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LUZERN: Geburt – viele Frauen sind verunsichert

Das einzige Luzerner Geburtshaus hat massiv ausgebaut. Trotz steigender Nachfrage ist das keine Selbstverständlichkeit: Andere Häuser mussten wegen des Hebammenmangels schliessen.
Lena Berger
Gebären mit Aussicht: Renate Ruckstuhl (links) vom Geburtshaus Terra Alta und Hebamme Martina Kaufmann (rechts) schauen mit Patricia Arnold und Töchterchen Elisa das neue Geburtszimmer an. (Bild Manuela Jans-Koch)

Gebären mit Aussicht: Renate Ruckstuhl (links) vom Geburtshaus Terra Alta und Hebamme Martina Kaufmann (rechts) schauen mit Patricia Arnold und Töchterchen Elisa das neue Geburtszimmer an. (Bild Manuela Jans-Koch)

Lena Berger

220 Kinder sind 2014 im Geburtshaus Terra Alta in Oberkirch zur Welt gekommen. Der bisherige Rekord ist nur die Spitze einer rasanten Entwicklung, die das Haus in den letzten zehn Jahren bis an die Kapazitätsgrenze gebracht hat. Zeitweise musste die Zahl der monatlichen Anmeldungen wegen der grossen Nachfrage beschränkt werden. Doch das ist jetzt vorbei: Mit drei zusätzlichen Wochenbettzimmern und einem zweiten Geburtsraum wurden die Räumlichkeiten fast verdoppelt. Gestern ist das Haus nach sieben Monaten Bauzeit offiziell wieder eröffnet worden.

«Genauso sicher wie im Spital»

Sichtlich stolz führt Co-Leiterin Renate Ruckstuhl durch die hellen Räume. Die Begeisterung für ihren Beruf ist bei ihr auch nach 30 Jahren als Hebamme noch deutlich spürbar. Fast wie Hotelzimmer wirken die Unterkünfte für die Wöchnerinnen und ihre Familien. Modern und schlicht, alle mit grossem Balkon. Gebären in der warmen Badewanne mit Blick auf die Berge – darauf ist man hier eingerichtet. «Ein schöner Geburtsraum ist kein Luxus», betont Renate Ruckstuhl. «Dass die Frauen sich wohl fühlen, ist eine wichtige Voraussetzung für eine natürliche Geburt.» Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, das ist ihr sehr wichtig. Denn: Ängste blockieren den Ablauf einer natürlichen Geburt. «Viele Frauen und Paare sind sehr verunsichert durch den medizinischen ‹Risikoblick› auf die Schwangerschaft – und weil sie im Internet lesen, was alles schiefgehen kann. Es ist unsere Aufgabe, ihnen zu vermitteln, dass in der Regel eine Geburt aus eigener Kraft zu schaffen ist.»

Doch natürlich ist man auch hier auf unerwartete Komplikationen vorbereitet: Das Spital in Sursee ist keine fünf Autofahrminuten entfernt. «Im Terra Alta zu gebären, ist genauso sicher wie im Spital – sonst würde ich hier nicht arbeiten», sagt Renate Ruckstuhl. Im Geburtshaus sein Kind zur Welt zu bringen, hat zudem den Vorteil, dass die Hebamme während des Geburtsvorgangs für die Mutter da sein kann. Wenn bei einer weiteren Frau die Wehen einsetzen, wird auch eine weitere Hebamme aufgeboten. In Spitälern dagegen kann es vorkommen, dass eine Hebamme gleichzeitig mehrere Frauen betreuen muss.

Dass dies möglich ist, ist aber alles andere als selbstverständlich. Vor noch nicht einmal drei Jahren musste das Geburtshaus Graubünden seinen Betrieb einstellen – obwohl es sehr gefragt war und finanziell gut dastand. Der Grund: Es wurden keine Geburtshelferinnen gefunden, um die 24-Stunden-Bereitschaft aufrechterhalten zu können. Ostschweizerinnen bleibt seither keine Alternative mehr zum Gebären im Spital.

Was macht das Geburtshaus Terra Alta anders? «Dass Hebammen den Frauen einen 365-Tage-Pikettdienst bieten, war zu meiner Zeit normal. Die junge Generation legt aber zu Recht grösseren Wert auf ein planbares Privatleben», sagt Renate Ruckstuhl. Bei Terra Alta hat man sich deshalb auf einen Kompromiss geeinigt, der die Philosophie des Hauses mit diesen Ansprüchen unter einen Hut bringen soll. Die Frauen werden während der Schwangerschaft und nach dem Wochenbett von «ihrer» Hebamme betreut, die sich als Freischaffende im Geburtshaus einmietet. Die Bereitschaftsdienste teilen sich die Geburtshelferinnen, indem jede ein Teilzeitpensum übernimmt. «So können wir eine persönliche Betreuung garantieren und gleichzeitig ein attraktiver Arbeitgeber sein», erklärt die Co-Leiterin.

Hebammen als Managerinnen

Die Teilpensen, die Abrechnungen für die Krankenkassen und die Einhaltung der Qualitätsansprüche stellen das Geburtshaus allerdings vor grosse organisatorische Herausforderungen. «Seit wir 2012 auf die Spitalliste aufgenommen wurden, ist der bürokratische Aufwand enorm gestiegen», räumt Renate Ruckstuhl ein. «Wir Hebammen werden zusehends zu Managerinnen.» Entsprechendes Geschick war auch nötig, um den Umbau zu finanzieren. «Dieser kostete über 2 Millionen Franken, die über Eigenmittel und Hypotheken aufgebracht werden mussten. Das war eine grosse finanzielle Herausforderung. Zum Glück haben sich die Banken von unserer Idee überzeugen lassen.»

Der Druck bleibt aber hoch. Wie in Spitälern wird auch in den Geburtshäusern über Fallpauschalen abgerechnet. Diese sind tiefer als in den Spitälern, denen immer mal wieder vorgeworfen wird, die Frauen früh zu entlassen, um Kosten zu sparen. «Das wollen wir nicht. Die Frauen sollen sich bei uns von der Geburt richtig erholen können. Der durchschnittliche Aufenthalt im Wochenbett dauert vier Tage. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Entlassung nach bereits drei Tagen heikel sein kann», sagt Ruckstuhl.

In der Zentralschweiz gibt es neben dem Terra Alta noch ein weiteres Geburtshaus in Stans. Dieses organisiert neben den Geburten in den eigenen Räumen auch Hausgeburten. Im vergangenen Jahr verzeichnete es rund 60 Geburten, ähnlich viele wie in den letzten Jahren.

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