen mit 46 bis 70 Franken zu Buche; Anm. d. Red.), sind die Portionen sehr knapp bemessen. Wer also hungrig ins Château kommt, der braucht neben Vorspeise und Hauptgang fast zwangsläufig noch eine der «Zwischenspeisen», die auf der Karte zu finden sind. Die Schlussrechnung wird somit fast zwangsläufig gesalzen.

Karte wechselt alle drei Monate

Nichtsdestotrotz: Küchenchef Andreas Haseloh ist mit den ersten vier Betriebsmonaten auf dem Gütsch zufrieden. «Wir hatten viele zufriedene Gäste und mehrheitlich sehr positives Echo.» Natürlich gebe es immer Dinge, die man noch verbessern könne, «das ist ja klar». Die Portionen etwa seien inzwischen schon deutlich grösser geworden. «Wir nehmen die Rückmeldungen unserer Gäste sehr ernst.» Und zu den teils sehr langen Wartezeiten und dem gestressten Personal sagt er: «So etwas kann halt hin und wieder vorkommen. Wir können in der Küche auch nur eine Bestellung nach der anderen abarbeiten – und das Servicepersonal ebenso.» Auch von der Auslastung her sei man zufrieden. «Am Abend haben wir über die ganze Woche hinweg gesehen 40 Gäste und am Mittag um die 20 Gäste. Positiv überrascht sind wir von Ausflüglern, welche beim Spazieren oder beim Wandern plötzlich bei uns im Hotel stehen und Kaffee und Kuchen zu sich nehmen.» Der Küchenchef will seine Gäste künftig alle zwei bis drei Monate mit einer neuen Speisekarte überraschen. Sein Ziel ist klar: Die Kritik, die es zurzeit noch gibt, soll möglichst bald verstummen.