LUZERN: Glocken der Hofkirche werden aufgefrischt

Vier Glocken drohen zu zerspringen. Um dies zu verhindern, werden nach 50 Jahren neue Klöppel montiert. Doch die Zeit nagt auch an den Glocken selbst.

Christian Hodel
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Kirchturmtechniker Robert Schauman montiert eine vier neue Klöppel aus Eisen an die Glocke. (Bild: Dominik Wunderli)

Kirchturmtechniker Robert Schauman montiert eine vier neue Klöppel aus Eisen an die Glocke. (Bild: Dominik Wunderli)

Für die nächsten sieben Wochen bleibt es still um den Nordturm der Luzerner Hofkirche. Die vier historischen Glocken des Turms in Richtung Friedhof – die älteste wurde 1380 gegossen – erhalten neue Klöppel.

Oskar Näpflin ist Projektleiter beim Kirchturmausrüster Muff AG aus Triengen und leitet die Arbeiten bei der Hofkirche. «Durch das millionenfache Schlagen verdichtet sich mit der Zeit das Eisen», sagt er. Wenn die Klöppel härter würden als die Glocken, entstehen durch die Schläge Dellen an den Glockenwänden. «Alle 40 bis 50 Jahre müssen darum die Klöppel ersetzt werden», sagt Näpflin. Sonst beginne es zu scheppern, der Klang sei nicht mehr harmonisch, und im schlimmsten Fall komme es bei den Glocken sogar zu Rissen.

Der Klang der Glocken wird sanfter

«Jeder Klöppel ist eine Individualanfertigung», sagt Näpflin. Damit diese den Abschlagspunkt bei der Glocke nur leicht touchieren – Experten sprechen bei diesem Vorgang von «Küssen» – ist Präzision gefragt. «Die Proportionen, etwa von Schaft und Kugel, müssen exakt berechnet werden, damit die Glocken geschont werden und ein schöner Klang entsteht.» Dieser werde bei der Hofkirche künftig viel sanfter und harmonischer sein als bisher.

Bis die Klöppel, die bis zu 180 Kilogramm schwer sind, wieder schwingen, dauert es aber noch eine Weile. «Pünktlich auf den ersten Advent hin wird wieder geläutet», sagt Näpflin. Dann werden auch die restlichen Arbeiten im Nordturm erledigt sein. So werden etwa die verzierten Aufhängebänder für die Glocken derzeit «konserviert» und verschiedene Kugellager ausgewechselt.

Sanierung ist «dringend nötig»

Laut Näpflin ist die Sanierung der Glocken im Nordtrum dringend nötig. «Vor 30 Jahren wurden letztmals einzelne mechanische Teile ausgewechselt, gründlich saniert wurde aber schon lange nicht mehr.» Dies würde ein Sicherheitsrisiko darstellen. Denn wegen des ständigen Schwingens der gesamthaft 7,5 Tonnen schweren Glocken sind die Tragachsen – die sogenannten Glockenjoche – ausgeleiert. «Würde man hier etwa die Eisenverbindungen oder Kugellager nicht auswechseln, könnten die Glocken runterfallen.»

Die schwerste Glocke im Nordturm wiegt über vier Tonnen. Wenn diese schwingt, werden unglaubliche Kräfte freigesetzt. «Dann stehen einem die Haare zu Berge», sagt Näpflin. Der ganze Dachstuhl würde vibrieren. Darum sei es wichtig, dass die Joche aus Holz und nicht aus Eisen sind. «Holz gibt nach und schwingt mit.»

Kommt Helikopter zum Einsatz?

Derzeit ist in der Hofkirche lediglich ein Joch aus Eisen. Dieses befindet sich im Südturm und wurde laut Näpflin irgendwann ab dem 19. Jahrhundert eingesetzt. «Im Zuge der Sanierungsarbeiten am Nordturm werden wir aber auch hier wieder ein Holzjoch einbauen, wie es früher der Fall gewesen ist. Dadurch wird auch der Klang der daran befestigten Glocke wieder sanfter.»

Mit den jetzigen Arbeiten ist die Sanierung am Nordturm aber noch nicht abgeschlossen. Da sich die vier Glocken über die Jahrhunderte zum Teil massive Dellen eingefangen haben, sollen auch diese in drei oder vier Jahren restauriert werden. Die tonnenschweren Kolosse müssten dann mit einem Helikopter vom Turm gehievt und rundum neu geschweisst werden. Stefan Meyer, Leiter Fachbereich Bau der katholischen Kirche der Stadt Luzern: «Wir sind am abklären, ob die Glocken restauriert werden.» Fest stehe aber noch nichts.

Arbeiten kosten 65 000 Franken

Klar sind hingegen die Ausgaben der Kirchgemeinde der Stadt Luzern für die jetzige Sanierung. Laut Meyer kosten die Arbeiten beim Nordturm rund 65 000 Franken.

Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, werden nur die vier Glocken beim Südturm läuten. Diese sind bereits 2007 umfassend saniert worden.