LUZERN: «Gütsch»-Hoteldirektor musste gehen

Gérard Olivier Kuhn (33) ist nach nur einem halben Jahr nicht mehr Direktor des Hotels Gütsch. Offenbar stellte der Verwaltungsrat zu hohe Ansprüche.

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Kurz vor der Wiedereröffnung des Hotels Château Gütsch Anfang Mai: Direktor Gérard Olivier Kuhn (links) und der nach wie vor im Einsatz stehende Chefkoch Andreas Haseloh. (Bild Nadia Schärli)

Kurz vor der Wiedereröffnung des Hotels Château Gütsch Anfang Mai: Direktor Gérard Olivier Kuhn (links) und der nach wie vor im Einsatz stehende Chefkoch Andreas Haseloh. (Bild Nadia Schärli)

Die Ruhe um das Hotel Château Gütsch in Luzern währte nur kurz. Sechs Monate nach der Wiedereröffnung Ende Mai steht das Schlosshotel ohne Direktor da. Gemäss einer mittlerweile gelöschten Meldung auf der Hotelwebsite bedankt sich das Team des Château Gütsch «bei Herrn Kuhn für sein Engagement vor, während und nach der Eröffnungsphase des Hotels und wünscht ihm auf seinem weiteren Berufsweg alles Gute».

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt Gesa Eichler, Geschäftsführerin der Gütsch Immobilien AG, eine Meldung von «20 Minuten»: «Die Château Gütsch Management AG und ihr bisheriger Resident Manager Gérard Olivier Kuhn haben die Zusammenarbeit in beiderseitigem Einvernehmen per Ende November 2014 beendet.» Weitere Angaben, insbesondere über die Gründe der Trennung, macht Eichler nicht.

Schwache Umsatzzahlen?

Hätte Kuhn (33) gekündigt, wäre es auf eine Formulierung wie «… verlässt das Hotel auf eigenen Wunsch» hinausgelaufen. Wie Quellen aus dem Umfeld des Schlosshotels berichten, sei der Verwaltungsrat mit Kuhns Gastgeberqualitäten nicht zufrieden gewesen: Er habe sich den Gästen zu wenig gezeigt. Anlass zu Kritik hätten auch die Zahlen gegeben.

Kurz vor der Wiedereröffnung im Mai sagte Verwaltungsrat Michael Millership unserer Zeitung zur finanziellen Herausforderung: «Wir alle sind uns bewusst, dass es schwierig werden wird. Natürlich wird das Hotel keine riesigen Gewinne erzielen. Wenn es kostendeckend läuft, sind wir zufrieden.»

Stichproben bezüglich Buchungsrate per Web-Formular lassen einen anderen Schluss zu: Sowohl das Restaurant als auch das Hotel sind über die in der Branche so wichtigen Feiertage nicht im Ansatz ausgebucht. Schon in der Vergangenheit stellten Branchenexperten die Rentabilität des Hotels mit 25 Zimmern und zwei Suiten in Frage – zumal der Erweiterungsbau Baluardo nicht realisiert worden ist. Kuhn habe diesbezüglich von Anfang an einen schweren Stand gehabt, berichten Quellen unserer Zeitung weiter. Auch deshalb hätten erfahrenere Kandidaten abgesagt.

Neue Stelle in Beckenried

Gérard Olivier Kuhn geht auf Details nicht ein, sagt aber auf Anfrage: «Die Trennung erfolgte beiderseits einvernehmlich und hatte mit unterschiedlichen strategischen Ausrichtungen zu tun.» Die Erfahrung sei wertvoll gewesen. Kuhn hat bereits eine neue Stelle angetreten. Seit Anfang Dezember ist er Geschäftsführer des Hotels Seerausch in Beckenried. «Mir gefällt es sehr, und ich bin glücklich», sagt der Berner.

Auftrieb für Schräglift-Kritiker

Das Vertragsende zwischen Kuhn und seinem Arbeitgeber fällt mit der Abstimmung über einen Beitrag zum neuen Gütsch-Lift zusammen: Am 30. November haben 54,4 Prozent der Luzerner Stimmbürger einem Kredit über 1,73 Millionen Franken zugestimmt. Gegner wie die städtischen Parteien CVP und FDP kritisierten unter anderem, die Château Gütsch Immobilien AG (CGI) sei ein unzuverlässiger Partner.

CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach fühlt sich nun durch den Abgang von Direktor Gérard Olivier Kuhn bestätigt: «Die einzige Konstante seit Einzug der CGI ist die Unkonstanz. Der Personalwechsel ist der Vertrauensbildung nicht gerade förderlich.» Der nächste Prüfstein stehe nun im kommenden Mai an. Dann soll der Schräglift gemäss CGI in Betrieb gehen.

Seitens der Stadt Luzern will man Kuhns Abgang nicht kommentieren. Es bestehe nach wie vor ein gültiger Vertrag mit der CGI, was den Schräglift betreffe, heisst es auf Anfrage. Patric Graber, Präsident von Luzern Hotels, nimmt den Personalwechsel auf Anfrage zur Kenntnis: «Ich hoffe, dass bald eine Lösung gefunden wird.»

Interimistisch führt nun Gesa Eichler den Hotelbetrieb. Laut Eichler sind bereits Bewerbungen für den vakanten Posten eingegangen – derzeit würden Gespräche mit Kandidaten aus dem In- und Ausland laufen. «Spätestens zu Beginn des neuen Jahres werden diese Gespräche beendet sein.» Ob auch Luzerner Bewerber darunter sind, wollte Eichler nicht kommentieren.

Verwaltungsrat sucht persönlich

Auf einer mittlerweile gelöschten, englischsprachigen Meldung der Hotel-Website heisst es, dass die Nachfrage für den Direktorenposten gross sei. Wie unsere Zeitung weiss, hat der britische Verwaltungsrat Michael Millership auch schon persönlich den Kontakt zu möglichen (Luzerner) Interessenten gesucht.

Alexander von Däniken