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LUZERN: Halbe Briefmarke soll Tausende einbringen

Morgen wird ein kurioser Brief aus Obwalden versteigert. Er ist heute so wertvoll, weil sich 1854 ein Posthalter nicht an die Vorschriften hielt.
Romano Cuonz
Eine halbe 10-Rappen-Marke (links unten) entspricht einer 5-Rappen-Marke: So die Logik von 1854. (Bild: PD)

Eine halbe 10-Rappen-Marke (links unten) entspricht einer 5-Rappen-Marke: So die Logik von 1854. (Bild: PD)

Romano Cuonz

Heute und morgen findet in Luzern die 56. Internationale Briefmarkenauktion statt. Das grösste Highlight morgen Freitag ist «ein Faltbrief mit einer Strubel-Diagonalhalbierung», wie Christian Holling sagt. Er ist Kommunikationschef der Luzerner Rölli-Schär AG, der wohl ersten Adresse für Briefmarken in der Zentralschweiz. Mit «Strubel-Diagonalhalbierung» ist die entzweigeschnittene Briefmarke gemeint. Der Brief ging im Jahr 1854 von Giswil nach Sachseln. An der heutigen Auktion wird er mit einem Start- oder Mindestpreis von 1500 Franken unter den Hammer gebracht. «Wir erhoffen allerdings, ein Angebot von 3000 bis 4000 Franken zu erzielen», sagt Holling. In einem Briefmarken-Katalog der 1980er-Jahre waren derlei Objekte gar noch mit einem Wert von rund 10 000 Franken aufgeführt. «Weil es immer weniger junge Sammler gibt, haben Briefmarken in den letzten Jahren stark an Wert verloren», räumt Holling ein.

Bei Ausländern begehrt

Der seltene und auf seine Art auch kuriose Brief stammt, wie Recherchen ergaben, aus der Sammlung des verstorbenen Sachslers Franz Grab. Er war einer der wohl passioniertesten und auch versiertesten Obwaldner Philatelisten. Eigentlich sei ihnen der Gewinn eher nebensächlich, beteuern die Nachkommen des Sammlers, die mit Philatelie selber wenig am Hut haben. «Mir wäre es wichtig, dass dieses Objekt, an dem Franz als Sammler von alten Obwaldner Heimat-Spezialitäten sehr gehangen hat, wieder zu jemandem käme, der es zu schätzen weiss», meint die Witwe Marthel Grab. Ihr Berater, der Hergiswiler Kenner und Sammler Erwin Lussi, weiss allerdings nur zu gut, wie schwierig das heute ist. «Leider gibt es in unserer Gegend nicht mehr viele passionierte ‹Altheimat-Sammler›, oft sind es eher noch Ausländer, die solche Objekte schätzen und sammeln.»

Zehner- oder Fünfermarke?

Erwin Lussi liebt vor allem die Geschichten, die hinter solchen Marken und Briefen stecken. Schon oft hat er sie an Veranstaltungen im Kanton Nidwalden interessierten Zuhörern erzählt. Die Geschichte des vorliegenden Briefes sei ganz besonders lustig, schmunzelt der Fachmann. Wahrscheinlich habe der Posthalter in Giswil gerade keine Fünfermarke mehr gehabt, als der Kunde mit dem Brief für einen Adressaten in Sachseln vorbeigekommen sei. Zu dieser Zeit aber habe ein Brief der Gewichtsstufe bis zu 7,8 Gramm im Briefkreis bis zu zwei Wegstunden genau 5 Rappen gekostet. Für das Porto einfach 10 statt die nötigen 5 Rappen zu bezahlen, sei damals keinesfalls in Frage gekommen. «Um 1854 haben die Leute über wenig Geld verfügt, mit 5 Rappen konnten sie noch mehrere Eier oder Brot kaufen», erklärt Lussi. Deshalb habe der Giswiler Posthalter etwas gemacht, das eigentlich die eidgenössische Postdirektion strengstens untersagt hatte: Er habe die preussischblaue 10-Rappen-Marke mit der sitzenden Helvetia sorgfältig diagonal halbiert und nur die rechte obere Hälfte auf den untersten Rand des Briefes aufgeklebt. Darauf habe er sie mit einem Stempel korrekt entwertet. «Weil es nur selten vorkam, dass Posthalter sich so gegen Vorschriften der Obrigkeit auflehnten, sind derlei Briefe äusserst rar», weiss Erwin Lussi. Und die «Moral von der Briefmarken-Geschichte»: Wer den Fünfer auf der halben Marke nicht ehrt, ist des ganzen Zehners nicht wert!

Der Prüfer Urs Hermann aus Liestal gibt dem seltenen Dokument ausgezeichnete Noten. Im «Philatelisten-Fachjargon» tönt das dann so: «Sehr guter, oben und rechts voll- bis meist weissrandiger Markenschnitt. Eckbugspur links oben; bildseitig leicht faserig. Briefbogen mit Altersspuren und (rückseitig) nicht vollständig. Sehr seltener Halbierungsbeleg, sauber entwertet, in guter Erhaltung.» Wie auch immer: Allein die Geschichte ist das Geld für dieses Dokument wert.

Hinweis: Die 56. Internationale Briefmarkenauktion findet heute und morgen bei der Rölli-Schär AG an der Seidenhofstrasse 2 in Luzern statt. www.roelliphila.ch

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