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LUZERN: «Guuggen, bis die Orgeln glühen»

Die Pfarrei St. Leodegar im Hof holt die Fasnacht in die Kirche. Pfarrer Beat Jung sang gestern seine Predigt in Reimform.
Guugger-Gottesdienst mit den Chottlebotzer Lozärn in der Hofkirche. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Guugger-Gottesdienst mit den Chottlebotzer Lozärn in der Hofkirche. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Bis auf den letzten Platz war gestern die Hofkirche besetzt. Einige Besucher mussten die Messe gar stehend verfolgen. Getreu dem Motto des Gottesdienstes «Guuggen, bis die Orgeln glühen» zog Hoforganist Wolfgang Sieber alle Register. Zusammen mit der Guuggenmusig Chottlebotzer Lozärn verlieh er dem Gottesdienst eine ganz besondere Note. «Wir kommen sehr gerne in die Hofkirche. Die Akustik hier ist genial», schwärmte David Soto, Tambourmajor der Chottlebotzer. Unter den rund 900 Besuchern war auch Schwester Paulinia vom Orden der Rita-Schwestern. Ihr hats gefallen. «Guuggenmusig macht Freude, und Freude gehört auch in die Kirche.»

Topaktuelle Themen

Für Pfarrer Beat Jung war die gestrige Fasnachtspredigt zugleich die letzte. Er tritt im Sommer als Pfarrer der Hofkirche zurück. Deshalb gab er nochmals so richtig Gas. Singend in Reimform hielt er seine Predigt und baute dabei humoristische, aktuelle Elemente ein. Dafür gabs immer wieder Zwischenapplaus und spontane Lacher. Sogar die Selfie-Geschichte machte vor dem St. Leodegar im Hof nicht Halt:

«Die Selfie-Mania grassiert, sei auf der Hut, gibt Acht! Was da verschickt wird, das schockiert. Sei auf der Hut, gib Acht!»

Oder: «Des Bischofs Stab, das ist der Trick: Sei auf der Hut, gib Acht! Den nützt man jetzt als Selfie-Stick! Sei auf der Hut, gib Acht!»

Einen Seitenhieb gabs auch an die Adresse des Unesco-Weltkulturerbes. Der Bundesrat schlägt bekanntlich die Basler und nicht die Lozärner Fasnacht als Weltkulturerbe vor. Hoforganist Wolfgang Sieber nahm sich diesem Thema an und intonierte das Baslerlied «Z Basel an mym Rhy, jo, dert mecht i sy.»

Auch das Gästival bekam sein Fett ab:

«Das Gästival uns freundlich trimmt: Sei auf der Hut, gibt Acht, dass letztlich dann der Preis auch stimmt!»

Es war ein gehaltvoller Gottesdienst, der unter die Haut ging und die Kirche zeitweise zum Vibrieren brachte. Es war aber auch ein Gottesdienst der Stille, Besinnung und Andacht zuliess. Dabei spielte Pfarrer Beat Jung eine nicht unwesentliche Rolle. Unter anderem zitierte er Wilhelm Busch: «Gedanken sind nicht stets parat. Man schreibt auch, wenn man keine hat.»

«Kein Rambazamba»

Doch braucht die Fasnacht auch besinnliche Momente, Zeit zum Innehalten und Herunterfahren? «Unbedingt», sagt Urban Schwegler, Mediensprecher der Katholischen Kirche Stadt Luzern. «Ein Fasnachtsgottesdienst ist kein Rambazamba. Er wird wie jeder andere Gottesdienst würdig gefeiert. Es gibt neben den lauten Momenten auch solche der Stille und zum Nachdenken.»

Im Vergleich zu einer Guuggenmusig kann auch eine festliche Orchestermesse mit Orgel, Pauken und Trompeten ziemlich laut sein. Viele Menschen fragen sich: Orgel und Guuggenmusig geht das? Dazu Organist Wolfgang Sieber: «Unsere grosse Hoforgel ist wie unsere Gesellschaft: hölzerne, eiserne, grosse, dicke, dünne, laute, leise Pfeifen. In unserer Gesellschaft gibt es Solisten, Stars, aber auch Gruppierungen. Ich habe das Privileg, mit der beweglichsten Orgel überhaupt, jegliche Gruppierung, welche Lust und Freude hat, begleiten zu dürfen: zusammen sind wir Hof, Pfarrei, Luzern, Schweiz ...»

Monika van de Giessen

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