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LUZERN: Geld stinkt – zumindest für Notengeldspürhund Bella

Ob eingenäht in der Matratze oder verborgen zwischen Buchdeckeln: Bella findet jedes Geldversteck. Die sechsjährige Schäferhündin ist der erste Notengeldspürhund der Luzerner Polizei.
Franz-Xaver Häfliger mit seinem Notengeldspürhund Bella. (Bild: Nadia Schärli (Sempach, 10. Januar 2018))

Franz-Xaver Häfliger mit seinem Notengeldspürhund Bella. (Bild: Nadia Schärli (Sempach, 10. Januar 2018))

«Wo isch’s Batzeli?» Auf dieses Kommando hat Bella gewartet. Sie stürmt los und drückt ihre Nase in jede Ritze der zehn Meter langen Holzwand, an welche sie Polizist Franz-Xaver Häfliger (59) geführt hat. Zu hören ist ein leises, schnelles Schnüffeln, die Rute wedelt hin und her. Sekunden später schnellt Bellas Kopf nach oben, und ihre Nase berührt einen Metallkasten. Der Hund schnuppert nochmals intensiv daran und setzt sich hin. Tatsächlich. Im Kasten sind vier Banknoten versteckt. Zur Belohnung wirft der Hundeführer Bella einen Tennisball zu, den sie mit erhobenem Kopf umherträgt.

Ein bisschen Spass muss sein

Die Suche ist nur eine Übung. Sie findet am Standort des Diensthundewesens der Luzerner Polizei in Sempach statt, wo Polizist Franz-Xaver Häfliger und seine Bella trainieren – zusammen mit anderen Diensthunden der Polizei. Das «Suchspiel» funktioniert aber auch im Ernstfall. Das hat das Team mehrfach bewiesen. Etwa wenn es bei einer Hausdurchsuchung gilt, Drogengeld zu finden. Mit dem Kommando «Wo isch’s Batzeli?» führt er seinen Hund systematisch durch das Schlafzimmer der Person. Auf der Kommode stehen über ein Dutzend Taschen. Bella schnüffelt intensiv an einer dieser Taschen und setzt sich hin. 800 Franken befinden sich darin. Trotz Ernsteinsatz fliegt der Spielball, den die Hündin über alles liebt. Dann geht die Suche weiter. Innert 20 Minuten findet Bella in Verstecken 30 000 Franken.

Menschennasen haben fünf bis sechs Millionen Riechzellen. Trotzdem haben wir keine Chance, Geld zu riechen. Ein Schäferhund jedoch verfügt über 220 bis 250 Millionen Riechzellen, mit denen er selbst kleinste Geruchspartikel herausfiltern kann. Dem Hund beizubringen, versteckte Geldnoten zu suchen, ist trotzdem eine Herausforderung. Unterstützung erhielt der Luzerner Polizist Franz-Xaver Häfliger von seinen Zürcher Kollegen, die bereits drei Notenspürhunde ausgebildet haben. Und selbst die Nationalbank half mit, indem sie der Polizei das Grundmaterial von Banknoten zur Verfügung stellte. «Ich habe den Hund auf drei verschiedene Gerüche ­konditioniert», sagt Häfliger. «Einerseits auf das unbedruckte, unbehandelte Notengeldpapier, andererseits auf das gewachste Papier und schliesslich auf die spezielle Druckerfarbe.» Diese drei Elemente geben ein spezifisches Geruchsbild, das sich beispielsweise von einer Zeitung oder einem Buch unterscheidet.

Unzählige Male füllte Franz-Xaver Häfliger Notengeldschnipsel mit oder ohne Druckerfarbe in kleine Plastikröhrchen, die mit Luftlöchern versetzt sind. Anfänglich warf er sie in den Garten, Bella brachte sie zurück, inhalierte dabei den spezifischen Geldgeruch und erhielt eine Belohnung. Dann versteckte er sie im Wald, im Keller, in der Garage, auf dem Parkplatz, im Büro. «Aber nicht 20 Mal am Tag dieselbe Übung. Man muss die Situationen stets verändern, damit die Suche für den Hund interessant bleibt und er Spass daran hat.» Irgendwann kam der Tag der Wahrheit. Josef Käch, technischer Leiter Diensthundewesen, versteckte in einem Raum einige Banknoten ohne Röhrchen. Bella fand das Geld und bewies, dass sie ihre neue Aufgabe verstanden hat. Nun folgte der Feinschliff, insbesondere das korrekte Anzeigen. Und im letzten Frühling krönte das Hundeteam die gut einjährige, intensive Übungszeit mit der bestandenen Einsatzprüfung. Doch die Arbeit ist nie abgeschlossen. Auch heute trainieren Häfliger und Bella zwei bis drei Mal wöchentlich.

Schweizweit stehen den Polizeikorps erst sieben ausgebildete Notengeldspürhunde zur Verfügung – drei im Kanton Zürich, zwei im Kanton Bern, einer in Basel-Stadt und mit Bella nun auch einer im Kanton Luzern. Doch weshalb braucht die Polizei im Digitalzeitalter überhaupt einen Notengeldspürhund? «Wir denken an Delikte in der Wirtschaftskriminalität, bei welchen Bargeld sichergestellt werden muss», sagt Josef Käch, technischer Leiter Diensthundewesen. «Denkbar sind auch andere Einsätze, beispielsweise wenn eine verstorbene Person möglicherweise Geld versteckt hat.» Für Josef Käch ist klar: «Wir konnten dank Notengeldspürhund bereits erste Erfolge verbuchen, und es werden noch mehr folgen. Davon bin ich trotz Digitalzeitalter überzeugt.»

Arbeiten macht glücklich

Abgesehen von ihrem «Job» als Notengeldspürhund lebt Bella wie andere Hunde auch. Nach der Arbeit geht sie mit Herrchen nach Hause. Sie liebt es, abends in der Stube zu faulenzen oder am Wochenende mit Franz-Xaver Häfligers Frau eine Joggingrunde zu drehen. Ein Schosshund ist sie trotzdem nicht. «Ein Hund soll kein Spielzeug sein. Er braucht eine Aufgabe, die ihn auslastet», so Häfliger. «Bei der Sucharbeit kann Bella ihre angeborenen Fähigkeiten einsetzen, und das macht sie zufrieden.» Und den Hundeführer offensichtlich auch.

Astrid Bossert Meier

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

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