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Wertvolles Leodegar-Bild kehrt nach Luzern zurück

Ein Glasgemälde, das die Blendung des Luzerner Stadtpatrons St. Leodegar zeigt, ist wieder an seinen Ursprungsort – nach einer langen Odyssee. Ein anonymer Spender hat es der Stadt Luzern geschenkt.
Hugo Bischof
Das Glasgemälde von 1659 zeigt die Blendung Leodegars. Darüber rechts ist klein die Szene zu sehen, wie nach der Enthauptung Leodegars dessen Henker von einem fliegenden Teufel gepackt wird. Das Bild ist eingerahmt von diversen Wappen, unter anderem von Chorherren der Luzerner Hofkirche. Bild: PD

Das Glasgemälde von 1659 zeigt die Blendung Leodegars. Darüber rechts ist klein die Szene zu sehen, wie nach der Enthauptung Leodegars dessen Henker von einem fliegenden Teufel gepackt wird. Das Bild ist eingerahmt von diversen Wappen, unter anderem von Chorherren der Luzerner Hofkirche. Bild: PD

Auch am 2. Oktober diese Woche wird in der Stadt Luzern wie seit Jahrzehnten üblich des Stadtpatrons St. Leodegar gedacht. Leodegar war ein Märtyrer. Er wurde um 677 im Burgund in Frankreich aus politischen Gründen enthauptet. Zuvor hatte man ihm die Augen ausgestochen und die Zunge herausgerissen.

Vom Martyrium des Heiligen gibt es viele Darstellungen, so etwa auch auf einigen Giebelbildern der Luzerner Kapellbrücke. Nun ist ein seltenes Glasgemälde, auf dem die grausame Blendung des Heiligen zu sehen ist, nach sehr langer Zeit wieder nach Luzern zurückgekehrt. Ein anonymer Spender hat es dem Chorherrenstift St. Leodegar im Hof geschenkt. «Seinen neuen Platz findet das wertvolle Glasgemälde an einem Fenster des Kapitelsaals in der Propstei», sagt Urs-Beat Frei, Spezialist für christliche Sakralkunst und Konservator des Luzerner Stiftsschatzes. Er fügt an:

«Beim anonymen Spender handelt es sich um jemanden, der in Luzern geboren wurde und sich seit seiner Kindheit eng mit der Hofkirche verbunden fühlt. Er möchte die lange und bedeutende Tradition von Schenkungen an den Chorherrenstift beziehungsweise den Luzerner Stiftsschatz weiterführen.»

Das Glasgemälde ist von beträchtlicher Grösse und misst 58 mal 47 Zentimeter. Es zeichnet sich durch eine grosse Farbenpracht und eine klare Zeichnung des Motivs aus. Entstanden ist es sehr wahrscheinlich in der Werkstatt des Luzerner Glasmalers Jakob Wägmannn (1586 bis circa 1659). Dieser arbeitete in seiner Ausbildungszeit im Atelier seines berühmten Vaters Hans Heinrich Wägmann mit, der ab 1606 mit seinen vier Söhnen die 158 Giebelbilder der Kapellbrücke herstellte.

Urs-Beat Frei, Spezialist für christliche Sakralkunst und Konservator des Luzerner Stiftschatzes mit dem wertvollen Glasgemälde, das an diesem Fenster im Kapitelsaal der Propstei angebracht werden wird. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 1. Oktober 2019)

Urs-Beat Frei, Spezialist für christliche Sakralkunst und Konservator des Luzerner Stiftschatzes mit dem wertvollen Glasgemälde, das an diesem Fenster im Kapitelsaal der Propstei angebracht werden wird. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 1. Oktober 2019)

Die Blendung des Stadtpatrons steht im Zentrum des jetzt nach Luzern zurückgekehrten Glasgemäldes. Zusätzlich ist oben rechts etwas kleiner die Enthauptung des Heiligen zu sehen oder vielmehr der dramatische Moment gleich danach, da der Henker von einem fliegenden Teufel gepackt wird – genau so, wie wir die Szene von einem Bild auf der Kapellbrücke kennen. Darum herum angeordnet sind das Stifts- und Luzerner Wappen sowie Wappen diverser Chorherren der Hofkirche.

«Alle Teile des Glasgemäldes sind original von 1659», sagt Frei.«Sie wurden anlässlich einer Restaurierung neu verbleit.» Das Glasgemälde weist die Jahreszahl 1659 auf. «Es war gewiss – wie damals üblich – eine Scheibenspende des Chorherrenstifts St. Leodegar», sagt Frei. Der mit der Geschichte des Luzerner Stifts im Hof gut vertraute Luzerner Unternehmensjurist Loris Fabrizio Mainardi hält es für sehr gut möglich, dass die Scheibe den Schwestern des in diesem Jahr in Luzern gegründeten Ursulinenklosters als Willkommensgeschenk überreicht wurde:

«Wappenscheiben waren gleichsam die Sponsorenlogos der Barockzeit.»

Die Ursulinen sind eine 1535 im lombardischen Brescia gegründete Ordensgemeinschaft. Sie gelten als Begründerinnen der «neuzeitlichen Mädchenerziehung». In Luzern liessen sie von 1676 bis 1681 das Kloster Mariahilf erbauen; hier führten sie das erste Mädchenpensionat, die erste offene und unentgeltliche Töchterschule, das erste Lehrerinnenseminar mit Übungsschule und eine Sonntagsschule für weibliche Erwachsene. Die Ursulinen waren somit das Pendant zu den Jesuiten, die 1574 im Zeichen der Gegenreformation zur Knabenbildung nach Luzern berufen worden waren.

1798 mussten die Ursulinen Luzern wieder verlassen, da das Marihahilf-Kloster während der Helvetik zum Sitz des neuen Zentralstaats umfunktioniert wurde. «Das war wohl auch der Grund für das ominöse Verschwinden der Glasscheibe», sagt Mainardi. «Sie wurde damals wohl liquidiert, sodass sie später in den Kunsthandel kam und ihre Weltreise antrat.» Während über 100 Jahren befand sie sich in Privatbesitz in den USA, zunächst in der J. P. Morgan Collection, danach in der Sammlung H. C. Honegger. Hermann Charles Honegger (1890-1974) war ein in New York lebender Auslandschweizer, der mit dem Import von Schweizer Musikdosen viel Geld verdiente. Er machte sich einen Namen, auch als Kunstsammler und Philanthrop; 1942 gründete er die Pestalozzi-Stiftung Amerika.

Im Kunsthandel neu entdeckt

Auf seine grosse Glasgemäldesammlung (darunter 60 Glasscheiben aus der Schweiz) wurde man in der Schweiz erstmals 1949 aufmerksam. Damals brachte Honegger mit einer Schenkung sechs Standes- und Städtescheiben nach Sempach zurück. Sie hatten dort bis 1814 das Rathaus geschmückt und waren durch viele Hände 1942 in seinen Besitz gekommen. Die Stadt Sempach verlieh Honegger dafür das Ehrenbürgerrecht. Das Luzerner Glasgemälde, das die Blendung des heiligen Leodegar zeigt, entdeckte Urs-Beat Frei vor kurzem im Kunsthandel. «Dank des grosszügigen, anonymen Spenders ist es jetzt an seinen Ursprungsort zurückgekehrt, zum diesjährigen Festtag des heiligen Leodegar», freut sich Frei.

Das Glasgemälde kann im Rahmen der nächsten öffentlichen Führung durch den Luzerner Stiftsschatz in der Hofkirche besichtigt werden. Diese findet am Dienstag, 15. Oktober, 19.15 Uhr statt. Eintritt frei, Kollekte. www.luzern-kirchenschatz.org

Geschäfte geschlossen

Am 2. Oktober, dem Tag des Stadtpatrons St. Leodegar, sind die Geschäfte in der Stadt Luzern geschlossen. Ausgenommen sind jene Betriebe, die von der Stadt Luzern eine Ausnahmebewilligung erhalten haben. Dabei handelt es sich um solche, die vorwiegend touristisch ausgerichtet sind (Souvenirläden, Uhrengeschäfte und dergleichen). Es sind dieselben Geschäfte, die auch an normalen Sonntagen geöffnet sein dürfen. (hb)

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