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LUZERN: Grossbäcker helfen Kleinbetrieb

Ein Luzerner Bäckermeister sucht mit einer ungewöhnlichen Aktion nach Geld für einen Nachfolger. Unterstützung erhält er sogar von der Konkurrenz.
Sandra Monika Ziegler
Walter Stadelmann (Bäckerei Merz) in seiner Backstube. Für seine Bäckerei in der Eisengasse sucht er Sponsoren. (Bild Pius Amrein)

Walter Stadelmann (Bäckerei Merz) in seiner Backstube. Für seine Bäckerei in der Eisengasse sucht er Sponsoren. (Bild Pius Amrein)

Bäckermeister Walter Stadelmann von der Bäckerei Merz in der Luzerner Altstadt startete vor zwei Montagen mit einem Crowdfunding-Projekt. Damit will er 60 000 Franken für die Aus- und Weiterbildung seines künftigen Nachfolgers sammeln (Ausgabe vom 26. Oktober). Die Crowdfunding-Aktion auf dem Webportal www.100-days.net funktioniert nach dem «Alles-oder-nichts-Prinzip». Das heisst: Wenn die erhofften Spenden in der Höhe von 60 000 Franken innert 100 Tagen zusammenkommen, erhält Stadelmann das Geld. Wenn der avisierte Betrag nicht erreicht wird, gehen sämtliche Spenden zurück an die Spender. Noch bis Mitte Januar hat Stadelmann Zeit, um sein Ziel zu erreichen. Mittlerweile hat er knapp die Hälfte der 60 000 Franken zugesichert.

Auch Heini und Bachmann spenden

Unterstützung erhält der Bäckermeister dabei nicht nur von seiner eigenen Kundschaft, sondern auch von der Konkurrenz. Auch die grossen Luzerner Bäckereien Hug, Bachmann und Heini unterstützen die Idee ideell und finanziell. Für Bruno Heini, der zusammen mit seinem Bruder die Bäckerei-Konditorei Heini führt, gibt es zwei Gründe, das Crowdfunding mit 1000 Franken zu unterstützen: «Eine grosse Auswahl innerhalb der Branche tut ganz Luzern und somit auch Heini gut. Ich weiss um die Wichtigkeit einer guten Ausbildung. Denn mein Bruder und ich konnten auch nach der Lehre noch an die Uni gehen. Darauf können wir heute aufbauen. Eine gute Ausbildung und stetige Weiterbildung stärkt das Fundament der Unternehmensführung.»

«Empfinden starke Solidarität»

Matthias und Raphael Bachmann, die Geschäftsführer der Confiseur Bachmann AG, machen als Privatpersonen mit 1000 Franken mit, weil sie Stadelmann persönlich kennen und mit ihm gemeinsam in der Zunft zu Pfistern sind. Doch nicht nur das verbindet, wie Matthias Bachmann betont: «Walter Stadelmann führt wie wir eine der Bäckereien, welche noch auf Luzerner Stadtboden produzieren. Dafür empfinden wir eine starke Solidarität. Wir helfen gerne, und es ist auch in unserem Interesse, dass die einzigartige Bäckereivielfalt in Luzern erhalten bleibt.» Für Matthias und Raphael Bachmann ist die Aktion innovativ und emotional und zudem sehr gut aufgezogen.

Unter den Boostern, wie die Unterstützer im Netz genannt werden, finden sich auch der Detaillistenverband, Stammkunden, ehemalige Lehrtöchter und Marktkunden. Doch noch fehlt die Hälfte der Summe. Walter Stadelmann ist aber fest entschlossen, sein Ziel zu erreichen. So weibelte er kürzlich mit 200 Grittibänzen durch die Stadt, um für Unterstützung zu werben. Bei dieser Gelegenheit hätten sich sehr gute Gespräche ergeben. «Das gibt mir das Gefühl, von den Luzernerinnen und Luzernern breit unterstützt zu werden.» Mittlerweile werde er auch ständig auf die ungewöhnliche Aktion angesprochen, so Stadelmann. Das mache ihm auch Mut, dass auch sein künftiger Nachfolger auf eine treue Kundschaft zählen könne.

Traditioneller Handwerksberuf

Für Matthias Bachmann ist klar, was es braucht, damit lokale Bäckereien längerfristig überleben können. «So lange die Qualität spürbar besser ist und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, wird sich der Konsument für das bessere Produkt entscheiden», so Bachmann. Von einer positiven Branchenentwicklung ist auch Reto Fries, Direktor der Richemont-Fachschule, überzeugt: «Der Beruf des Bäcker-Konditors ist ein traditioneller Handwerksberuf. Diese Sparte weist eine positive Entwicklung auf.» Die Schule ist das Kompetenzzentrum der Gesamtbranche Bäckerei, Konditorei und Confiserie. Die Ausbildung zum Bäcker kann mit einer Lehre von zwei oder drei Jahren gestartet werden. Beim zweijährigen Lehrgang wird mit einem Berufsattest, beim dreijährigen mit dem eidgenössischen Fachzeugnis abgeschlossen. Danach besteht die Möglichkeit, die Berufsprüfung oder auch die höhere Fachprüfung mit dem Ziel Bäckermeister zu absolvieren. Einzige Bedingung ist das Alter von mindestens 24 Jahren. Dazu Fries: «Das macht Sinn, denn das Führen einer Bäckerei verlangt nicht nur solides Handwerk, sondern auch Führungsqualität für den Mitarbeiterstab.»

Mehr Informationen: www.100-days.net

Sandra Monika Ziegler

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