LUZERN: Gletschergarten hat Spektakuläres vor

Weg mit dem verstaubten Image: Der Gletschergarten soll aufgefrischt und massiv ausgebaut werden. Das kostet Millionen. Woher diese kommen sollen, ist noch unklar.

Lena Berger
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Er will den Luzerner Gletschergarten fit für die Zukunft machen: Direktor Andreas Burri gestern im Aussenbereich des Museums. (Bild Nadia Schärli)

Er will den Luzerner Gletschergarten fit für die Zukunft machen: Direktor Andreas Burri gestern im Aussenbereich des Museums. (Bild Nadia Schärli)

Der Gletschergarten in Luzern geht in den Untergrund: Das Museum plant diverse neue Attraktionen, die meisten davon sollen im Innern des Felsens geschaffen werden (siehe Kasten unten). Das Projekt, das bis 2017 realisiert werden soll, könnte zu einem neuen Touristenmagnet in Luzern werden. Tourismusdirektor Marcel Perren sowie die Luzerner Wirtschaftsförderung zeigen sich denn auch hocherfreut über die Ausbaupläne.

Viel Geld für ein Museum

Doch das ambitionierte Projekt hat noch einige Hürden vor sich. Eine besondere Schwierigkeit ist die Finanzierung: Die Realisierung des Höhlenwegs, der Abriss der veralteten Anbauten und die Neugestaltung des Parks kosten insgesamt 20 Millionen Franken. «Das ist eine grosse Investition für ein Museum», so die Einschätzung des Luzerner Museumsexperten Kilian T. Elsasser. «Dieses Geld aufzutreiben, wird sehr harte Arbeit – aber es ist wohl machbar», meint er. Bei der Suche nach finanzieller Unterstützung sei es sicher hilfreich, dass mit dem Projekt nicht einfach ein Neubau realisiert, sondern «etwas Einzigartiges» geschaffen werden solle. In Anbetracht der sinkenden Besucherzahlen (siehe Grafik) sei es an der Zeit, dass der Gletschergarten einen grossen Schritt vorwärts mache. «Die heutige Ausstellung besteht aus einem Sammelsurium von Gegenständen – das ist eher langweilig. Jetzt braucht es den Mut, aufzuräumen», findet Elsasser.

Damit die Rechnung aufgehe, müsse sich der Höhlenweg zu einem Klassiker entwickeln – wie das Spiegellabyrinth oder früher die Gotthardtunnel-Schau im Verkehrshaus. «Eine Attraktion funktioniert auf Dauer nur, wenn sie auch noch fasziniert, wenn man sie zwei- oder dreimal gesehen hat.» Elsasser glaubt, dass der Felsenweg dieses Potenzial hat. Das Ziel des Gletschergartens, die Besucherzahlen um 20 Prozent zu steigern, sei aber dennoch eine Herausforderung. «In der Schweiz herrscht unter den Museen ein harter Konkurrenzkampf.» Die Stärke des Gletschergartens sei, dass er nicht elitär sei – sondern ein breites Publikum anspreche.

Es fehlen noch 7 Millionen Franken

Gemäss Madlena Cavelti Hammer, Stiftungsratspräsidentin des Gletschergartens, haben verschiedene private Stiftungen bereits zugesagt, das Projekt finanziell zu unterstützen. Unterschrieben sei aber noch nichts: «Die Beitragshöhen sind noch nicht geregelt und deshalb nicht spruchreif. Ich gehe heute aber davon aus, dass wir 12 Millionen bereits finanziert haben.» Kilian Elsasser sagt dazu: «Das ist der Beweis, dass die Idee gut ankommt.» 1 Million kann der Gletschergarten selber aus Rückstellungen finanzieren. Bleiben also noch 7 Millionen.

Baustart bereits nächstes Jahr

Und wie will die Stiftung diese auftreiben? «Das wird eine grosse Herausforderung. Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Schön wäre, wenn wir einen Mäzen fänden», sagt Cavelti. Zudem soll eine breit angelegte Sammelkampagne Erfolg bringen. Ziel ist es, in einem Jahr das Geld zusammenzuhaben. Der Baustart ist nämlich bereits auf 2015 angesetzt.

Ursprünglich rechnete der Gletschergarten damit, dass für die Hälfte der Kosten die öffentliche Hand aufkommen würde. Dieser Wunsch dürfte jedoch kaum realistisch sein. Zwar hat der Luzerner Stadtrat 3 Millionen Franken versprochen (Ausgabe vom 18. März). Allerdings muss der Beitrag erst noch vom Stadtparlament bewilligt werden. Der Kanton Luzern hat noch gar keine fixen Zusagen gemacht. Er hat lediglich in Aussicht gestellt, das Projekt «gemäss seinen Möglichkeiten aus Lotteriemitteln mitzufinanzieren», wie Madlena Cavelti Hammer sagt. «Wir hoffen, dass der kantonale Beitrag höher ausfällt als derjenige der Stadt. Denn diese zahlt uns bereits einen jährlichen Beitrag an die Investitionen. Der Kanton nicht.» Der zuständige Luzerner Regierungsrat Reto Wyss sagt dazu auf Anfrage nur: «Wir haben noch offene Fragen zu klären, eine möglich Summe für die Unterstützung des Projekts wurde noch nicht definiert.»

«Ice Cube» überzeugte nicht

Dass der Luzerner Gletschergarten eine Erneuerung braucht, war schon seit Jahren klar. Bereits 2004 wurde ein erster Versuch unternommen, ein Erweiterungsprojekt anzugehen. Damals war die Idee, auf dem bestehenden Gelände einen Neubau zu realisieren. «Das Projekt hiess ‹Ice Cube›. Es hat den Stiftungsrat aber zu wenig überzeugt», sagt Stiftungsratspräsidentin Cavelti. Dies vor allem aus Platzgründen, weil dann ein grosser Teil des Parks verloren gegangen wäre.

Ein Weg im Berg bringt den Besuchern den Sandstein näher. (Bild: Visualisierung Miller + Maranta, Basel)
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So könnte der Eingang zum Felsenweg dereinst aussehen. (Bild: Visualisierung Miller + Maranta, Basel)
Querschnitt durch den Gartenhof (Bild: Visualisierung Miller + Maranta, Basel)
Mitte-Links im Grundriss das freigestellte Schweizerhaus (schwarz) mit dem neu geschaffenen Aussenbereich. In der Bildmitte und rechts die neuen Ausstellungsräume und der Erlebnisrundgang im Felsinnern. (Bild: Visualisierung Miller + Maranta, Basel)
Die multifunktionale Felsengalerie bietet für rund 100-150 Person Platz. (Bild: Visualisierung Miller + Maranta, Basel)
Querschnitt durch den Fels mit Erlebnisrundgang, integriertem Bergsee und vertikalem Gartenhof als Zugang zur Sommerau. Am linken Bildrand das freigestellte Schweizerhaus (weiss). (Bild: Visualisierung Miller + Maranta, Basel)
Gestaltungsplan »Park« in einer Aufsichtsansicht (Bild: Gletschergarten)
Zukunftsperspektive: Schweizerhaus mit vergrössertem Park und Eingang Spiegellabyrinth (Bild: Gletschergarten)
Der Gletschergarten heute. Hellrot eingefärbt sind die wie Fremdkörper wirkenden Annexbauen aus dem 20. Jahrhundert. (Bild: Gletschergarten)

Ein Weg im Berg bringt den Besuchern den Sandstein näher. (Bild: Visualisierung Miller + Maranta, Basel)

Ein neuer Weg führt 100 Meter tief in den Fels hinein

Als der Gletschtergarten gestern über seine ungewöhnlichen Erweiterungspläne informierte, herrschte klassisches Museumswetter – es regnete in Strömen. Für Andreas Burri, Direktor des Gletschergartens, heute noch Grund zur besonderen Freude. Doch ab 2017 soll der Gletschergarten seine Besucher auch bei strahlendem Sonnenschein locken: Die Parkfläche wird um rund einen Drittel erweitert. Ein der Öffentlichkeit bislang unzugänglicher Teil – heute eine kleine Naturoase oberhalb des Felsens – soll künftig zum Verweilen einladen.

Unterirdischer See

Erreicht werden soll die Plattform über einen neuen künstlichen Höhlengang. Besucher sollen tief in den Felsen hinabsteigen, um dort mehr über die Geschichte der Erde zu erfahren. Vorbei an einer Säulenhalle, die an eine ägyptische Gräberanlage erinnern soll, führt der rund 100 Meter lange Weg weiter zu einem Eiskeller und einer Windorgel bis zu einem kleinen Bergsee mitten im Fels. Von dort gelangt der Besucher in einen Raum, in dem an die Steinwand zum Beispiel Malereien aus der Frühzeit projiziert werden könnten. «Der Fels selber vermittelt 20 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die neuen Räume werden selbst zum Anschauungsobjekt», erklärt Architekt Quintus Miller, der das Vorprojekt ausgearbeitet hat. Danach beginnt der Aufstieg: 25 Höhenmeter werden über eine Treppe überwunden, wo das Tageslicht die Besucher wieder empfängt. Dann steht man plötzlich auf einer grünen Wiese, die sogenannte Sommerau, von wo aus sich ein beeindruckender Blick über die Stadt bietet.

Weiter sollen im Rahmen des Projekts die veralteten Anbauten rund um das denkmalgeschützte Schweizer Haus abgerissen – und das historische Bijou so zur Geltung gebracht werden. Das bekannte Spiegellabyrinth wird neu im Untergeschoss untergebracht. Weiter entsteht eine Felsengalerie, in der Schulungs- und Veranstaltungsräume untergebracht werden. Deren Vermietung soll dem Gletschergarten eine neue Einnahmequelle bringen. Die gesamte Anlage wird rollstuhlgängig. «Der Fels soll mit dem Projekt mehr in den Fokus gerückt werden, denn ohne ihn gäbe es den Gletschergarten überhaupt nicht. Er ist der versteinerte einstige Meeresstrand von Luzern, geprägt von den Eiszeiten, eine Manifestation des Klimawandels», erklärt Andreas Burri.

Mehrkosten wegen Löwendenkmal

Das Bauprojekt ist technisch sehr anspruchsvoll. «Wir haben bereits rund 1 Million ins Vorprojekt, Machbarkeitsstudien und Gutachten investiert», verrät Stiftungsratspräsidentin Madlena Cavelti Hammer. Die Herausforderung, mitten in der Stadt einen Tunnel in den Fels zu bauen, ist gross. Dies umsomehr, als sich im gleichen Fels auch das bekannte Löwendenkmal befindet. «Wir dürfen schliesslich den Löwen nicht wecken – deshalb darf es kaum Erschütterungen geben», sagt Stiftungsratsmitglied Franz Schenker, der als Geologe die Idee für das Projekt hatte. Er erklärt das Vorgehen: «Zuerst wird mit eher ‹gröberem Geschütz› ein Zugangsstollen gebaut. Anschliessend folgt – teilweise in Handarbeit – der eigentliche Höhlenweg.» Dieses Vorgehen ist natürlich teuer. «Bei normalen Steinbrucharbeiten rechnet man mit Kosten von maximal 180 Franken pro Kubikmeter. Wir rechnen mit 1000 Franken, um genügend Reserven zu haben.»

Museum bleibt immer offen

Geröll und Schutt werden im Zugangsstollen verladen – so bleiben Anwohner und Besucher von Lärm und Staub grösstenteils verschont. Das Museum soll denn auch während der ganzen Bauzeit offen bleiben.

Im betroffenen Quartier reagiert man positiv auf das Vorhaben. «Wir wurden frühzeitig über das Projekt informiert und finden es toll. Die Erweiterung wird die Nachbarschaft nicht durch Hochbauten tangieren, das beruhigt uns sehr», sagt Marc Germann, Präsident des Quartiervereins Hochwacht. Er hofft, dass auch für die Lastwagenanfahrten während der Bauzeit eine «anwohnerverträgliche» Lösung gefunden wird.

Architektenteam aus Basel

Geplant haben das Felsmuseum die renommierten Basler Architekten Miller + Maranta. Das Team plant auch das neue Baloise-Hochhaus beim Basler Bahnhofplatz. Zudem haben sie das Hotel Waldhaus in Sils renoviert, wo sie ein neues Kellergeschoss geschaffen haben. Zu ihren bekanntesten Bauten gehört der Um- und Erweiterungsbau des Alten Hospizes auf dem Gotthardpass.