LUZERN: Gedenkfeier für Schlacht von Sempach

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, sieht einen direkten Weg von der Schlacht von Sempach zur Gründung des IKRK. Das hat er am Sonntag an der Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach ausgeführt.

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Das Theater an der Gedenkfeier in Sempach, am Samstag, 28. Juni. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)

Das Theater an der Gedenkfeier in Sempach, am Samstag, 28. Juni. (Bild: Alexandra Wey / Keystone)

Eröffnet wurde die Gedenkfeier bereits am Samstagabend mit einem Mittelalterfest im Städtchen Sempach. Am Sonntag stand dann die Besinnung im Mittelpunkt, vorerst mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche, anschliessend mit dem offiziellen Festakt.

IKRK-Präsident Maurer betonte in seiner Festansprache, dass die Schlacht von Sempach kein Einzelereignis gewesen sei. Ihre historische Bedeutung werde erst wirklich erkennbar, wenn man sie zusammen mit dem Sempacher Brief von 1493 betrachte, sagte Maurer laut Redetext.

Der Brief verankere Regeln des Zusammenlebens zwischen den Orten. Aus heutiger Sicht sei er aber auch ein wichtiges Element der Entwicklung des Kriegsvölkerrechts in Europa. "Der Brief enthält Bestimmungen über Krieg und Frieden und gleichzeitig Regeln über das Verhalten im Krieg."

"Teil einer Universalgeschichte"

In diesem Sinne seien die Schlacht von Sempach und der Sempacher Brief für ihn wichtige Bezugspunkte in der Entstehungsgeschichte des humanitären Völkerrechts und der Beziehung von Politik, Recht und humanitärer Aktion.

Die Schlacht und der Brief seien bedeutsam, weil sie Teil einer Universalgeschichte der Menschheit seien, und weil andere ausserhalb der Schweiz die universelle Bedeutung anerkennen würden, betonte Maurer.

In seinen Augen führt ein direkter Weg von der Schlacht zu Henri Dunant und zur Schlacht von Solferino, deren Grausamkeit Dunant veranlasste, vor etwas mehr als 150 Jahren das IKRK zu gründen.

Dunants Genie habe nicht darin bestanden, die humanitäre Schweiz der Neuzeit zu gründen, sondern das Humanitäre als Politikbereich international zu verankern.

Verbindliche Normen

Dunant habe mit der Gründung des IKRK operationelle Kapazitäten für die humanitäre Hilfe bereitgestellt und mit der ersten Genfer Konvention völkerrechtlich verbindliche Normen geschaffen.

Maurer wies schliesslich auf die heutige Herausforderung der humanitären Arbeit hin, inmitten von Dilemmas zu navigieren. Er rief zu pragmatischer und lösungsorientierter Politik auf, "ohne Scheuklappen und Dogmen".

Es ist das vierte Mal, dass die Gedenkfeier nicht auf dem Schlachtfeld bei Sempach, sondern im Städtchen stattfand. Mit der Neukonzeption der Feier hatte der Kanton Luzern darauf reagiert, dass ab 2003 wiederholt Rechtsextreme mit auf das Schlachtfeld marschierten. 2009 führten junge Linke eine Gegendemonstration durch. (sda)