LUZERN: Gericht muss Todesumstände eines Millionärs klären

Eine Ärztin, die ihrem krebskranken, 22 Jahre älteren Gatten nicht geholfen haben soll, ist vor dem Kriminalgericht Luzern gestanden. Die Staatsanwältin forderte eine mehrjährige Freiheitsstrafe, die Beschuldigte sieht sich als Opfer in einem Erbstreit.

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Das Kriminalgericht des Kantons Luzern verurteilte den Stalker zu einer Gefängnisstrafe. (Bild: Pius Amrein)

Das Kriminalgericht des Kantons Luzern verurteilte den Stalker zu einer Gefängnisstrafe. (Bild: Pius Amrein)

Der 69-jährige Mann, ein Kunstmaler und millionenschwerer Spross einer deutschen Industriellenfamilie, war im Sommer 2008 in ein Spital in Luzern eingeliefert worden und nur wenige Tage später an den Folgen eines Lungenkrebses gestorben. Zwei Kinder des Mannes aus einer früheren Ehe wurden wegen des für sie überraschenden Todes misstrauisch und legten 2011 Privatklage ein.

Die Staatsanwältin warf der Witwe vor, ihren Mann in den letzten Wochen seines Lebens im Stich gelassen zu haben. Als Gattin und Ärztin wäre es ihre Pflicht gewesen, sich ihrem hilflosen Mann anzunehmen. Sie habe ihn stattdessen nicht umfassend medizinisch abklären lassen und damit wohl seine Lebenszeit verkürzt.

Die Staatsanwältin forderte für die Beschuldigte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon ein Jahr unbedingt, weil sie ihren Gatten der Lebensgefahr ausgesetzt habe. Allenfalls solle sie das Gericht der eventualvorsätzlichen Tötung durch Unterlassung zu sechs Jahren verurteilen.

Raschen Tod angestrebt

Für den Anwalt der Kinder hat sich die Frau der vorsätzlichen Tötung schuldig gemacht. Die Ärztin habe schon Wochen vor dem Spitaleintritt eine schwere Erkrankung erkennen müssen, sagte Urs Rudolf. Sie habe aber den Tod ihres Gatten angestrebt und diesen mit falschen Diagnosen hingehalten, um rasch an das Vermögen zu gelangen.

Die heute 55-jährige Beschuldigte sagte vor Gericht, ihrem Mann sei es in den letzten drei Lebensmonaten «wunderbar» gegangen. Sie habe bei ihm keine schwerwiegende Erkrankung erkannt, sie sei aber auch nicht seine Ärztin gewesen.

Die Frau, die seit 2005 nicht mehr praktiziert, sondern eine IV-Rente bezieht, bezeichnete sich als Opfer der Kinder ihres Mannes. «Es geht nur ums Geld», sagte sie. Die Vorwürfe seien absurd, man wolle sie mit allen Mitteln erbunwürdig machen.

Hilfsbereite Frau

Die Beschuldigte sei eine Frau, die helfe, und die immer wieder Einsätze für Médecins Sans Frontières geleistet habe, aber keine Frau, die Hilfe verweigere, sagte ihr Verteidiger Christoph Hohler. Er forderte für seine Mandantin einen Freispruch.

Die Verteidigung rückte das Haushälterehepaar ins Zentrum. Dieses hatte von Streitereien zwischen den Eheleuten berichtet und von gesundheitlichen Problemen des Mannes. Für die Verteidigung sind die Zeugen aber unglaubwürdig. Weil sie sich mit der Beschuldigten zerstritten hätten, hätten sie sich von den Kindern des Verstorbenen leicht instrumentalisieren lassen.

Die Verteidigung führte zahlreiche Aussagen von Bekannten an, die keine Krankheitssymptome wie Husten oder Atemnot bemerkt hätten. Der Verstorbene sei in den letzten Lebensmonaten zudem sehr aktiv gewesen.

Nicht gelten liess der Verteidiger das amtliche medizinische Gutachten zu dem Fall. Dieses stütze sich ebenfalls auf die Aussagen des Haushälterehepaares und gehe von einem unzutreffenden Sachverhalt aus. Der Gutachter sei offensichtlich überfordert gewesen.

Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich den Parteien bekanntgegeben.

sda