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LUZERN: Hans Ernis Werke unter dem Hammer

Wenige Monate nach Hans Ernis Tod versteigert die Galerie Fischer fünf seiner Werke. Mit Spannung wird erwartet, welche Preise sie erzielen werden.
Lena Berger
Die Skulptur «Föhn» von Hans Erni hat gestern an der Vorbesichtigung vor der Auktion in der Galerie Fischer bereits Interessenten angezogen. (Bild Nadia Schärli)

Die Skulptur «Föhn» von Hans Erni hat gestern an der Vorbesichtigung vor der Auktion in der Galerie Fischer bereits Interessenten angezogen. (Bild Nadia Schärli)

Das Highlight der Auktion, die am 18. Juni über die Bühne gehen wird, ist die 350 Kilogramm schwere und 150 Zentimeter grosse Skulptur «Föhn». Erni hat die Auftragsarbeit 1970 als Galionsfigur für das Motorschiff «Gotthard» geschaffen. Sie soll für mindestens 25'000 Franken den Besitzer wechseln. Es ist aber auch denkbar, dass sie einen massiv höheren Preis erzielen wird.

Werk mit Zentralschweizer Bezug

Auktionator Kuno Fischer erklärt, warum. «Es handelt sich nicht nur wegen der Grössendimensionen um ein aussergewöhnliches und bedeutendes Werk», betont er. Für Hans Erni als Künstler war diese Arbeit eine ganz spezielle. Er selbst sagte einst in einem Interview: «Ich war stolz, als mich die Vierwaldstättersee-Schifffahrtsgesellschaft bat, für das Schiff «Gotthard» eine Galionsfigur zu gestalten, besonders weil mein Vater auch Gotthard hiess.» Gotthard Erni arbeitete als Schiffsmaschinist auf dem Raddampfer «Uri». Sein Sohn war in seiner Jugend immer fasziniert, wenn er auf einem der Luzerner Dampfschiffe zu seinem Vater in den Maschinenraum durfte. «Der Reliefkopf aus Bronze ist mit seiner mythologischen Symbolik und seinem Ausdruck typisch für Erni», sagt Experte Kuno Fischer. Mit seinem wehenden Haar symbolisiert die Poseidonfigur den Föhn, der vor allem auf dem Urnersee sehr stark und stürmisch werden kann. «Damit hat das Werk auch einen starken Bezug zur Zentralschweiz», so Fischer.

Doch nicht nur die Skulptur, sondern auch Bilder von Erni werden versteigert. Der «Föhn» stammt aus dem Nachlass von Paul Erni, dem Bruder des Künstlers. Ferner bieten drei weitere Sammler Erni-Werke zum Verkauf an. Darunter ist das Öl-Bild «Fille allongée», für das ein Preis von 15'000 bis 20'000 Franken erwartet wird. «Wir geben den Käufern zur Orientierung jeweils eine geschätzte Preisspanne an. Natürlich handelt es sich dabei nicht um eine exakte Wissenschaft», erklärt Fischer. In die Schätzung fliesst unter anderem ein, welcher Schaffensperiode ein Werk angehört und welchen Stellenwert es in dieser Phase einnimmt. Aber auch die Materialien mit denen der Künstler gearbeitet hat, spielen eine Rolle bei der Preisgestaltung.

Preise könnten steigen

Eine Frage dürfte Sammler im Zusammenhang mit dieser Auktion besonders beschäftigen: Ist damit zu rechnen, dass die Preise für Erni-Werke steigen werden, nachdem der Künstler diesen März im Alter von 106 Jahren verstorben ist? Experte Kuno Fischer meint dazu: «Es ist sicherlich so, dass Hans Erni aufgrund der Berichterstattung und dem geplanten Dokumentarfilm über ihn stärker ins Bewusstsein von Kunstliebhabern gerückt ist.» Nun sei es möglich, zu seinem Gesamtwerk ein Fazit zu ziehen, es beginne die vertiefte wissenschaftliche Auseinandersetzung. «Ich kann mir vorstellen, dass auch private Sammler die Kunstwerke vermehrt der Öffentlichkeit zugänglich machen und Ausstellungen mit Retrospektiven stattfinden werden. Daher ist es durchaus denkbar, dass Hans Ernis Tod einen Schub auslösen wird», meint Fischer. Aktuell würden insbesondere die frühen Werke aus seiner Zeit in Paris gute Preise bringen. «Es ist aber nicht auszuschliessen, dass künftig auch die Preise für Werke aus späteren Schaffensphasen steigen werden.» Bei den Schätzungen für die anstehende Auktion, sei allerdings noch nicht von einem derartigen Effekt ausgegangen worden.

Bereits mehrere Interessenten

Für die «Föhn»-Skulptur – von der es nur vier Exemplare gibt – haben sich gemäss Fischer jedenfalls bereits mehrere Interessenten gefunden. «Es wurden schon Zustandsberichte angefordert und auch bereits erste schriftliche Gebote abgegeben.» Für welchen Betrag das Werk letztlich seinen Besitzer wechselt, lasse sich aber kaum vorhersehen. «Es ist möglich, dass das Doppelte von dem geboten wird, was wir als Mindestpreis angegeben haben», meint Fischer.

Noch bis am 14. Juni können Interessenten die Werke an der Vorbesichtigung in der Galerie Fischer in Luzern jeweils von 10 bis 18 Uhr genau unter die Lupe nehmen. Kuno Fischer und seine Mitarbeitenden stehen vor Ort für Fragen zur Verfügung.

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