LUZERN: Günstiger Wohnraum und keine Mieter

An der Zürichstrasse steht ein Haus grösstenteils leer. Das Gebäude soll saniert werden, doch der Besitzer hat sich beim Zeitplan gründlich verschätzt.

Sandra Monika Ziegler
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Das Haus an der Zürichstrasse 48 soll umfassend saniert werden. (Bild Roger Grütter)

Das Haus an der Zürichstrasse 48 soll umfassend saniert werden. (Bild Roger Grütter)

Die Briefkästen sind unbenannt und mit Werbung vollgestopft, die Klingelschilder namenlos. An der Zürichstrasse 48 ist nicht viel los. An der Eingangstüre ist ein Zettel angebracht: 2-Zimmer-Wohnung im 5. Stock, 60 Quadratmeter, zwei Balkone, sind für 1059 Franken zu haben, inklusive Nebenkosten. Ein guter Preis für eine Wohnung in der Stadt Luzern. Mit der Vermietung ist die Verwaltungsgesellschaft Livit beauftragt.

Befristete Mietverträge möglich

Doch warum sind die Wohnungen leer? Eine Frau aus dem Quartier kann da weiterhelfen. Sie erzählt, dass alle im Haus die Kündigung bekommen hätten, deshalb seien auch viele schon ausgezogen. Denn im Brief stand, dass Anfang 2015 alle draussen sein müssen.

Die Kündigungen wurden zu früh ausgesprochen, wie sich später herausstellte. «Vor zwei, drei Wochen kam wieder ein Brief, da stand, dass die Mieter bis März 2017 bleiben können», erzählt die Frau weiter. Denen, die ausgezogen sind, nütze das letzte Schreiben jedoch herzlich wenig, meint sie und fügt an, dass die Neuen, die sich für eine Wohnung melden, auch nur einen befristeten Vertrag bis März 2017 bekommen würden.

Doch dass im März 2017 wirklich Schluss ist, daran glaubt sie nicht: «Die reden schon seit zehn Jahre davon. Das ist doch einfach ärgerlich, das kann nämlich gut wieder länger dauern.»

Dass sich demnächst etwas tut, ist auch dem Quartierblatt Hochwacht zu entnehmen. Dort war zu lesen, dass die beiden Gebäude an der Zürichstrasse 48 und Wesemlinstrasse 2 zusammenwachsen werden. Und die Baupläne, die im Herbst 2014 öffentlich auflagen, zeigen das gleiche Bild.

Totalsanierung geplant

Die beiden Gebäude hat die Anlagestiftung Swiss Life gekauft. Dass die Sanierung nötig ist, bestätigt Swiss Life auf Anfrage. Denn die Liegenschaft stamme aus den 60er-Jahren und habe sogar einen aufgestauten Sanierungsbedarf, wie Kommunikationschef Florian Zingg erklärt. Er fügt an: «Die Sanierung betrifft alle möglichen Facetten: von der Gebäudestruktur über die technische Infrastruktur bis hin zur Energieeffizienz. Die Anlagestiftung Swiss Life plant deshalb eine Totalsanierung der Liegenschaft.»

Da die Eingriffe weit in die Gebäudestruktur gehen, ist eine Sanierung unter Vermietung nicht möglich. Laut Zingg werden die Grundrisse verändert, dazu kommen ein neuer Ergänzungsbau und eine Erweiterung des Attikageschosses. Zudem wird die Lücke zwischen den beiden Gebäuden geschlossen, was dem heutigen Doppelbau ein neues Gesicht geben wird. Die gemischte Nutzung werde aber beibehalten. Dazu Zingg: «Es wird wieder Verkaufsflächen im Erd- und teilweise auch im ersten Obergeschoss, Büroräumlichkeiten und Wohnungen in den weiteren Stockwerken geben.»

Beschwerde eingereicht

Das Projekt sei am 3. Dezember 2014 vom Luzerner Stadtrat bewilligt worden, so Zingg. Doch es sei auch eine Beschwerde eingereicht worden. Zingg: «Wir rechnen damit, dass sich der Baustart von Anfang 2016 um etwa ein Jahr verzögern wird – dies ist natürlich abhängig vom Verfahren.» Selbstverständlich werde man in dieser Zeit den Mietern mit entsprechenden Verlängerungen der Mietverhältnisse entgegenkommen, falls dies von den Mietern gewünscht werde.

Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche bei der Stadt Luzern, bestätigt, dass beim Kantonsgericht noch eine Beschwerde hängig ist. Hofmann: «Die Beschwerde richtet sich gegen die Baubewilligung und wurde am 15. Januar 2015 beim Kantonsgericht eingereicht.» Wie lange das Verfahren dauern wird, kann Hofmann nicht sagen.

Fust bleibt bis März 2017

Ebenfalls im Gebäude an der Zürichstrasse ist eine Filiale der Fust AG. Der Elektronikhändler bleibt dort bis März 2017. Was danach kommt, ist jedoch ungewiss. Nachdem die Migros und nicht, wie ebenfalls im Gespräch, Coop zur Ankermieterin in der neuen Mall of Switzerland in Ebikon wurde, wird die Fust AG dort keine Filiale eröffnen. In der Filiale an der Zürichstrasse teilen sich der Geschäftsleiter und die Teilzeitangestellten rund 190 Stellenprozente. Zur Zukunft der Angestellten und der Filiale kann die Fust AG keine Angaben machen. Dazu Sabine Weber, Assistentin des Unternehmensleiters: «Wir haben leider zurzeit keine weiteren Informationen zur Zukunft dieser Filiale.»