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LUZERN: «Handwerker» floh aus Wauwilermoos

Der gesuchte Trickdieb floh im Juni aus der Strafanstalt Wauwilermoos. Zur öffentlichen Fahndung kam es jedoch erst einen Monat später.
Sandra Monika Ziegler

Sandra Monika Ziegler

Der 32-jährige Mann, der sich als falscher Handwerker Einlass in Wohnungen beschaffte und so Bargeld und Wertsachen stehlen konnte, ist weiterhin auf der Flucht. Die Luzerner Polizei veröffentlichte am Dienstag einen Fahndungsaufruf mit einem Foto des mutmasslichen Täters (gestrige Ausgabe). Der letzte Vorfall ereignete sich am Montag an der Bleicherstrasse in Luzern. Dabei wurde das Opfer vom Täter im Badezimmer eingeschlossen.

Erstmals 2013 verhaftet

Bereits im Jahr 2012 hatte die Luzerner Polizei vor falschen Handwerkern oder sogenannten Experten gewarnt. Recherchen unserer Zeitung haben nun ergeben, dass es sich beim aktuell gesuchten Täter um einen der damaligen «Experten» handelt. Dies bestätigte Kurt Graf, Chef Kommunikation Luzerner Polizei, gestern auf Anfrage. Der heute 32-jährige Mann wurde Ende 2013 verhaftet. Laut damaliger Medienmitteilung der Luzerner Polizei wurden in seiner Wohnung über 500 entwendete Schmuckstücke und eine Hanf-Indooranlage sichergestellt. Dem Mann wurden insgesamt 70 Trickdiebstähle mit einer Deliktsumme von knapp 400 000 Franken vorgeworfen. Das meiste Diebesgut hatte er verkauft, um seine Schulden zu tilgen oder Betäubungsmittel zu kaufen.

Über fünf Jahre Freiheitsstrafe

Damals wurde er wegen diverser Delikte verurteilt. Die Liste ist lang: Gewerbsmässiger Diebstahl, Sachbeschädigung, Hehlerei, Hausfriedensbruch, Übertretung nach Artikel 19a des Betäubungsmittelgesetzes (mehrfach), grobe Verletzung der Verkehrsregeln, Fahren in fahrunfähigem Zustand, Führen eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis, missbräuchliche Verwendung von Ausweisen und/oder Kontrollschildern. Der Flüchtige ist offensichtlich ein Wiederholungstäter. Für seine Taten kassierte er eine Freiheitsstrafe von insgesamt fünf Jahren und einem Monat. Die Strafe sass er bis zur Flucht in der Strafanstalt Wauwilermoos ab.

Flucht aus Knast

«Der Gesuchte ist am 20. Juni ab dem Arbeitsplatz in der Strafanstalt Wauwilermoos entwichen. Seither ist er im Ripol, dem schweizweiten Polizeifahndungssystem, zur Verhaftung ausgeschrieben», bestätigt Stefan Weiss, Leiter Dienststelle Strafvollzug, auf Anfrage. Weiss fügt an: «Aus der Strafanstalt Wauwilermoos wäre eine bedingte Entlassung nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe per 18. April 2016 möglich gewesen.» Der Täter wollte jedoch nicht so lange warten.

Warum hat die Luzerner Polizei nicht gleich nach Kenntnis der Flucht eine öffentliche Ausschreibung in die Wege geleitet? Polizeisprecher Kurt Graf begründet dies wie folgt: «Mit der Meldung der Flucht wurde der Mann sofort polizeilich gesucht und in die Fahndungssysteme aufgenommen. Aufgrund der Persönlichkeitsrechte hat man den Flüchtigen zunächst nicht mittels Öffentlichkeitsfahndung gesucht. Der Fahndungsaufruf erfolgte, als ganz offensichtlich war, dass der Täter erneut straffällig wurde.» Graf verweist auf den Artikel 74 der Strafprozessverordnung, in dem die Bedingungen für eine Orientierung der Öffentlichkeit festgelegt sind.

Persönlichkeitsschutz auch für Täter

Massgebend seien die Tat und die Gefährlichkeit für die Bevölkerung. Da spiele nicht in erster Linie die Deliktsumme eine Rolle, sondern die Gefahr für Leib und Leben. Zudem müssten bei einer Orientierung der Öffentlichkeit auch immer der Grundsatz der Unschuldsvermutung und die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen beachtet werden. Als jedoch klar war, dass der Flüchtige wieder straffällig geworden ist, veröffentlichte man sein Bild samt Täterbeschreibung.

Beim Täter handelt es sich um einen Mann mit einer C-Niederlassungsbewilligung. Ob seine Straftaten für einen eventuellen Entzug der C-Bewilligung reichen oder ob ein Antrag auf Ausschaffung besteht, dazu war gestern vom Amt für Migration keine Auskunft erhältlich.

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