LUZERN: Gewinnwarnung von Schmolz+Bickenbach

Der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach hat seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zurückgenommen. Die Ergebnisaussichten für das zweite Semester trübten sich weiter ein, warnte das Unternehmen die Anleger am Dienstag.

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Der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach weist die Anleger auf einen unerwartet tiefen Gewinn hin. (Bild: KEYSTONE/SIGI TISCHLER)

Der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach weist die Anleger auf einen unerwartet tiefen Gewinn hin. (Bild: KEYSTONE/SIGI TISCHLER)

Vor allem wegen einer schwächeren Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie seien die Auftragseingänge, die Absatzmenge sowie die Umsatzerlöse rückläufig. Auf dem Ergebnis lasteten zudem Bestandesabwertungen wegen der gesunkenen Rohmaterialpreise. Schmolz+Bickenbach verweist hier auf die Auswirkungen der Abkühlung der chinesischen Wirtschaft.

In diesem Umfeld erwartet das von Clemens Iller geführte Unternehmen nicht mehr, das in Aussicht gestellte operative Ergebnis (EBITDA) von 190 bis 230 Mio. Euro erreichen zu können. Schmolz+Bickenbach prognostiziert nun noch ein EBITDA von rund 160 bis 180 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr war das bereinigte EBITDA um 12 Prozent auf 117,5 Mio. Euro gesunken, unbereinigt betrug es 112,5 Mio. Euro.

Sparmassnahmen

Um den gegenläufigen Marktentwicklungen zu begegnen, leitet das Unternehmen zusätzlich zum bereits bestehenden Ergebnisverbesserungsprogramm weitere Massnahmen ein.

Von der Ausweitung würden alle Geschäftsbereiche des Stahlkochers betroffen sein, kündigte Finanzchef Matthias Wellhausen in einer Telefonkonferenz an. Allerdings sei auf der Produktionsseite nicht mehr viel Spielraum.

Eine Massnahme sei, die Produktion verstärkt von der Schweiz nach Deutschland zu verlagern. Insgesamt werde das Management sowohl kurzfristig als auch mittelfristig ausgerichtete Schritte unternehmen, erklärte Wellhausen, ohne diese genauer zu spezifizieren. Man werde die Effizienz weiter steigern.

Zu den Belastungen zählte Wellhausen an erster Stelle die wirtschaftliche Entwicklung in China, die stark auf den Markt drücke. Diese Unsicherheit führe bei vielen Kunden dazu, dass sie eine abwartende Haltung einnehmen würden. «Es ist in diesem Umfeld schwer zu sagen, wann genau die Nachfrage wieder deutlich anziehen wird.»

Aktie taucht

Die Gewinnwarnung schickte die Aktie des Unternehmens auf Talfahrt. Bis gegen Mittag tauchte das Papier an der leicht schwächeren Schweizer Börse um 4,4 Prozent ab, nachdem es zeitweise um über 7 Prozent im Minus gelegen hatte. Die Aktien des Stahlherstellers haben seit Jahresbeginn um 37 Prozent an Wert verloren.

Bei der ZKB hiess es in einem Kommentar, die Prognosesenkung komme aufgrund der schwierigen Entwicklung an den diversen wichtigen Absatzmärkten zwar nicht ganz unerwartet. Mit Blick auf die angekündigten Massnahmen stelle sich aber die Frage, wie viel Spielraum das Unternehmen noch habe, da es bereits seit längerer Zeit mit Anpassungsmassnahmen beschäftigt sei.

Bei der UBS schrieb Analyst André Rudolf von Rohr, sollte der EBITDA tatsächlich am unteren Ende der Spanne ausfallen, stiege auch das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA auf ein historisch kritisches Niveau.

Happiger Verlust

Das Ergebnis für die ersten neun Monate 2015 soll am 12. November publiziert werden. Im ersten Halbjahr konnte Schmolz+Bickenbach zwar den Semesterumsatz bei knapp 1,49 Milliarden Euro halten.

Unter dem Strich stand aber wegen eines Abschreibers ein Verlust von 117,6 Millionen Euro. Der Verkauf der Distributionseinheiten in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Österreich führte zu einem Wertberichtigungsbedarf von 126,7 Millionen Euro. (sda)