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LUZERN: Gefängnisseelsorger ist all seine Ämter los

Der Gefängnisseelsorger vom Grosshof, der wegen versuchter sexueller Handlungen verurteilt wurde, hat keine Missio mehr. Zudem darf er auch keine Sakramente mehr spenden – vorerst.
Das Gefängnis Grosshof in Kriens. Hier werden alle Telefonate von Personen in U-Haft aufgezeichnet. (Bild: Roger Grütter / LZ)

Das Gefängnis Grosshof in Kriens. Hier werden alle Telefonate von Personen in U-Haft aufgezeichnet. (Bild: Roger Grütter / LZ)

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Jetzt ist klar: Der im September rechtskräftig verurteilte katholische Seelsorger hat demissioniert und erhält von Bischof Felix Gmür keine Missio mehr. Dies teilte gestern das Bistum Basel mit. «Missio-Entzüge sind selten, weil die betroffenen Personen – wie in diesem Fall – meistens selber demissionieren und danach keine Missio mehr erhalten», sagt Bistumssprecher Hansruedi Huber. Unter Bischof Felix Gmür gab es noch keinen Missio-Entzug». Huber betont ausserdem, dass die meisten kirchlichen Mitarbeiter einen hervorragenden Job machen würden.

Der verurteilte Seelsorger, der unter anderem im Gefängnis Grosshof in Kriens tätig war, wurde Ende September wegen mehrfacher Begünstigung und versuchter sexueller Handlungen verurteilt (Artikel vom 26. September). Der in einer Luzerner Gemeinde wohnhafte Mann darf bis auf weiteres keine sakramentalen Handlungen wie Taufen, Hochzeiten und Gottesdienste durchführen, sagt Huber. Das Verbot werde nach einer gewissen Zeit durch den Bischof wieder überprüft, fügt der Bistumssprecher an.

Verhältnis mit den Seepfarreien beendet

Der Seelsorger war in einem 15-Prozent-Pensum im Grosshof angestellt. In der Strafanstalt Wauwilermoos hat der Mann nie gearbeitet. Neben seiner Tätigkeit im Gefängnis war er Diakonieverantwortlicher im Pastoralraum Seepfarreien (Greppen-Weggis-Vitznau). Auch dort wurde er nach dem rechtskräftigen Urteil vom Bistum sofort freigestellt. Nun, wo die Sanktionen klar sind, teilt der Gesamtkirchenrat des Pastoralraumes der drei Seegemeinden mit, man habe das Arbeitsverhältnis «einvernehmlich» aufgelöst. Über Details wurde Stillschweigen vereinbart.

Aufgrund dieses Falles hat man allerdings das Sicherheitskonzept in den Justizvollzugsanstalten – dem Grosshof in Kriens und dem Wauwilermoos in Egolzwil – geprüft. Das sagte Gino Lohri, stellvertretender Leiter der Dienststelle Militär, Zivilschutz- und Justizvollzug. Wo steht man heute? Lohri: «Die damals eingeleiteten Sofortmassnahmen – keine Einzelgespräche alleine mit weiblichen Gefangenen in deren Zellen – gelten weiterhin.» Darüber hinaus wurden keine neuen Massnahmen getroffen, so Lohri. Die Seelsorger können per Justizvollzugsverordnung im Paragraf 69 mit den Gefangenen frei verkehren. Will heissen: Gespräche zwischen Seelsorgern und Inhaftierten finden in deren Zellen statt und werden nicht überwacht. Die Stelle als Seelsorger konnte noch nicht neu besetzt werden. Die Neuanstellung eines katholischen Seelsorgers ist geplant, und der Rekrutierungsprozess wurde mit dem Bistum Basel eingeleitet. «Die seelsorgerische Betreuung wird weiterhin in Stellvertretung durch den reformierten Seelsorger übernommen.»

Seelsorger überbrachte geheime Botschaften

Rückblick: Der Diakon wurde wegen versuchten sexuellen Handlungen mit einer Insassin verurteilt. Er bot ihr an, für sie Bussen zu bezahlen, wenn er als Gegenleistung Sex erhalte. Aus dem Strafbefehl der Luzerner Staatsanwaltschaft, den unsere Zeitung Ende September einsehen konnte, geht hervor, dass es zwar nicht zum Sex gekommen ist, aber zu zwei Vorfällen, wobei der Seelsorger die Insassin an den Brüsten und an der Vagina «länger und intensiv» berührt hat. Diese Berührungen haben über den Kleidern stattgefunden. Zu mehr Intimität kam es nicht. Die Fälle haben sich Anfang 2015 ereignet.

Zudem hat der Mann während mehrerer Jahre eine nicht mehr bestimmbare Anzahl von ihm inhaltlich nicht bekannten Botschaften unter Untersuchungsgefangenen ausgetauscht. So unterlief er den behördlichen Briefkontakt. Damit konnten die Gefangenen in den Ablauf der Strafverfolgung eingreifen, was wiederum Beweisergebnisse verfälscht hat, weil die Aussagen der Gefangenen aufeinander abgestimmt werden konnten. Der 64-jährige Mann wurde für beide Tatbestände zu einer bedingten Strafe von 150 Tagsätzen à je 140 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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