LUZERN: Grosskontrolle für Kapellbrücke

Zum ersten Mal seit dem Brand 1993 muss das Dach der Kapellbrücke komplett ab- und wieder neu gedeckt werden. Und eine Expertise wird zeigen, ob es Schäden am Bauwerk hat.

Sarah Weissmann
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Sicht auf die Brücke von einem Gebäude an der Bahnhofstrasse. (Bild Pius Amrein)

Sicht auf die Brücke von einem Gebäude an der Bahnhofstrasse. (Bild Pius Amrein)

Morsche Schindeln, gebrochene Dachbalken und beschädigte Biberschwanzziegel: Ab kommendem Montag, 13. Oktober, werden an der Luzerner Kapellbrücke Instandhaltungsmassnahmen durchgeführt. Laut Markus Sigrist, Projektleiter Infrastrukturprojekte Abteilung Tiefbauamt, passiert dies im Rahmen des normalen Unterhalts: «Bei den jährlich durchgeführten Kontrollgängen sind an der Dacheindeckung und Dachkonstruktion der Kapellbrücke diverse Schäden festgestellt worden.»

Kosten: Bis zu 10 000 Franken

Aufgrund der Witterungseinflüsse sei es normal, dass das Holz morsch werde. Es müsse deshalb in regelmässigen Abständen ersetzt werden – auch, um zu gewährleisten, dass es nicht zu grösseren Schäden komme, erklärt Sigrist. Vor allem die Dachschindeln – dünne Holzstücke, die zwischen den Ziegeln und den Stützbalken liegen – seien dem Regen ausgesetzt und würden dadurch nach einer gewissen Zeit morsch.

Die Ausbesserungsarbeiten werden voraussichtlich bis am 17. Oktober dauern. Die Kapellbrücke bleibt für die Passanten während der Arbeiten begehbar. Die Kosten belaufen sich auf etwa 8000 bis 10 000 Franken und werden über die Stadtkassen abgerechnet.

Alle 15 bis 20 Jahre

Die Arbeiten von nächster Woche bilden zudem den Auftakt zu einer Grosssanierung und -kontrolle: Erstmals seit 1993, als die Kapellbrücke brannte (siehe Box), muss das Dach nächstes Jahr oder dann 2016 komplett umgedeckt werden. Das heisst: Sämtliche Ziegel werden in Etappen entfernt, dann wieder neu platziert. Defekte Ziegel sowie Hölzer werden ersetzt. Gut möglich, dass die Kapellbrücke während dieser Arbeiten gesperrt werden muss. Doch das wird laut Sigrist erst in einer späteren Phase entschieden.

«Die Kapellbrücke ist mit Biberschwanzziegeln und Dachschindeln gedeckt, und bei diesem Dachtyp ist es für die Langlebigkeit zwingend, das Dach alle 15 bis 20 Jahre umzudecken», erklärt Markus Sigrist. Um sicher zu sein, welche Instandstellungsmassnahmen genau nötig sind, hat die Stadt das Ingenieurbüro Lauber Ingenieure AG beauftragt, im Frühling 2015 den ganzen Oberbau der Kapellbrücke zu überprüfen. Die Expertise wird dann zeigen, was bis 2020 alles saniert werden muss.

Rare historische Tonziegel

Da die Kapellbrücke unter Denkmalschutz steht, wird die Instandstellung von Experten begleitet. Zudem muss vorgängig die Einwilligung der Kantonalen Denkmalpflege eingeholt werden.

«Die Biberschwanzziegel auf der Kapellbrücke sind historische, handgezogene Tonziegel. Wenn diese beschädigt sind, dürfen sie auch nur durch solche wieder ersetzt werden», erklärt Theresia Gürtler von der städtischen Denkmalpflege. Solche Ziegel werden rar in der Schweiz: «Als die Brücke abbrannte, haben wir von der Stadt Bern einen Teil der benötigten historischen Ziegel geschenkt bekommen, um so das Dach wieder mit einer historischen originalen Ziegeleindeckung herstellen zu können», sagt Gürtler. Heute habe man jedoch genügend solcher Ziegel auf Vorrat eingelagert und sei darauf eingestellt, dass Reparaturen gemacht werden müssten.

Der Grossbrand

In der Nacht auf den 18. August 1993 stand die Luzerner Kapellbrücke – erbaut 1367 – vollständig in Flammen und brannte fast komplett nieder. Über die verhängnisvolle Nacht wurde weltweit berichtet. Die Brandursache ist bis heute ungeklärt; als «am ehesten möglich» wird ein Zigarettenstummel genannt. Dieser soll das Feuer von einem der unter der Brücke vertäuten Boote aus verursacht haben. Nur acht Monate nach dem Brand, am 14. April 1994, wurde die neue Kapellbrücke eröffnet.