LUZERN: Gemüse mag keine Minustemperaturen

Die Kälte fordert ihren Tribut. Viele Standplätze bleiben deshalb am Wochenmarkt entlang der Reuss unbesetzt. Trotzdem: Ein Besuch lohnt sich alleweil, denn das Angebot ist nirgends so regional und saisonal.

Sandra Monika Ziegler
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Anna Moos am Wochenmarkt mit frischem Gemüse vom Biohof Widacher in Malters. (Bild: Roger Grütter (Luzern 24. Januar 2017))

Anna Moos am Wochenmarkt mit frischem Gemüse vom Biohof Widacher in Malters. (Bild: Roger Grütter (Luzern 24. Januar 2017))

Die aktuellen Minustemperaturen fordern am Wochenmarkt von Kunden wie Verkäufern einiges ab. Wer nicht aus einem Wagen seine Ware verkauft, der hat seinen Stand unter ein beheiztes Zelt gestellt oder gleich ganz eingepackt. Im Zelt verkauft Anna Moos Produkte vom Biohof ­Widacher in Malters: «Das Gemüse darf nicht für längere Zeit unter null Grad haben, und für uns und die Kunden ist es auch angenehmer, wenn wir ein bisschen aufheizen.» Sie und ihr Team bieten ein breites Sortiment an biologisch angebautem Gemüse an.

Meist stammt das Gemüse aus Eigenproduktion, ein kleiner Teil werde jedoch aus ausländischen, zertifizierten Bioanbaubetrieben angekauft. Die Herkunft ist jeweils klar deklariert. «Wir passen unser Angebot den Kunden an. Was wir selber produzieren können, machen wir, anderes beziehen wir oder nehmen es aus unserem Lager.»

Keine Erdbeeren im Winter

Doch nicht alle Wünsche werden erfüllt. «Wer jetzt schon Erdbeeren will, der muss zu Aldi», stellt Moos klar. Sie ist sichtlich stolz auf das attraktiv ausgelegte Angebot: «So eine schöne Auslage findet man dort aber nicht.»

Aber wer kommt eigentlich an solch bitterkalten Tagen zum Einkaufen an die Reuss? Moos: «Das sind meist Stammkunden. Männer wie Frauen, Mütter wie Pensionierte.» Moos verkauft seit gut 40 Jahren an der Reuss. Würden die Temperaturen jedoch auf minus 20 Grad sinken, dann würden auch sie daheim bleiben. Doch das sei bisher noch nie der Fall gewesen.

Heikel ist die bittere Kälte jedoch für die Blumen, deshalb bleiben diese Stände dem Wochenmarkt im Winter meist fern. Mit einer Ausnahme: Der Familienbetrieb Pfrunder verkauft seine Weggiser Rosen auf der Seite der Jesuitenkirche jahrein, jahr- aus, und das seit bald 50 Jahren. Im Winter kältegeschützt unter einem Zelt.

Nicht alle Marktfahrer verfügen über eine solch kälteresistente Infrastruktur. Dies ist mitunter ein Grund, warum diverse Standplätze leer bleiben. Zum Erscheinen kann niemand gezwungen werden. Der Platz wird für das ganze Jahr bezahlt. Dennoch wäre es für die Standbetreiber wie auch für die Kunden spannender, wenn sich einige mehr in die Kälte wagten. Franz Krummenacher steht mit seinen Produkten vom Hofladen Trüllental aus Daiwil bei Willisau Unter der Egg und braucht kein Zelt: «Wenn man Fleisch verkauft, hat man im Winter einen Vorteil.» Auch er kann im Winter auf Stammkundschaft zählen, viele aus der Stadt, andere aus der Agglomeration. So etwa Rita Kupferschmied aus Adligenswil: «Seit gut 20 Jahren kaufe ich hier ein. Ich habe schon alles durchprobiert.» Und die Kundin nebenan ergänzt: «Man kann hier kaufen, was man will, es ist alles gut.»

«Dem Suppenhuhn macht die Kälte nichts aus»

Am Stand der Familie Bürgisser gibt es Napffleisch zu kaufen. Die Bürgissers betreiben ein Schlachthaus und eine Zerlege­rei in Daiwil und die Dorfmetzg in Menznau. «Unser Sohn hat den Betrieb übernommen, ich und mein Mann sind am Markt», sagt Margrith Bürgisser. Derweil will eine Kundin ein Suppenhuhn. «Wollen Sie den Kopf und die Füsse abgeschnitten?», fragt Hermann Bürgisser. «Ja und bitte halbieren», antwortet die Kundin. Bürgisser greift zum Hackbeil und zerlegt das Huhn. «Unsere Familie ist bereits in der vierten Generation im Metzgerberuf und seit 104 Jahren auf dem Luzerner Markt», erzählt er. Früher, da seien vor allem Suppenhuhn, Gitzi, Küngel und auch Tauben verkauft worden. Doch heute wolle niemand mehr Tauben. Diese müsse man trocken ausschlagen, und das habe jeweils enorm Staub abgesetzt. «Das hat mir auf die Atmung geschlagen, das mache ich nicht mehr.» Punkto Kälte vermerkt er trocken: «Für Fleisch sind diese Temperaturen kein Problem. Und dem Suppenhuhn macht die Kälte auch nichts aus, das kommt ja eh bald in den heissen Topf.»

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Der Wochenmarkt in Luzern ist jeweils am Dienstag und Samstag entlang der Reuss, samstags auch im Helvetiagärtli.