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LUZERN: Gruppentouristen füllen Kassen

Gruppentouristen erzeugen eine enorme Wertschöpfung in Luzern, heisst es in einer Studie von Bucherer. Den weitaus grössten Nutzen daraus ziehen die Uhren­geschäfte am Schwanenplatz.
Christian Hodel
Asiatische Touristen am Schwanenplatz. Gruppenreisende generieren eine Wertschöpfung von bis zu 350 Millionen Franken. (Bild Corinne Glanzmann)

Asiatische Touristen am Schwanenplatz. Gruppenreisende generieren eine Wertschöpfung von bis zu 350 Millionen Franken. (Bild Corinne Glanzmann)

Christian Hodel

Der Touristenmotor rollt. Über 1 Milliarde Franken wurden in dieser Branche im ganzen Kanton Luzern im vergangenen Jahr erwirtschaftet, wie eine Studie im Auftrag von Luzern Tourismus und der kantonalen Dienststelle Raum und Wirtschaft zeigt (Ausgabe vom 3. Juni). Insbesondere mehr Gruppenreisende sorgten in der Region für hohe Besucherfrequenzen. In einer eigenen Studie wollte die Bucherer AG als grösstes Uhren- und Schmuckgeschäft am Luzerner Schwanenplatz darum wissen, wie wichtig der Gruppentourismus am Schwanenplatz für Luzern ist. Die Studie wurde von der Zürcher Unternehmensberatungsfirma BHP Hanser und Partner erstellt.

Hälfte bleibt am Schwanenplatz

Vom Gruppentourismus am Schwanenplatz profitiert die ganze Region, lautet eines der Studienergebnisse, das in der Broschüre «Bucherer in Luzern» veröffentlicht wurde. Die durch Reisegruppen generierte Wertschöpfung beträgt 300 bis 350 Millionen Franken. Zum Vergleich: Das entspricht rund einem Drittel der touristischen Wertschöpfung, die 2014 im Kanton Luzern erzielt wurde. Unter dem Gruppentourismus verstehe man «hauptsächlich ausländische Gruppen, die für einen Tag oder mehrere Tage nach Luzern reisen», sagt Jörg Baumann, Direktor Marketing der Bucherer AG. Gemäss Studie bleibt die Hälfte der durch den Gruppentourismus am Schwanenplatz ausgelösten Wertschöpfung bei den Geschäften am Grendel/Schwanenplatz in der Stadt Luzern – nämlich zwischen 134 und 160 Millionen Franken. Die Firmen, Hotels oder Geschäfte in der übrigen Stadt Luzern profitieren mit rund 30 Prozent oder 78 bis 97 Millionen Franken. Die restlichen 20 Prozent (zwischen 56 und 63 Millionen Franken) geben die Gruppentouristen in der Region Luzern rund um den Vierwaldstättersee aus. Baumann: «Darunter sind etwa Bergbahnen aus der Region oder Transportunternehmen.»

Warum lässt die Bucherer AG überhaupt eine Studie in Auftrag geben? Ist dies eine Reaktion auf die anhaltende politische Diskussion rund um die Carparkplätze beim Schwanenplatz? Baumann: «Für uns ist es wichtig, in diesem Bereich mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden.» Und es sei wichtig, dass die Luzerner verstehen würden, «dass wir alle von den Touristen profitieren».

Hotels profitieren weniger

Vom Gruppentourismus profitieren nicht alle gleichermassen. Ein grosser Teil der Gruppentouristen in Luzern sind Tagesgäste. Sie übernachten nicht hier, sagt Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern. Hotels würden vom Gruppentourismus – vor allem von jenem aus dem asiatischen Raum – in der Tendenz also weniger profitieren als etwa Schmuck- und Uhrengeschäfte.

Dies bestätigt Patric Graber, Präsident von Luzern Hotels und Direktor des Hotels Waldstätterhof in der Stadt Luzern. Oft haben asiatische oder amerikanische Gruppenreisende ein gedrängtes Programm, da sie in wenigen Tagen durch halb Europa reisen, sagt er. «Viele der klassischen Gruppen sind Tagestouristen, die nicht in Luzern übernachten, sondern wegen der Sehenswürdigkeiten und dem Einkaufen nach Luzern kommen.» In seinem Hotel würden Gruppenreisende einen kleinen Teil der Bettenauslastung ausmachen, so Graber. Von den 1,9 Millionen im vergangenen Jahr registrierten Logiernächten in Hotels im Kanton Luzern seien rund 20 Prozent auf Gruppentouristen zurückzuführen – so die Schätzung der Luzerner Hoteliers.

Trend hin zu kleineren Gruppen

Muss man als Hotelier nicht versuchen, Gruppenreisende dazu zu bewegen, in Luzern zu übernachten? Graber: «Es gibt durchaus Hotels, die sich auf solche Reisegruppen spezialisiert haben.» Zudem müsse man zwischen den verschiedenen Reisegruppen unterscheiden. «Die Zukunft geht meines Erachtens dahin, dass viele Reisende künftig in kleineren Gruppen unterwegs sein werden. Dies beobachte ich derzeit vor allem bei den chinesischen Gästen, die vielfach heute schon in Gruppen von zehn Personen Luzern besuchen.»

Diesen Trend bestätigt Sibylle Gerardi, Mediensprecherin der Luzern Tourismus AG. Der heute in der Stadt Luzern wichtigste Auslandmarkt USA habe sich beispielsweise über die Jahre hinweg «von mehrheitlich Gruppen zu mehrheitlich Individualgästen entwickelt», sagt sie. Bei den chinesischen Touristen ist eine solche Entwicklung zumindest im Moment nicht möglich, wie Gerardi weiter erklärt. Diese schliessen sich nicht nur aus sprachlichen Gründen in Gruppen zusammen, sondern auch, weil sich so der Aufwand für ein Europa-Visum besser bewältigen lässt. Meist wird das Visum von den Tourveranstaltern organisiert. Laut Gerardi geht man «generell davon aus, dass der Gruppentourismus für Luzern wichtig bleibt». Es gebe aber einen Trend hin zu kleineren Gruppen.

Gruppentouristen geben mehr aus

Gruppenreisende sind zahlungsfreudiger als Individualtouristen. Im Durchschnitt gibt ein Schweizer Tagesgast rund 60 Franken in der Region aus, ein Geschäftsreisender 40 Franken. Ein asiatischer Gruppentourist wiederum lässt pro Tag 350 Franken liegen, wie der Studie von Luzern Tourismus zu entnehmen ist. Laut Jürg Stettler geben Gruppengäste ihr Geld zudem konzentrierter aus – etwa für den Uhrenkauf. Auch Jörg Baumann sagt: «Die ausländischen Gruppenreisenden, hauptsächlich asiatische Reisegruppen, haben ein anderes Ausgabeverhalten als etwa Schweizer Tagestouristen.» So kauft laut der Studie von Luzern Tourismus jeder dritte chinesische Tourist während seines Aufenthalts eine Uhr. Weiter halten die Verfasser fest, dass durchschnittlich bei einem Uhrenkauf am Schwanenplatz rund 4000 Franken ausgegeben werden.

Im gesamtschweizerischen Vergleich übernachten in Luzern viele Gäste mit sehr hohen Tagesausgaben, kommen die Studienverfasser weiter zum Schluss. Geben 15,7 Prozent aller Übernachtungsgäste in der Schweiz über 250 Franken pro Tag aus, sind es im Kanton Luzern 19,8 Prozent – und in der Stadt Luzern gar 27 Prozent. «Luzern hat im Bereich des Tourismus sicherlich einen guten Job gemacht», sagt Stettler. Neben den grösseren Städten sei Luzern eine von wenigen Destinationen, welche in den vergangenen Jahren sukzessive Gäste gewinnen konnte.

Wie viele Touristen verträgt die Region Luzern?

chh. Der Gruppentourismus in und rund um Luzern hat auch Schattenseiten. Dies etwa in Form von Verkehrsproblemen, wie die anhaltenden Diskussionen rund um die Carparkplätze am Schwanenplatz zeigen. Aufgrund der Prognosen sei mit einem weiteren Wachstum im Tourismus zu rechnen, sagt Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern. Kann Luzern also die Touristen in einigen Jahren gar nicht mehr schlucken?

«Braucht politische Entscheide»

«Es stellt sich früher oder später die Frage, wie viele Touristen Luzern künftig vertragen kann», sagt Stettler. Aufgrund der unterschiedlichen Interessen und Vorstellungen der verschiedenen Partner und der Bevölkerung sei diese Frage aber nicht einfach zu beantworten. «Letztlich braucht es dazu grundsätzliche strategische und politische Entscheide.»

Angesprochen auf die Carproblematik am Schwanenplatz verweist Sibylle Gerardi, Mediensprecherin von Luzern Tourismus, auf die Arbeitsgruppe Cartourismus, die zuhanden der Stadt Massnahmen evaluiert hat. Seit Mai testet die Stadt Luzern ein neues Car-Regime. Die Cars dürfen zwischen 17 und 20 Uhr nur noch am Schwanenplatz anhalten, um die Touristen aussteigen zu lassen. Einsteigen müssen diese dann am Löwenplatz. «Die Lösung, die mit dem aktuellen Car-Regime gefunden wurde, funktioniert», sagt Gerardi.

«Ein zweischneidiges Schwert»

Das neue Regime habe sich rund um den Schwanenplatz bewährt, sagt auch Pierre Rügländer, Präsident des Quartiervereins Altstadt. «Als Nebenerscheinung sammeln sich die Reisegruppen nun aber, bevor sie in Richtung Löwenplatz zum Einsteigen gehen, am Schwanenplatz.» Jedoch würden sich die Reisegruppen ruhig und anständig verhalten. «Mir sind keine negativen Rückmeldungen bekannt.»

Vom neuen Car-Regime und den Reisegruppen rund um den Löwenplatz direkt betroffen ist Marc Germann, Präsident des Quartiervereins Hochwacht. Er sagt: «Der Gruppentourismus in Luzern ist ein zweischneidiges Schwert.» Einerseits sei er für die Geschäfte am Löwenplatz und beim Löwendenkmal absolut zentral. «Andererseits ist er durch die starke Konzentration am Löwendenkmal auch ein Stück weit ein Ärgernis.» Zum neuen Car-Regime sagt Germann: «Es gibt regelmässig Aussprachen mit der Stadt Luzern. Es läuft nicht schlecht im Moment.» Schade sei aber, dass noch immer keine baulichen Massnahmen vorgenommen worden seien. So bräuchte es laut Germann dringend neue Fussgängerstreifen und Anpassungen bei den Trottoirs, weil die bestehenden durch die vielen Touristen überlastet seien.

Ihm seien betreffend Verkehrsprobleme wegen Gruppenreisenden keine Rückmeldungen bekannt – weder positive noch negative, sagt Hugo P. Stadelmann, Präsident des Verbands der Quartiervereine der Stadt Luzern.

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