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Gift auch in anderen Luzerner Schulen?

Wegen erhöhter Schadstoffwerte wird das Schulhaus Staffeln geschlossen. Ein Experte sagt, das Schulhaus sei kein Einzelfall.
Mirjam Weiss
Das Schulhaus Staffeln (unten) wird geschlossen. Unter anderem im Singsaal (oben) wurden Schadstoffe nachgewiesen. (Bilder Boris Bürgisser)

Das Schulhaus Staffeln (unten) wird geschlossen. Unter anderem im Singsaal (oben) wurden Schadstoffe nachgewiesen. (Bilder Boris Bürgisser)

Mehrmals habe sein Sohn über Kopfschmerzen und rote Augen geklagt, wenn er aus der Schule gekommen sei, erzählt Peter Schärli aus Luzern. Sein Sohn besucht das Oberstufenschulhaus Staffeln in Reussbühl, das derzeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Im Sommer wird es geschlossen, weil im Schulhaus seit einigen Jahren immer wieder gesundheitliche Beschwerden bei Schülern und Lehrern auftreten. Der Schulbetrieb wird in die ehemaligen Räume der Rudolf-Steiner-Schule im Gasshof verlegt (Ausgabe vom 20. Februar).

«Richtige Entscheidung»

Peter Schärli befürwortet den Entscheid der Stadt: «Ich finde es richtig, dass die Stadt eine schnelle Lösung gesucht hat und dass die Schüler und Lehrer nicht weiter diesen Substanzen ausgesetzt werden», sagt er. Die Kopfschmerzen seines Sohnes könnten auch andere Ursachen haben, ist er sich bewusst. Seine Frau und er hätten sich aber dennoch Gedanken über mögliche Spätfolgen der vorgefundenen Substanzen gemacht. «Solange man nicht weiss, wie sich diese Stoffe auf die Gesundheit auswirken, ist eine Schulhausschliessung die richtige Entscheidung», so Schärli. Sein Sohn werde künftig sogar einen kürzeren Schulweg haben als heute.

Wiederholt hatten sich Schüler und Lehrer über Reizungen der Augen, der Haut und der Nasenschleimhäute sowie über Kopfschmerzen und Unwohlsein beklagt. Bei Luftmessungen im Januar 2014 seien erhöhte Werte von Substanzen im Singsaal, in den Gängen und in einem Schulzimmer nachgewiesen worden, teilte die Stadt Luzern vor einer Woche mit. Dabei handle es sich hauptsächlich um mittel- bis schwerflüchtige organische Verbindungen wie Weichmacher, Flammschutzmittel und polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die sich mit dem Staub verbänden. Die Werte seien zwar erhöht, überschritten die Grenzwerte aber nicht, so die Stadt Luzern.

«Können Allergien auslösen»

Wie gefährlich sind diese Substanzen? Diese Frage zu beantworten, sei schwierig, sagt Joachim Deutschkämer. Der diplomierte Chemiker und chemische Bausachverständige hat mit seiner Thurgauer Firma, der ChemExpertSwiss GmbH, vor zwei Jahren im Auftrag der Stadt Luzern Messungen im Schulhaus Staffeln durchgeführt und mehrere Berichte dazu verfasst. Bei Flammschutzmitteln sei bekannt, dass sie Reizungen der Augen oder der Haut auslösen könnten, so Deutschkämer. «Von den Weichmachern weiss man, dass sie Allergien auslösen können.»

Nur wenige Studien

Zur Wirkung der polyzyklisch aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) auf den Menschen kann man in Dokumenten auf der Homepage des Unternehmens lesen: Geruchsbelästigung, Krebs. PAK kommen häufig in Parkettkleber oder Feuchteabdichtungen vor. «Es ist aber sehr schwierig, einen Zusammenhang zwischen diesen Substanzen und gesundheitlichen Beschwerden herzustellen», betont der Chemiker. Ein Problem sei, dass diese Stoffe in Gebäuden häufig als Stoffgemische vorkämen, von denen man nicht wisse, wie sie wirkten. «Bis heute gibt es in der Schweiz nur relativ wenige Studien zu solchen Sub­stanzen, denn diese Studien sind sehr aufwendig», sagt Deutschkämer. Mit ärztlichen Tests könne man das allergologische Potenzial eines Menschen feststellen. «Aber nur wenige Ärzte verfügen über eine entsprechende Ausbildung. Zudem sind Einzelfälle wenig aussagekräftig für eine generelle Aussage.»

Grundsätzlich könne man sagen, dass bei Kindern und Jugendlichen ein höheres gesundheitliches Risiko bestehe, da sie einen schnelleren Stoffwechsel hätten als Erwachsene. Seiner Einschätzung nach ist das Schulhaus Staffeln in kein Einzelfall: «Diese oder ähnliche Sub­stan­zen finden sich in unterschiedlicher Menge auch in anderen älteren Schulhäusern im Kanton Luzern.»

«Gemeinsames Stück Reussbühl»

Das Schulhaus Staffeln in Reussbühl wurde am 2. Mai 1954 eingeweiht. Fabrizio Laneve, Präsident des Quartiervereins Reussbühl, bedauert die geplante Schliessung: «Schade, dass diese Institution im Quartier geschlossen wird. Aber wenn die gefundenen Substanzen gesundheitsschädigend sind, gibt es keine andere Möglichkeit.» Mit dem Schulhaus Staffeln seien sehr viele Erinnerungen im Quartier verbunden. «Die meisten Quartierbewohner sind dort zur Schule gegangen, auch meine Frau und ich», erzählt Laneve. «Es ist ein gemeinsames Stück Reussbühl.» Dass die meisten Schüler des Schulhauses künftig einen längeren Schulweg auf sich nehmen müssen, ist seiner Ansicht nach kein Problem: «Früher waren die Schulwege auch länger. Das wird den Schülern vorübergehend nicht schaden.» Für den öffentlichen Verkehr werde es aber wohl eine Herausforderung, alle Schüler geordnet in den Stadtteil Littau zu bringen. Für Laneve steht fest: «Wir brauchen wieder ein Oberstufenschulhaus in Reussbühl.»

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