Luzern hat 784 neue Maturanden: Besonders in Beromünster lieben sie Latein

Rund 800 junge Luzernerinnen und Luzerner haben dieser Tage ihre Matura absolviert. Ihre Fächer-Vorlieben variieren dabei je nach Gymnasium. 

Chiara Stäheli
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Endlich das Diplom in den Händen: Ein Bild von der Maturafeier an der Kantonsschule Willisau. (Bild: Jakob Ineichen, 29. Juni 2019)

Endlich das Diplom in den Händen: Ein Bild von der Maturafeier an der Kantonsschule Willisau. (Bild: Jakob Ineichen, 29. Juni 2019)

Der Maturastress ist nun vorbei. 806 Personen sind im Kanton Luzern in diesem Juni zu den Maturaprüfungen angetreten, 784 von ihnen haben bestanden und durften ihr Maturitätsdiplom entgegen nehmen. Das entspricht einer Erfolgsquote von 97,7 Prozent. Dieser Wert ist vergleichbar mit vergangenen Jahren, variiert aber je nach Schule (siehe Kasten rechts unten). Konstant hoch ist auch der Frauenanteil bei den Maturanden: Knapp drei Fünftel von ihnen sind weiblich. Dies, obwohl im Kanton Luzern die Männer bei der unter 20-jährigen Wohnbevölkerung stärker vertreten sind.

Warum seit Jahren mehr Frauen als Männer die Matura machen, darüber kann Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung, nur mutmassen: «Es gibt wohl viele Gründe, die diesen Anteil beeinflussen. Generell geht man davon aus, dass Frauen in diesem Alter disziplinierter arbeiten und ihnen auch die sprachlastige Fächerkombination am Gymnasium eher liegt als ihren männlichen Kollegen.» Das sei jedoch alles empirisch nicht bewiesen.

Frauen bevorzugen Sprachen

Unterschiede zwischen Mann und Frau zeigen sich auch in der Wahl des Schwerpunktfachs. Während bei den männlichen Maturanden Wirtschaft und Recht sowie Physik und Anwendungen der Mathematik besonders beliebt sind, belegen Maturandinnen häufiger musische Schwerpunktfächer wie Bildnerisches Gestalten sowie Sprachen wie Italienisch oder Spanisch. Am beliebtesten ist seit Jahren Wirtschaft und Recht – rund ein Viertel der diesjährigen Maturanden hat diese Vertiefungsrichtung gewählt. Für Aldo Magno ist deren Beliebtheit auf mehrere Gründe zurückzuführen: «Das Schwerpunktfach Wirtschaft und Recht ist sehr arbeitsmarktnah. Die Schüler können das Gelernte in vielen Lebensbereichen sofort anwenden.» Zudem sei es ein «generalistisches Fach», das Aspekte aus dem täglichen Leben bearbeite.

Am Alpenquai ist Latein praktisch verschwunden

Betrachtet man etwas genauer, welche Schwerpunktfächer die diesjährigen Maturanden an den acht Kantonsschulen, dem privaten Gymnasium St. Klemens Ebikon sowie an der Maturitätsschule für Erwachsene (MSE) besucht haben, fällt auf, dass sich auch regionale Unterschiede zeigen (siehe Grafik). So scheinen in eher ländlichen Gebieten – zum Beispiel an den Kantonsschulen Schüpfheim und Beromünster – sprachliche Fächer beliebter zu sein als im städtischen Raum, wo Naturwissenschaften stärker dominieren. Besonders an der Kantonsschule Beromünster scheint sich auch Latein nach wie vor grosser Beliebtheit zu erfreuen. Von den 55 Maturanden haben mehr als ein Viertel als Schwerpunktfach die Sprache der Römer gewählt. An der viel grösseren Kantonsschule Alpenquai Luzern – mit 203 erfolgreichen Absolventen die grösste des Kantons – waren es hingegen gerade einmal vier Schüler, die ihre Matura mit Latein abschlossen. Zurückzuführen ist dies wohl unter anderem darauf, dass am Gymnasium Alpenquai nebst Latein noch sieben weitere Schwerpunktfächer angeboten werden, in Beromünster stehen den Schülern lediglich fünf Alternativen zur Auswahl.

Diese These bestätigt auch Aldo Magno: «Die unterschiedlichen Präferenzen sind einerseits Zufall, andererseits aber auch über die Angebote gesteuert.» So werden beispielsweise in Beromünster zwei sprachliche und nur ein naturwissenschaftliches Schwerpunktfach angeboten, wohingegen Schüler der Kantonsschule Musegg gar keine Möglichkeit haben, eine sprachliche Vertiefung zu wählen. Daraus ergibt sich die unterschiedliche Anzahl Schüler.

Maturaquote 20 Prozent – mehr braucht es nicht

Mit den knapp 800 erfolgreichen Abgängern bleibt die Maturaquote im Kanton Luzern national gesehen weiter leicht unter dem Durchschnitt. In der Schweiz schlossen gemäss der aktuellsten Erhebung des Bundesamts für Statistik im Jahr 2016 21,2 Prozent die gymnasiale Matura ab. Leicht darunter mit 19,6 Prozent lag in jenem Jahr die Quote im Kanton Luzern. Das soll auch künftig möglichst so bleiben, findet Dienststellenleiter Aldo Magno: «Wir wollen nicht, dass sich die Quote weiter nach oben bewegt – ein Wert leicht unter 20 Prozent scheint angemessen, um das Qualitätsniveau behalten zu können.» Es sei ihm ein Anliegen, dass die «Richtigen» die Matura machen: «Wir wollen keine Quotensteuerung.» Das bedeutet: Wer den geforderten Notenschnitt erreicht, kann die Kantonsschule besuchen. Dieses Angebot wird übrigens auch im neuen Schuljahr ausgiebig genutzt. In die 1. Klasse des Langzeitgymnasiums treten 776 Jugendliche ein, neu ins Kurzzeitgymnasium starten im August 284 Schülerinnen und Schüler.

Weitere interessante Kennzahlen zu den Maturitätsabschlüssen 2019 finden Sie hier.