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«Luzern hat an Attraktivität verloren»: Audio-Fachgeschäft zieht nach Zug

Das Fachgeschäft für hochwertige Audio-Produkte «Tonbild Spinnerei» an der Neustadtstrasse zieht aus Luzern weg. «Zu teuer, keine Parkplätze, schlechter Branchenmix» sind einige der Gründe für den Inhaber. Beim Quartierverein Hirschmatt-Neustadt sieht man keine systematische Entwicklung.
Zéline Odermatt
Das ehemalige Ladenlokal in der Nähe des Bundesplatzes in Luzern. (Bild: PD, 26. März 2019)

Das ehemalige Ladenlokal in der Nähe des Bundesplatzes in Luzern. (Bild: PD, 26. März 2019)

Das Ladenlokal in der Luzerner Neustadt steht bereits seit einigen Tagen leer. Kunden des Audio-Fachgeschäfts «Tonbild Spinnerei» müssen neu nach Zug, wenn sie die dort erhältlichen Fachartikel einkaufen möchten. Der Laden an der Neustadtstrasse 3 in Luzern wird per Ende März abgegeben.

Man habe sich nicht mit der Vermieterin über die zukünftige Nutzung des Lokals einigen können, erklärt der Gründer und Inhaber des Geschäfts, Alois Kneubühler.

Jetzt ist das Geschäft in Zug im Feldpark 9 zu Hause. Doch weshalb ist man nicht innerhalb der Luzerner Neustadt umgezogen? «Wir haben uns zwei bis drei Ladenlokale angeschaut und waren interessiert», sagt Kneubühler. Doch man wurde sich nicht einig. Kneubühler: «Es sind vor allem Pensionskassen, die in der Neustadt Geschäfte vermieten.» Denen sei es lieber, dass das Lokal leer steht, als dass sie mit einem Fachgeschäft einen tieferen Mietzins verhandeln, so der Geschäftsinhaber. «Aber für das, was der Standort Luzern bietet, sind die Mieten einfach zu hoch.»

Kneubühler führt aus: «Zug ist da attraktiver, was die Mieten anbelangt.» Auch die Parkplatzsituation sei ein Faktor gewesen. Für Kunden, die ausserhalb der Stadt wohnen, sei es schwierig nach Luzern zu kommen, um hier einzukaufen. In Zug habe man nun Parkplätze direkt vor der Tür. «Wir sind zudem nah an der Autobahn und auch näher an Zürich», sagt Kneubühler.

Es hat somit verschiedene Gründe gegeben, weshalb die «Tonbild Spinnerei» aus Luzern weggezogen ist. «Es liegt schlussendlich aber daran, dass Luzern an Attraktivität verloren hat», sagt Kneubühler und erzählt weiter:

«Es gibt in der Neustadt 100 Coiffeure und 20 Bars, aber Verkaufsläden hat es nicht mehr viele.»

Dies helfe der Attraktivität der Stadt nicht. «Ausser man ist ein Tourist, lässt sich an den Schwanenplatz fahren, um dort eine Uhr zu kaufen», sagt Kneubühler. Diesen Kunden sei die Stadt Luzern noch freundlich gesinnt.

Quartierverein beschwichtigt

«Vieles ist im Wandel», sagt Markus Schulthess vom Quartierverein Hirschmatt-Neustadt. Im Wegzug des Audio-Geschäfts sieht er trotzdem keine systematische Entwicklung: «Die ‹Tonbild Spinnerei› zieht weg, die Würzenbach-Drogerie zieht zu.»

Tatsächlich eröffnet mit der Würzenbach-Drogerie am 29. März ein grosses Geschäft seine Türen im Quartier. An der Hirschmattstrasse 4 können Luzerner bald auf rund 500 Quadratmetern und drei Etagen Drogerie-Artikel einkaufen. Dies sei auch der Grund, weshalb man vom Würzenbach-Quartier in die Innenstadt ziehe, sagten die Inhaber gegenüber unserer Zeitung: «Am aktuellen Standort fehlte uns immer mehr der nötige Platz. Wir hatten keine Möglichkeit zu expandieren.»

Die Aussage von Kneubühler zum Branchen-Mix lässt Schulthess so nicht gelten: «Der Branchen-Mix in der Neustadt ist so, wie man es sich überall erhoffen würde.» Die unterschiedlichen, kleinen Geschäfte seien zudem weniger vom Wandel aufgrund des Online-Handels betroffen. «Die ganze Detailhandel-Branche ist im Umbruch. Aber die ersten Läden, die schliessen, sind die grossen Ketten mit Jeans-Marken, die man überall kaufen kann», so Schulthess. Und den Branchen-Mix könne man sowieso nicht beeinflussen. Schulthess:

«Die Innenstadt ist ein freier Markt und kein Shopping-Center.»

Zu dem von Kneubühler angeführten Grund der knappen Parkplatzsituation meint Schulthess: «Es ist eine Realität, dass der Platz im innerstädtischen Raum knapp ist.» Aber es gäbe auch neue, geplante Parkplätze wie diejenigen am Bundesplatz und bei der Himmelrich-Überbauung, die dieser Situation entgegenwirken.

Leere Ladenflächen rasch wieder besetzt

Doch wie sieht es mit den derzeit leer stehenden Ladenflächen im Quartier aus? Eine kurze Suche im Internet ergibt rund zehn Erdgeschoss-Ladenflächen, die auf einen neuen Mieter warten.

Schulthess: «Jedem Vermieter ist es selber überlassen, ob er sein Geschäft leer stehen lässt oder vermietet. Wir würden es natürlich begrüssen, wenn der Vermieter möglichst schaut, dass die Lokalitäten nicht leer bleiben.» Er sei jedoch positiv überrascht, wie schnell die meisten Leerstände in der Neustadt wieder belegt werden würden.

Die Diskussion über die Zu- und Wegzüge von Läden im Quartier findet Schulthess sowieso müssig. Man wisse nicht einmal, was ein einzelner Parkplatz oder ein Fussgänger der Innenstadt an Umsatz bringe. Es sei alles ein wenig spekulativ, denn es gäbe keine Zahlen dazu. «Besser wäre, man würde mithilfe einer Studie Fakten schaffen.»

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