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LUZERN: Gehen den Landwirten die Nachfolger aus?

Seit Jahren sinkt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe. Eine Übersicht über die Lage im Kanton Luzern.
Kilian Küttel
Die Gewerbegrenze für Bauernbetriebe soll im Kanton Nidwalden sinken. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Die Gewerbegrenze für Bauernbetriebe soll im Kanton Nidwalden sinken. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Sogar der bekannteste Schweizer Kinderfreund wollte einmal Bauer werden: Vom Einband des achten Buches der Serie lacht ein zufriedener ­Globi, der eine noch zufriedenere Kuh melkt. Alpenpanorama, Landluft, sein eigener Herr und Meister? Das Leben als Landwirt könnte so schön sein.

Doch die Realität ist eine andere: Seit Jahren sinkt die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe. Der wirtschaftliche Druck und der tiefe Milchpreis lasten auf den Schultern der Schweizer Bauern. Wie dramatisch die Entwicklung ist, zeigt ein Blick zurück: Wies das Bundesamt für Statistik für das Jahr 1990 landesweit noch über 70 000 Landwirtschaftsbetriebe aus, waren es 2015 nur noch 53 253. Im Lauf des letzten Jahres ging der Trend ungebrochen weiter: Insgesamt 990 Bauern gaben 2016 ihren Betrieb auf. Das entspricht einem Rückgang von 1,9 Prozent (Ausgabe vom 12. Mai).

Etwas weniger stark betroffen sind die Luzerner Bauern. Ende 2016 gab es im Kanton 4652 bewirtschaftete Höfe. Das sind zwar 39 weniger als noch 2015, der Rückgang beträgt aber nur etwa 0,8 Prozent – und ist damit weniger als halb so gross wie im Schweizer Durchschnitt. Dennoch bleibt auch die Luzerner Landwirtschaft nicht verschont. Woran liegt das? Stefan Heller, der Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes, erklärt: «Die Landwirte stehen zunehmend unter Druck, effizient zu arbeiten und die Produktivität zu steigern.» Kleine Höfe haben Mühe, im Markt zu bestehen, grössere Betriebe können wirtschaftlicher produzieren: je grösser die Fläche, desto kleiner die Kosten pro produzierter Einheit. Zudem gebe es auch Probleme mit der Nachfolge. Denn nicht immer wollen die eigenen Kinder den Hof übernehmen.

Die Durststrecke geht zu Ende

Nichtsdestotrotz ist der Beruf Landwirt so beliebt wie seit langem nicht mehr. In diesem Sommer werden voraussichtlich 139 Lehrlinge ihre Ausbildung abschliessen. Für Walter Gut, den Direktor des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung, ein Grund zur Freude. Und dies bedeutet das Ende einer langen Durststrecke: «Um das Jahr 1995 stellten wir einen Einbruch der Schülerzahlen fest. Der Tiefpunkt war im Jahr 2005.» Seither steigen die Zahlen wieder: «Mittlerweile sind wir wieder auf dem Stand der Neunzigerjahre.» Bauernvertreter Heller warnt derweil vor überschwänglicher Freude: «Erstens muss man sich bewusst sein, dass nicht alle Abgänger aus dem Kanton Luzern stammen. Und zweitens bleiben auch nicht alle ausgebildeten Landwirte auf dem Beruf.» Heller geht gar noch weiter – und spricht von Nachwuchsproblemen: «Die Menge an neuen Landwirten reicht nicht aus, um alle Betriebe zu versorgen – auch wenn es weniger werden.» Gehe man davon aus, dass eine Generation 30 Jahre lang wirke, brauche es pro Jahr 150 Nachfolger: «Werden dann noch jene Abgänger abgezogen, die nach der Ausbildung die Branche wechseln, wird der Mangel offensichtlich.»

Ähnlich klingt es von der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa). Thomas Meyer, der Abteilungsleiter Landwirtschaft, sagt auf Anfrage: «Zu viele Lehrabgänger hat es mit Sicherheit nicht.» Wie hoch der Anteil derjenigen sei, die nach der Lehre den Beruf wechselten, hänge aber immer auch von der Attraktivität und der Sogwirkung der übrigen Wirtschaft ab. Und: «Eine wichtige Rolle spielt auch die Wertschätzung, welche die Bevölkerung der Landwirtschaft entgegenbringt», so Meyer.

Doch sowohl Heller als auch Meyer stellen klar: Die Luzerner Landwirtschaft ist gut aufgestellt. Meyer: «Die hiesigen Betriebe gelten als innovativ und unternehmerisch.» Und Heller sagt: «Ich schätze die Leistungsfähigkeit als überdurchschnittlich ein.» Das zeige sich daran, dass Luzern rund 10 Prozent des gesamtschweizerischen Rohertrages in der Landwirtschaft beisteuere. Laut Meyer liegt der Gesamtproduktionswert der Luzerner Landwirtschaft bei knapp 1 Milliarde Franken pro Jahr: «Dieser Wert ist im landesweiten Vergleich sehr hoch.»

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

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