Luzern
Mehr Geld für regionale Kultur – doch Südpol, Kleintheater & Co. warten weiter auf eine Lösung

Sechs Luzerner Gemeinden sind wieder im Boot, wenn es um die Förderung von Kulturprojekten geht. Damit sind aber nicht alle Probleme gelöst. Die IG Kultur spricht von einem «fragilen Zustand».

Simon Mathis
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Die Kulturförderung in der Region Luzern hat schwierige Jahre hinter sich: Mehrere Gemeinden sind aus der Regionalkonferenz Kultur (RKK) ausgetreten, was den Geldfluss ausdünnte und eine Reform des Fördermodells nötig machte.

Luzern plus erzielt einen ersten Erfolg

Dieser anspruchsvollen Aufgabe hat sich der regionale Entwicklungsträger Luzern plus angenommen – und kann nun einen ersten Erfolg verbuchen. Sechs Gemeinden wurden teilweise wieder ins Boot zurückgeholt: Adligenswil, Ebikon, Greppen, Inwil, Udligenswil und Vitznau. Alle diese Gemeinden waren in den vergangenen Jahren von der RKK abgesprungen. Nun stellen sie ab 2022 wieder Geld für Projektbeiträge im Kulturbereich zur Verfügung.

Auch das Comic-Festival Fumetto gehört zu den Empfängern von Strukturbeiträgen.

Auch das Comic-Festival Fumetto gehört zu den Empfängern von Strukturbeiträgen.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2019)

In einer Mitteilung spricht Luzern plus von einem «Zeichen für die solidarische Kulturförderung». Konkret funktioniert das so: Für einzelne Projekte können Künstlerinnen und Künstler bei der Regionalkonferenz Kultur (RKK) Fördergelder beantragen. Dafür zahlen Gemeinden und Kanton jährlich rund 500'000 Franken. Mit ihrem Wiedereinstieg beteiligen sich die sechs genannten Gemeinden wieder daran und stärken damit auch ihre eigenen Kunstschaffenden. Denn nur wer in einer Zahler-Gemeinde wohnt, darf ein Fördergesuch stellen.

Problem: Immer weniger Gemeinden zahlen an die Kulturhäuser

Doch auf sicheren Beinen steht die regionale Kulturförderung damit noch nicht. Denn die genannten Gemeinden bezahlen zwar neuerdings wieder Geld an einzelne Kulturschaffende, beteiligen sich aber weiterhin nicht an den Strukturbeiträgen an mittelgrosse Kulturhäuser. Dazu gehören beispielsweise Südpol, Kleintheater oder das Museum Bellpark. Die RKK fördert diese mit 500'000 Franken pro Jahr. Diesen Betrag müssen die wenigen in der RKK verbliebenen Gemeinden selber berappen. Auch der Kanton zahlt hier nicht.

Die grössten Bezüger von Strukturbeiträgen in Luzern

Jährlich, in Franken
Kulturbetrieb Strukturbeitrag
Kleintheater Luzern155’000
Südpol Luzern65'000
Museum Bellpark Kriens44'000
Fumetto Comixfestival Luzern40'000
IG Kultur Luzern30'000
Kunstplattform Akku Emmen30'000
Kunsthalle Luzern24'000
Werkverein Bildzwang Luzern15'000
Stattkino Luzern14'500
Auch das B-Sides bezieht Strukturbeiträge. Im Bild: der Auftritt von Kae Tempest 2019.

Auch das B-Sides bezieht Strukturbeiträge. Im Bild: der Auftritt von Kae Tempest 2019.

Bild: Manuela Jans-Koch (13. Juni 2019)

Mitfinanzierung durch Kanton «vielleicht unabdingbar»

Wenn es nach SP-Kantonsrätin Helene Meyer-Jenni geht, würde sich das ändern. Sie forderte die Kantonsregierung per Postulat auf, einen «eigenen finanziellen Beitrag» an die Strukturbeiträge zu leisten. Diesem Vorschlag steht der Regierungsrat skeptisch gegenüber. Denn was die Kulturförderung betrifft, besteht eine historisch gewachsene Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden: Während der Kanton an die grossen Kulturbetriebe wie KKL, Kunstmuseum oder Verkehrshaus zahlt, sind die Gemeinden für die mittelgrossen Betriebe zuständig. Eine Ausnahme bildet hier die Stadt Luzern, welche nicht nur die mittleren, sondern auch die grossen Kulturbetriebe massiv unterstützt – künftig sogar noch stärker als bisher. Zurzeit zahlt die Stadt Luzern 30 Prozent an die Kosten der grossen Kulturbetriebe, der Kanton 70 Prozent. Bald schon wird die Stadt 40 Prozent stemmen – und der Kanton nur noch 60 Prozent.

Gianluca Pardini.

Gianluca Pardini.

Bild: PD

Zurzeit arbeitet der Kanton Luzern eine Lösung für die Strukturbeiträge aus. Da sich niemand um die Finanzierung reisst, ist das alles andere als einfach. So äussert sich denn auch die IG Kultur Luzern, die ebenfalls Strukturbeiträge erhält, mit gemischten Gefühlen zu den neuesten Entwicklungen. «Die Stärkung der Projektförderung ist sicherlich ein wichtiger Schritt», sagt Gianluca Pardini, Geschäftsleiter der IG Kultur und Stadtluzerner SP-Grossstadtrat.

«Die grosse Baustelle ist jedoch der fragile Zustand der regionalen Strukturförderung – hier braucht es in naher Zukunft eine tragfähige Lösung.»

Auch er bringt eine Mitfinanzierung durch den Kanton Luzern ins Spiel: eine solche werde «vielleicht unabdingbar». Denn wenn die Förderung durch die Gemeinden zerbröckle, müssten die rund 20 Kulturhäuser irgendwie finanziert werden. Pardini moniert, dass die Regierung zurzeit tatenlos bleibe. «Es würde schon helfen, wenn der Kanton eine Absicht erklären würde. Viel länger darf er nicht zögern.»

Luzern plus will gesetzliche Verankerung der Kulturförderung

André Bachmann.

André Bachmann.

Bild: PD

Luzern-plus-Präsident André Bachmann glaubt, dass vor allem eine gesetzliche Verankerung von Projekt- und Strukturbeiträgen essenziell sei. «Wenn Gemeinden den Gürtel enger schnallen müssen, ist der Spielraum nicht zweckgebundener Ausgaben sehr eng», erläutert er. «Da kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen, dass sie dort sparen, wo sie Handlungsspielraum haben.» Bachmann betont aber auch, dass die regionale Kulturförderung ein wichtiges Standbein für die sozialräumliche Entwicklung sei.

«Der Ausbau von Infrastruktur allein genügt nicht, die Räume müssen auch mit Leben gefüllt werden – und das macht unter anderem die Kultur.»

Der kantonale Kulturbeauftragte Stefan Sägesser schreibt auf Anfrage, dass die Gespräche in der Arbeitsgruppe zur Strukturförderung in «konstruktiver Atmosphäre» verlaufen. Eine Botschaft zum neuen Fördermodell werde dem Kantonsrat voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2022 vorgelegt. Letztlich entscheide das Parlament, ob sich der Kanton an den Strukturbeiträgen beteiligt.

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