Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Grosser Wirbel um die Bordellbewilligung

Seit Jahrzehnten ist das «Krienbrüggli» im Kleinstadt-Quartier eine Kontaktbar – das sei aber nie legal gewesen, behauptet jetzt ein Verband.
Lena Berger
Im «Krienbrüggli» soll illegal Prostitution betrieben worden sein. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Im «Krienbrüggli» soll illegal Prostitution betrieben worden sein. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Der Altindustrianerverband Luzern ist ein Verein mit einer langen und bewegten Geschichte. Als ehemalige Studenten an Luzerner Hochschulen treffen sich die Altherren der Studentenverbindungen Industria regelmässig zur «Pflege der Freundschaft und der Wissenschaft», wie sie schreiben. Auf ihrer Website ist die fast 150-jährige Vereinshistorie aufgeführt. Ein Ereignis aus jüngerer Zeit taucht darin allerdings nicht auf: der Rechtsstreit, der derzeit um das Vereinslokal an der Burgerstrasse tobt. In diesem Gebäude ist auch das «Krienbrüggli» untergebracht – seit Jahrzehnten werden vier der oberen Stockwerke als Bordell genutzt. Und dies, obwohl für das Haus seitens der Stadt nur eine Nutzung als Wohn- und Bürogebäude bewilligt ist.

Sexgewerbe wäre nicht erlaubt

Die Sexarbeit aber ist eine gewerbliche Nutzung – davon ist der Altindustrianerverband überzeugt. Und mit dieser Ansicht ist er nicht allein. Auch die Stadt ist der Auffassung, dass es für den Weiterbetrieb eine Umnutzung braucht. Sie fordert seit mehr als einem Jahr eine nachträgliche Baubewilligung. Das Kantonsgericht hat die entsprechende Verfügung im April bestätigt.

Ein besonderer Umstand macht die rechtliche Situation kompliziert: Seitens der Stadt lag nie eine baurechtliche Bewilligung für die heutige Nutzung vor. Die Gastgewerbepolizei hat dem Betrieb aber vor einigen Jahren sowohl eine Restaurant- als auch eine Beherbergungsbewilligung erteilt. Damit gelten die Kontaktbar und die Dienstleistungszimmer von polizeilicher Seite her als bewilligt, wie Urs Renggli von der Gastgewerbe- und Gewerbepolizei sagt. Doch warum wurden die Bewilligungen erteilt, ohne abzuklären, ob die Führung eines gewerblichen Betriebs dort erlaubt ist? «Bei der Erteilung der Beherbergungsbewilligung wurde dies nicht explizit geprüft», räumt Renggli ein. Das sei bei Betrieben mit vielen Betriebsjahren in der Regel so. Er weist darauf hin, dass die Kontaktbar schon vor Bewilligungserteilung seit Jahrzehnten dort betrieben wurde und zonenkonform war.

Zur Diskussion steht heute die Bewilligung des Beherbergungsbetriebes. Aber: «Alle bestehenden Betriebe im Kanton Luzern permanent auf ihre Zonenkonformität zu überprüfen, da wäre der Aufwand zu gross und deshalb nicht sinnvoll», sagt Renggli. Klar ist: Wird die nun beantragte Umnutzung für den Beherbergungsbetrieb abgelehnt, fehlt künftig die rechtliche Grundlage für eine Bewilligung. Sprich: Das Bordell müsste schliessen. «Ein Entscheid wurde noch nicht gefällt.»

Harsche Kritik an den Behörden

Das Baugesuch für die Umnutzung wurde inzwischen eingereicht. Dieses war aber fehlerhaft, weshalb man eine neue Auflagefrist ansetzen musste. Der Altindustrianerverband Luzern hat dafür kein Verständnis. Erstmals äussert sich ein Vertreter gegenüber unserer Zeitung. Allerdings anonym. «Die Bordellbesitzer setzen alles daran, den Entscheid hinauszuzögern, weil sie an jedem Tag, der vergeht, kräftig Geld verdienen», kritisiert er. Und weiter: «Die Behörden sehen tatenlos zu und tolerieren die Weiterführung des seit Jahren rechtlosen Zustands – zu Gunsten der heutigen Bordellbetreiber und Eigentümer.» Der Altindustrianerverband fordert von den Behörden, dass sie den Betrieb einstellen, bis das Baugesuch behandelt worden ist. Da das Bordell aber seit so langer Zeit mit Beherbergungsbewilligung in Betrieb ist, wird dies gemäss Gastgewerbepolizei nicht möglich sein. «Das wäre nicht verhältnismässig», erklärt Urs Renggli.

Legen die Behörden damit den Hells Angels den roten Teppich aus? Gemäss einem Bericht von zentralplus.ch soll der Besitzer der besagten Stockwerke mit dem Motorradclub verbandelt sein. Tatsächlich trat ein bekanntes Mitglied Anfang Monat vor dem Bezirksgericht als Liegenschaftsverwalter der Räume auf (Ausgabe vom 8. November). Dem derzeitigen Betreiber hat der Besitzer nach eigenen Angaben auf Januar 2016 gekündigt. Ob danach die Hells Angels das Bordell übernehmen wollen, ist unklar.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.