LUZERN: Gesucht: Rüüdige Touristen

Einheimische sollen sich als Touristen verkleiden und die Fasnacht überrennen. Hinter dieser Idee stecken zwei Fasnächtler. Luzern Tourismus ist begeistert.

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Als Touristen verkleidete Luzerner Fasnächtler hat es an der Luzerner Fasnacht immer wieder gegeben, hier ein Beispiel aus dem Jahr 2001. (Archivbild Neue LZ)

Als Touristen verkleidete Luzerner Fasnächtler hat es an der Luzerner Fasnacht immer wieder gegeben, hier ein Beispiel aus dem Jahr 2001. (Archivbild Neue LZ)

Chinesen sitzen in Gruppen am Schwanenplatz und warten, bis die Schmuck- und Uhrengeschäfte ihre Türen öffnen. Amerikaner sprechen einen vor dem Löwencenter an und fragen: «Where is the Lion Monument?» Japaner schiessen unzählige Selfies vor der Kapellbrücke in Luzern. Solche Szenen kann man täglich in der Stadt Luzern erleben stets aus Sicht des Gastgebers.

Die Luzerner Fasnacht kehrt das Ganze nun um: Heuer sollen die Einheimischen selber in die Rolle der Touristen schlüpfen. «Die Fasnacht 2015 soll eine andere Form erhalten», sagt Bruno Gisi von der Luzerner Maskenliebhabergesellschaft (MLG). Er hat zusammen mit Beat Felder von der Ebikoner Guuggenmusig Ronfäger ein Mitmachprojekt bei den Organisatoren des Gästivals eingereicht. Ihr Ziel: Möglichst viele Fasnächtler sollen dieses Jahr verkleidet als Touristen auf die Gasse gehen.

Gästival: Mitmachprojekte

Die Zentralschweiz feiert dieses Jahr ihre 200-jährige Tourismusgeschichte. Zu diesem Zweck haben sich die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden zu einem Trägerverein zusammengeschlossen, eben dem Gästival. Dieses will das ganze Jahr über diverse Veranstaltungen und Projekte im Zeichen der Gastfreundschaft durchführen. Unterstützt wird das Gästival vom Bund und von Privaten. Eine Mitmachkampagne für die Bevölkerung ist ein wesentlicher Teil des Jubiläumsjahres.

Laut Stefan Ragaz, Mediensprecher des Gästivals, braucht Luzern solche Projekte: «Wir müssen im Bereich der Gastfreundschaft Sensibilisierungsarbeit leisten.» Ragaz erklärt, dass nur 78 Prozent der Touristen in Luzern mit der Gastfreundschaft zufrieden seien. «Da ist noch Luft nach oben», sagt er.

Die zwei Fasnächtler stemmen mit ihrem Fasnachtstouristen-Aufruf eines von rund 80 Projekten im Rahmen des Gästivals. Mehr als 160 Anfragen für Mitmachaktionen sind bei den Gästival-Organisatoren eingegangen. «Bruno Gisi und Beat Felder haben eine originelle Idee für die Umsetzung der Gastfreundschaft eingereicht», lobt Stefan Ragaz.

«Kurkonzert» in der Münzgasse

Auch die Guuggenmusigen sehen das offenbar so, denn bereits haben sich 40 Formationen für ein «Kurkonzert» in der Münzgasse in der Luzerner Altstadt angemeldet. Dort wollen sie die Fasnachtstouristen kakofonisch unterhalten. Die Münzgasse soll zur Touristen-Hochburg der Fasnacht, quasi zum «rüüdigen Tourist-Office» werden.

Die rüüdigen Touristen sollen unter anderem auch virtuell geführt werden, mittels Social-Media-Kanälen im Internet, sagt Gisi. Als Ideen sind ein Flashmob, ein Selfie-Fotomat, ein Foto-Marathon, eine Handy-Ladestation für Touristen und ein interaktiver Fasnachtsstadtplan mit den Hotspots in der Pipeline (Internet: www.fasnacht2015.ch) vorgeschlagen.

Dass aussergewöhnliche Projekte inmitten der närrischen Tage mobilisieren können, hat schon die Fasnacht 2008 bewiesen: Damals beteiligten sich über 70 Guuggenmusigen, Zünfte und Gesellschaften an der Aktion «JoDuFäscht», um das Eidgenössische Jodelfest vom damaligen Sommer fasnächtlich vorzubereiten.

Auch Hotels profitieren

Mit dem diesjährigen Projekt sollen auch echte Touristen in den Fasnachtsbann gezogen werden. Neben dem Gästival dürfte das auch die Luzerner Hotels freuen. «Die Fasnacht ist für uns eine sehr wichtige Zeit», bestätigt Clemens Hunziker, Direktor des Hotels Schweizerhof in Luzern. Man sei über die Fasnachtstage jeweils ausgebucht, so Hunziker. In dieser Zeit, die eigentlich zur Nebensaison gehört, treffe man allerdings weniger internationale Gäste. Hunziker: «Wir haben in der Fasnachtszeit viele Zentralschweizer Gäste und teils auch kleine Fasnachtsformationen, die sich hier einquartieren, um hautnah an der Fasnacht zu sein.» Internationale Gäste kämen nicht primär wegen der Fasnacht. «Wenn Gäste aus dem Ausland an der Fasnacht hier sind, dann ist das eher Zufall», so der Hoteldirektor.

Auch Luzern Tourismus findet gemäss Sprecherin Sibylle Gerardi die Idee mit den als Touristen verkleideten Luzernern lustig. Fasnacht sei für den Luzerner Tourismus mehr als Konfetti und laute Musik, so Gerardi. Sie erklärt: «Diese traditionelle Veranstaltung hat für den Tourismus einen hohen Stellenwert, da wegen ihr auch viele Auswärtige nach Luzern strömen.»

Yasmin Kunz