LUZERN: Haubentaucher: Nistplätze sorgen für Wirbel

Beim Motorboothafen am Alpenquai nisten auf Verankerungsseilen Haubentaucher. Werden diese losgelöst, sinken die Nester – und die Brut geht oft verloren.

Thomas Heer
Drucken
Teilen
Ein Hubentaucherweibchen auf ihrem Nest. (Bild: Heinz Schürmann)

Ein Hubentaucherweibchen auf ihrem Nest. (Bild: Heinz Schürmann)

So viel vorweg: Haubentaucher sind geschützte Tiere. Das heisst: Auch während des Brutgeschäftes dürfen diese Vögel nicht gestört werden. Soweit die rechtliche Ausgangslage, von der auch jener Bootsbesitzer Kenntnis hat, der am vergangenen Wochenende zusammen mit Freunden mit viel Vorfreude dem ersten Saisonausflug auf den See entgegenblickte.

Sein Schiff lag während der kalten Jahreszeit vertäut in der Anlage der Bootshafen AG am Alpenquai. Gross war die Überraschung, als der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, das Boot losbinden wollte. Denn auf einem der Verankerungsseile brütete ein Haubentaucher.

Eier in anderes Nest verlegt

Mit grossem Geschick hat das Tier sein Nest um das Seil herum konstruiert. Verständlich auch, dass der Vogel höchst ungehalten reagierte, als man sich daran schickte, seine Brutinsel vom Tau zu lösen. Der Bootsbesitzer erinnert sich ungern an jene Minuten: «Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Aber was sollten wir tun?», fragt er. Die Brutzeit dieses Vogels beträgt gemäss Matthias Kestenholz, Sprecher der Schweizer Vogelwarte, 28 Tage. Der Bootsbesitzer hatte also zwei Möglichkeiten. Mit dem ersten Ausflug abwarten, bis der Taucher fertig gebrütet hat, oder aber eben das Nest vom Seil zu lösen. Mit der Konsequenz, dass der Stroh- und Algenhaufen absank, um schliesslich auf dem Seegrund zu stranden. Der Bootsbesitzer, ein Tierfreund, bemühte sich, den Schaden in Grenzen zu halten. Mit Besen und Schaufel platzierte er die Eier in ein leeres Nest, das er unmittelbar neben seinem Boot sichtete. Die Umplatzierung scheint von Erfolg gekrönt. Denn als die Ausflügler nach rund 45 Minuten von ihrem Trip zurück in den Hafen tuckerten, beobachteten sie, wie sich bereits ein Haubentaucher auf das Gelege gesetzt hatte. Nur jener Vogel, dessen Nest im See versank, hatte sich noch immer nicht beruhigt und klagte bitterlich über den Verlust.

Zirka acht Nester

Dass eine Eierverlegung glücken kann, bestätigt Ornithologe Kestenholz. Er sagt: «Es funktioniert mitunter, wenn die beiden Nester sehr nahe beieinanderliegen.» Von den brütenden Haubentauchern hat auch Erwin Willen Kenntnis. Der Geschäftsführer der Bootshafen AG sagt: «Derzeit brüten auf unserem Areal zirka acht Haubentaucher.» Mit dem Areal sind der Motorboots- sowie der Segelbootshafen am Alpenquai gemeint. Willen führt weiter aus: «Die Vögel brüten bei Booten, die wenig bewegt werden und deren Verankerungsseile sich bis zur Wasseroberfläche neigen.» Damit das nicht passiert, empfiehlt Willen, die Leinen über sogenannte Umlenkrollen zu leiten. Damit wird erreicht, dass die Taue, vom Pegelstand unabhängig, immer straff gespannt bleiben und sich nicht bis zum Wasserspiegel absenken. Willen weist aber auch darauf hin, dass Umlenkrollen nicht zwingend notwendig seien. Mit der richtigen Anbindetechnik lasse sich, so Willen, der gleiche Effekt erzielen wie mit dem Einsatz von Umlenkrollen.

Thomas Heer