LUZERN: «Gütsch»: Stadt kann Ultimatum stellen

Die «Gütsch»-Baustelle steht praktisch still. Die Stadt kann den Bauherren eine Frist setzen. Dennoch zögern die Verantwortlichen.

Daniel Schriber
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Das Château Gütsch in Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Das Château Gütsch in Luzern. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

«Die Situation auf dem Gütsch ist bedauerlich», sagt Marcel Perren. Der Luzerner Tourismusdirektor hat keine Ahnung, wie es mit dem Schlosshotel weitergeht. «Es ist sehr schade, dass dieses Wahrzeichen der Stadt so lange leer steht.» Gleich tönt es bei Fritz Erni, der bis Ende Mai dieses Jahres das Restaurant Gütsch führte. «Sehr schade, dass sich nun offensichtlich das ‹Worst-Case-Szenario› für unser geliebtes Luzerner Wahrzeichen abzeichnet.»

Was der «Montana»-Direktor damit meint, wurde bereits Anfang Woche in dieser Zeitung thematisiert: Die Renovationsarbeiten kommen mit Ausnahme des Abrisses der Gütschbahn-Talstation praktisch nicht vorwärts. Der Betrieb wurde nicht wie zuerst angekündigt im August 2012, nicht im Oktober und auch nicht Ende November wiedereröffnet. Die «Gütsch»-Türen bleiben bis auf Weiteres zu. Das Hotel erweckt immer mehr den Eindruck, bloss ein Spekulationsobjekt für dessen russischen Eigentümer Alexander Lebedev zu sein.

Von Eröffnung «weit entfernt»

Die Misere um das Schlosshotel sorgt auch bei den Vertretern der Stadtverwaltung für Stirnrunzeln. Die zuständige Baudirektorin Manuela Jost will sich derzeit nicht zum Thema äussern und verweist an Jürg Rehsteiner, Stadtarchitekt und Leiter Städtebau. Dieser spricht von einer schwierigen Situation, die von den Behörden beobachtet werde. «Von einer Wiedereröffnung ist der Betrieb offensichtlich weit entfernt.»

Trotz der schwierigen Umstände hat die Stadt die Möglichkeit, in Sachen «Gütsch» aktiv zu werden. Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche der Stadt Luzern, erklärte bereits Ende Mai gegenüber unserer Zeitung, dass die Stadt im Falle eines Bauunterbruchs die Möglichkeit hat zu reagieren. Zwar verbiete das Planungs- und Baugesetz eine Unterbrechung der Bauarbeiten nicht. Jedoch sei nach einem Unterbruch eine Frist zur Vollendung der Arbeiten zu setzen. «Nach Ablauf dieser Frist erlischt die Baubewilligung endgültig.»

Konkret heisst das: Die Stadt könnte Alexander Lebedev ein Ultimatum setzen. Entweder der russische Eigentümer führt das Bauprojekt wie geplant fort, oder er verliert seine Bewilligung dafür. Der Luzerner Anwalt und Baurechtsexperte Beat Mühlebach hatte in der Vergangenheit mit Bauprojekten zu tun, bei denen aufgrund eines Bauunterbruchs eine entsprechende Frist gesetzt wurde. «Die Fristen sind verbindlich und können gesetzt werden, sobald die Bauarbeiten unterbrochen werden und baurechtliche Bestimmungen verletzt werden», sagt Mühlebach. Das könnte etwa dann der Fall sein, wenn die betroffene Baustelle an besonders exponierter Lage steht und der nicht vollendete Bau das Orts- oder Landschaftsbild beeinträchtigt. Auch könne eine Frist gesetzt werden, wenn die Baubewilligung mit einer Auflage an einen Projektfahrplan gekoppelt sei, der von der Bauherrschaft nicht eingehalten werde. Ausserdem müssen in jedem Fall die unterschiedlichsten Interessen gegeneinander abgewogen werden. Im Falle des «Gütschs» bedeutet dies: die Interessen der Stadt, der Eigentümerschaft, aber auch der Bevölkerung. «Das ‹Gütsch› hat als Wahrzeichen der Stadt Luzern eine besondere Bedeutung für die Bevölkerung», so Mühlebach.

Obwohl die Möglichkeit der Fristsetzung besteht, hat die Stadt bisher nicht davon Gebrauch gemacht. Stadtarchitekt Rehsteiner begründet dies damit, dass der Fall zuerst intern – unter anderem mit Einbezug der verantwortlichen Stadträtin Jost – geprüft werden müsse. Dieses Jahr wird dies nicht mehr geschehen, Anfang 2013 sei jedoch mit einer Standortbestimmung zu rechnen. Dass ein Bauprojekt nach erfüllter Startphase unterbrochen werde, sei zwar nicht ungewöhnlich, erklärt Anwalt Mühlebach. «Ich möchte der Bauherrschaft deshalb keinen Missbrauch unterstellen.» Das tut auch der Stadtarchitekt nicht. Die Stadt habe in letzter Zeit jedoch deutlich zu spüren bekommen, wie schwierig es ist, mit der Besitzerschaft zu kommunizieren.

Kein Kontakt zum Eigentümer

Missbrauch oder nicht – Klarheit in dieser Frage könnte der Eigentümer Alexander Lebedev schaffen. Eine Nachfrage bei dem russischen Milliardär blieb diese Woche jedoch ohne Ergebnis. Auch die Moskau-Korrespondentin unserer Zeitung kam nicht an den «Gütsch»-Eigentümer heran. Von Bernard P. Schiess, dem einzigen Verwaltungsrat der Château Gütsch Immobilien AG, gibts ebenfalls keine Auskunft. Diese Situation ist auch für Marcel Perren unbefriedigend. «Ich hoffe, dass es bald eine Lösung gibt», so Perren.