Luzern hat im Untergrund den Durchblick 

Der Bund will die Leitungen national dokumentieren. Der Kanton Luzern sieht keinen Handlungsbedarf – er befürchtet Kosten in Millionenhöhe. 

Julian Spörri
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Anders als in anderen Kantonen ist das Leitungsnetz in Luzern bekannt. Im Bild: Das reformierte Kirchenzentrum der Lukaskirche in Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch, 11. Juli 2019)

Anders als in anderen Kantonen ist das Leitungsnetz in Luzern bekannt. Im Bild: Das reformierte Kirchenzentrum der Lukaskirche in Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch, 11. Juli 2019)

Hunderttausende Kilometer Leitungen verlaufen durch den Schweizer Untergrund. Sie transportieren Wasser und Abwasser, versorgen das Land mit Gas, Strom und Internet. Doch das Wissen darüber, wo diese Leitungen genau verlaufen, ist kreuz und quer im Land verteilt, und vielerorts hat niemand den Überblick. Nach jahrelanger Vorarbeit hat der Bund darum vor kurzem seine Pläne für ein nationales Leitungskataster in die Vernehmlassung gegeben. «Es ist an der Zeit, Wissen zu schaffen», sagt Christoph Käser von swisstopo, dem Bundesamt für Landestopografie.

Dass eine verlässliche Dokumentation des Untergrundes fehlt, hat auch mit dem Föderalismus zu tun. Gewisse Gemeinden und Kantone – bei letzteren ist es rund die Hälfte – kennen bis heute keine expliziten rechtlichen Bestimmungen für ein Leitungskataster. Nicht so im Kanton Luzern: Am 1. Januar 2004 trat das Geoinformationsgesetz in Kraft, welches die Grundlage für die Koordination von Datenerfassungen legt und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Werken regelt. Luzern hatte als schweizweit erster Kanton ein solches Gesetz erarbeitet.

Für das Luzerner Leitungskataster spannen der Kanton, alle Gemeinden und die Werke zusammen. Im Verein Raumdatenpool stellen sich die Akteure die Daten über den Untergrund gegenseitig zur Verfügung und koordinieren deren Erfassung und Nutzung – offenbar mit Erfolg: «Die Verfügbarkeit der Leitungskataster-Daten von Abwasser, Wasser, Elektrizität und Telekommunikation ist im Kanton Luzern hoch», sagt Thomas Hösli, Abteilungsleiter Geoinformation der kantonalen Dienststelle Raum und Wirtschaft.  

«Informationen werden lokal benötigt»

Die Arbeitsgruppe, welche der Bund bei den Vorarbeiten für ein nationales Leitungskataster eingesetzt hat, hat einstimmig den Grundsatzentscheid getroffen, dass «der Status Quo keine Option ist». In Luzern ist man mit der derzeitigen Situation aber zufrieden: «Im unserem Kanton sind die Erfahrungen mit dem Status Quo für alle am Leitungskataster beteiligten Stellen durchwegs positiv», betont Hösli. Die Planung im Untergrund sei ein wichtiges Thema und werde im Kanton Luzern kontinuierlich weiterentwickelt.

Hösli äussert sich skeptisch zu den Plänen des Bundes für eine nationale Dokumentation: «Informationen des Leitungskatasters werden gemäss unserer langjährigen Erfahrung vor allem lokal und nicht schweizweit benötigt. Eine durch die Kantone verantwortete Lösung erachten wir als zielführender.»

Ein Problem eines nationalen Leitungskatasters ortet Hösli in den Kosten:

«Einführung und Betrieb werden für den Kanton Luzern erhebliche zusätzliche Kosten in Millionenhöhe verursachen.»

Das nationale Kataster sei nämlich als Verbundaufgabe zwischen Bund und Kantonen angedacht, wobei sich alle Beteiligten daran finanziell beteiligen müssten. Der Bund als Mitverursacher stehe dafür nur teilweise gerade.

Stromleitungen sind im Kanton vollständig erfasst

Die Erfassung der Kataster-Daten erfolgt durch die Eigentümer des Werks – im Strombereich beispielsweise durch die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW). Marcel Schmid, Mediensprecher der CKW, erklärt: «Unsere Mitarbeitenden sind auf dem Feld digital unterwegs und speichern neue Leitungen beim Verlegen direkt mit GPS ab. Die Stromleitungen im Kanton Luzern sind darum vollständig erfasst.» Die CKW bietet eine eigene Auskunftsstelle an, von welcher diese Informationen frei abrufbar sind. Zudem lädt das Unternehmen die Daten in den Raumdatenpool.

Dort sind die Daten indes nur für registrierte Nutzer zugänglich. Dies habe mit Sicherheitsgründen zu tun, sagt Hösli. «Es besteht die mögliche Gefahr von Sabotageakten, die lebenswichtige Infrastrukturen wie die Wasserversorgung treffen könnten.»

Stromausfall: Mangelhafte Pläne oder fehlende Disziplin?

Wenn heute die Bagger auffahren, dann kommt es immer mal wieder vor, dass sie ihre Schaufel nicht nur in den Boden rammen – sondern auch in eine Leitung. Dies verursacht, sagt Christoph Käser, schweizweit jedes Jahr einen zweistelligen Millionenschaden, wobei die Dunkelziffer gross sei. Schäden durch Stromausfälle und Unterbrüche der Wasserversorgung sollen dank dem nationalen Leitungskataster vermieden werden.

Auf welche Statistik sich Christoph Käser abstütze, könne er nicht beurteilen, sagt Hösli. Dass es im Kanton Luzern Stromausfälle durch Grabarbeiten gebe, liege aber nicht daran, dass man die Leitung grundsätzlich nicht kenne: «Jeder Bauunternehmer weiss, dass er die Lage der Leitungen unentgeltlich beim zuständigen Werk in Erfahrung bringen muss. Leider erfolgt das nicht in allen Fällen oder die Grabarbeiten im Leitungsbereich werden nicht mit der nötigen Sorgfalt  ausgeführt.»

Das sieht die CKW ähnlich. In ihrem Versorgungsgebiet gibt es jährlich 15 bis 20 Stromunterbrüche, weil Leitungen bei Hoch- oder Tiefbauarbeiten beschädigt werden. Mediensprecher Schmid sagt: «Unsere Erfahrung zeigt, dass es weniger an den Plänen, sondern viel mehr an der Disziplin der verursachenden Unternehmen liegt.»