LUZERN: Gnagi oder Gordon blööö?

Zwei gesellschaftlich-kulinarische Vorfasnachtsevents gingen am Montag gleichzeitig über die Bühne. Unsere Zeitung hat beide besucht – und zieht ein ultimativ unbestechliches Fazit.

Hugo Bischof / Jérôme Martinu
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Impressionen vom Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bild: Heinz Steimann)

Impressionen vom Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bild: Heinz Steimann)

Unerhörte, knisternde, fast schon lähmende Spannung liegt über dem grossen Casino-Saal. Etwa 460 gestandene Männer harren am Montagabend dicht gedrängt der Dinge, die da bevorstehen – beim 95. Gnagi-Essen, dem ultimativen vorfasnächtlichen Gesellschaftsevent Luzerns. Wer wird Nachfolger des 2014 verstorbenen unnachahmlichen Gnagi-Vaters Ruedi Bürgi? So lautet die Frage, die manch einer hinter vorgehaltener Hand stellt.

Und da schreitet doch dieser Toni Steffen, seines Zeichens selbst ein Gnagi-Urgestein, ohne Vorwarnung zum Rednerpult: «Wählen wir doch Hans Pfister, den bisherigen Schatzmeister, zum Gnagi-Vater. Wer dafür ist, soll aufstehen und applaudieren.» Kurzes Innehalten. Dann tosender stehender Applaus. Pfister ist gewählt, die Spannung ist weg. Von wegen Spannung weg. Jetzt kommts doch erst, das sehnlich Erwartete: Über 1000 Gnagi (gebratene Schweinshaxen mit Schwarte und Knochen), garniert mit Härdöpfu ond Suurchrut, trägt das dienstige Casino-Personal in den Saal. Und das frohe F...essen beginnt.

«Nor no unbeldeti Toble»

Und dann die Sprüche. Die ersten klopft der auch neu bestimmte Landschryber Guido Jacopino. Den VW-Abgas-Skandal löst er souverän, indem er Rocksänger Chris von Rohr alle VWs aufkaufen lässt («er wollte ja stets ‹meh Dräck›»). Zum Sparkurs des Stadtrats im Bildungsbereich meint er: «Ech wondere mech, wi das d Politiker verchaufid, wen z Lozärn nor no unbeldeti Toble omelaufid.» Gut gebrüllt, Jacopino. Auch wenn ihm die Nervosität noch anzumerken war. Aber das kommt noch.

Luft nach oben gibts auch beim neuen Gnagi-Vater; seine Sprüche sind gar trocken dargebracht. Highlights sind die Auftritte des musikalisch-schweinischen «Sou-Huffe», Toni Steffens «Schnitzelbängg» und die Verse von Wäsmeli-Pater Seppi Schärli (Kloster-Babyfenster sind deshalb so klein, weil sonst «veli Froue do scho eri Manne abgleid hättid»). Da mögen die «Doorzögler» noch so sehr nach «meh Gordon blööö» schreien, das Gnagi-Essen wirds weiter geben. Auch wenns in der Nach-Bürgi-Ära – das sei eingeräumt – künftig doch mehr Schmiss und Frechheit erträgt.

Hugo Bischof


Impressionen vom Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bild: Heinz Steimann)
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Impressionen vom Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bild: Heinz Steimann)
Impressionen vom Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bild: Heinz Steimann)
Impressionen vom Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bild: Heinz Steimann)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)
Impressionen vom GordonBlööö im Restaurant Doorzögli (Café La Suisse) in Luzern. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)

Impressionen vom Gnagi-Essen im Casino Luzern. (Bild: Heinz Steimann)

Hier regiert der Wahnsinn

Das altehrwürdige Café La Suisse an der Luzerner Gerbergasse 11, viel besser bekannt als «Doorzögli», ist bis auf den letzten Platz besetzt. «Öppe 46 Manne» zelebrieren am Montagabend auf Einladung den 6. Bot der Zunft zu GordonBlööö um den eher festen Zunftmeister und GordonBlööö-Baba Peti Federer. Rasch zeigt sich: Gnagi-Erfahrung in Ehren – aber die reicht nirgends hin, um das grossartige Chaosprogramm im «Doorzögli» auch nur annähernd voraussehen zu können. Dabei sind die Gnagi-Parallelen unverkennbar, auch hier die wichtigen Chargen besetzt: Ein zackiger Zeugherr, standfester Weibel und batzalizählender Säckelmeister gehören ebenso dazu, wie neun weitere Gründungsmitglieder (sowie Politiker unter den Gästen). Taufpaten der GordonBlööö-Zünftler sind – unfreiwillig – die Gnagibrüder: Gemäss der Gründerlegende gabs im Casino vor sechs Jahren keinen Platz mehr für die 13 Safranzünftler-Mannen. Sie begossen daraufhin ihren Frust im «Doorzögli» mit Gerstensaft und «Göggubronz» und kamen dabei auf die Idee mit den (ungleich schmackhafteren) Cordon bleus.

Beiz mit Schaum geflutet

Retour zum 6. Bot, der von Handorgel, Gitarre, Klarinette, viel Gesang und Reimen geprägt ist. Die bekannten Playback-Schlagerkünste von Stapi Stefan Roth laufen unter «einer von vielen», er muss sich auch kräftig anzünden lassen. Rüüdig wild geht es im Produktionenreigen zu und her: Wäsche wird im Schnapswasser gewaschen. Ein Wettkampf im Nationalturnen Steinheben wird ausgetragen, inklusive Kurzbesuch des Muneli-Lebendpreises. Ein Laubbläser dient als Konfettischleuder. Und der ultimative Höhepunkt: Nach einer rhetorisch-reimenden Einseif-Aktion wird das «Doorzögli» mittels Schaum-Maschine geflutet. Wahnsinn. Kein Wunder schallt es lautstark durch Nacht und Beiz: «Nie meh, nie meh Gnagi-Pneu – nor no, nor no Gordon-Blööö...»

Jérôme Martinu

GordonBlööö-Zunftmeister Peti Federer (rechts) gibt im «Doorzögli» neu getextete Schlager zum Besten. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)

GordonBlööö-Zunftmeister Peti Federer (rechts) gibt im «Doorzögli» neu getextete Schlager zum Besten. (Bild: Jérôme Martinu / Neue LZ)