LUZERN: Gelber Riese hält kleine Läden über Wasser

Die Schliessung von Poststellen wird vielerorts kritisiert. Doch es zeigt sich: Die Umwandlung in Agenturen kann auch Vorteile haben – besonders für die Dorfläden.

Martina Odermatt
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In ihrem Dorflädeli hilft Beatrice Huber (rechts) einer Kundin bei der Einzahlung. (Bild: Nadja Schärli (Neudorf, 8. Juni 2017))

In ihrem Dorflädeli hilft Beatrice Huber (rechts) einer Kundin bei der Einzahlung. (Bild: Nadja Schärli (Neudorf, 8. Juni 2017))

Wer in Neudorf seine Päckli abholen oder einen Brief abgeben will, der geht nicht zur Post, sondern zu Bea’s Dorfladen. Seit gut fünf Jahren bietet Beatrice Huber in ihrem Dorflädeli auch Postdienstleistungen an, da die Poststelle schliessen musste.

Bis 2020 werden 16 weitere Poststellen im Kanton Luzern schliessen. Dies hat der Konzern kürzlich mitgeteilt (Ausgabe vom 3. Juni). Damit verschwindet gut ein Drittel der eigenbetriebenen Filialen von der Bildfläche. Gewerkschaften und die SP Luzern kritisierten deshalb auch die Luzerner Regierung scharf. Dies unter anderem, weil Bundesbern daran ist, dem Abbau der Poststellen entgegenzuwirken. Aktuell hat die Post im Kanton Luzern mehr Agenturen als eigenbetriebene Poststellen: 50 Filialen betreibt die Post im Moment mit sogenannten Partnern. Rund ein Drittel davon sind Volg-Läden.

Volg spricht von «Bereicherung»

Für die Mitarbeiter habe die Partnerschaft mit der Post Vorteile, sagt Volg-Sprecherin Tamara Scheibli. «Die Integration einer Postagentur stellt eine Bereicherung für den Arbeitsalltag dar.» Der Detailhändler profitiert derweil von höheren Frequenzen. «In der Regel führt eine Postagentur dazu, dass die Kunden dadurch ihren Dorfladen etwas häufiger besuchen. Zu wirklich grossen Umsatzsteigerungen führt eine Post im Dorfladen allerdings nicht.» Dennoch: Mittel- bis langfristig könne eine Postagentur dazu beitragen, die Existenz eines Dorfladens zu sichern.

Die Existenz des Dorfladens sichern. Um das geht es in vielen Dorfläden. Sie sind auf die Entschädigungen der Post angewiesen. Auch Ruchs Chäsilade in St. Erhard ist da keine Ausnahme.

Robert Ruch betreibt den Dorfladen Ruchs Chäsilade, seit bald sieben Jahren bietet er auch Dienstleistungen der Post an. «Das sichert uns gewissermassen das Überleben», sagt Ruch. Zu Beginn der Zusammenarbeit hoffte er noch, dass die Leute, die ihre Postgeschäfte bei ihm erledigen, auch noch einkaufen würden. Nach sieben Jahren sieht er die Situation etwas nüchterner. «Viele Kunden kommen nur, um ihre Post aufzugeben oder abzuholen, und verschwinden dann wieder.»

Die Konkurrenz bekommt Robert Ruch besonders zu spüren. Im nahe gelegenen Sursee ist das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten gross, auch die zwei grossen deutschen Discounter sind vertreten. «Ich bin ehrlich: Ohne Post hätte ich keine Existenz mehr.»

Ähnlich klingt es bei Bea’s Dorfladen in Neudorf, geführt von Beatrice Huber. «Der Kampf ums Überleben wäre ganz sicher härter, wenn ich die Dienstleistungen der Post nicht anbieten würde», erklärt sie.

Unterstützung durch Post ist individuell

Die Post selbst gibt keine Auskunft darüber, mit wie viel Geld sie die Agenturen unterstützt. Nur so viel: «Die Entschädigungen der Post werden anhand dreier Faktoren individuell festgelegt», so Markus Flückiger, Kommunikation Postnetz Mitte. Alle Partner erhalten von der Post eine fixe Basisentschädigung. Dazu kommt eine variable Entschädigung, die sich am Umsatz respektive der Menge der Transaktionen des Partners orientiert. Der dritte Vergütungsfaktor ist ein Bonus, der abhängig von der Erreichung verschiedener Qualitätskennzahlen ist.

Generell sieht sich die Post nicht in der Position der «Lädeli­retter». Aber: In einzelnen Fällen könne sicher dazu beigetragen werden, dass ein Dorfladen erhalten bleibt.

«Das Postgeschäft muss für den Partner ein zweites, ergänzendes Standbein sein und kann nicht ein fehlendes Hauptgeschäft ersetzen», so Flückiger.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Sicherheitsrisiko? Post dementiert

Postagenturen  Dass viele Läden nun auch Dienstleistungen der Post anbieten, führt auch zu sicherheitsrelevanten Fragen. Wer bis anhin in eine Postfiliale marschierte, kommunizierte mit den Mitarbeitern in den meisten Fällen durch eine Trennscheibe. Bei den Agenturen ist dies nicht mehr der Fall. Aber: «Beim Partnermodell gehören Bareinzahlungen aus Sicherheitsgründen nicht zum Angebot», sagt Post-Sprecher Markus Flückiger. Volg-Sprecherin Tamara Scheibli hat bezüglich der Sicherheit der Mitarbeiter keine Bedenken: «Das Konzept ist grundsätzlich auf Selbstbedienung ausgerichtet. Ein Schalter mit Glas ist somit nicht nötig.» Die Agenturführer Robert Ruch aus St. Erhard und Beatrice Huber aus Neudorf haben bezüglich Sicherheit ebenfalls keine Bedenken. «Ein Überfall könnte mir auch passieren, wenn ich keine Postdienstleistungen anbieten würde», sagt Beatrice Huber. (mod)